Eulensystematik

Owls (Strigiformes), annotated and illustrated checklist

Weick F

2006:350 S., 63 Abb., 23 Farbtafeln. Springer-Verlag /Berlin-Heidelberg (ca. 128,35 €).

Die vorliegende systematische Liste der Eulen der Welt erfasst 220 Eulenarten, mit der Unterartengliederung sind es 539 Taxa. Die Artenliste wurde auf den neuesten Stand gebracht und berücksichtigt die Ergebnisse moderner genetischer Analysen. Soweit diese zur Aufteilung bisheriger Artkomplexe geführt hat, nennt Weick deutlich mehr Eulenarten als alle Autoren zuvor, mit 141 Arten bei PETERS (1940), 195 Arten bei del HOYO et al. (1999), 199 Arten in der World Birds Taxonomic List und 212 Arten bei KÖNIG et al. (1999). Die Liste des Global Owl Project nennt neuerdings sogar 225 Eulenarten.

Die Eulen stellen innerhalb der Klasse der Vögel eine auffällig einheitliche Formengruppe dar. Durch diese Geschlossenheit waren die Eulen als einheitliche Gruppe nie umstritten, wobei die Aufspaltung in eine Gruppe der Schleiereulen und in „eigentliche Eulen“ bereits durch NITZSCH (1840) vorgeschlagen wurde. Doch große Unsicherheit herrschte bei der Eingliederung ihrer nächsten Verwandtschaft: Auf Grund ähnlicher Schnabelformen gruppierte LINNÉ (1758) die Eulen als Gattung Strix zusammen mit den Greifvögeln und Würgern (Ordnung Accipitres). Unter der Bezeichnung Strigidae stufte HUXLEY (1867) die Eulen bei den Geiern und Sekretären ein. Erst FÜRBRINGER (1888) löste die Eulen von den Taggreifvögeln und gliederte das Geschlecht der Striges mit der Familie Strigidae bei den Rackenvögeln (Coraciformes) ein. Der Rang einer eigenen Ordnung Striges wurde den Eulen erst von PETERS (1931) zuerkannt, der sie zwischen Nachtschwalben, Papageien und Kuckucken einreihte.

Die DNA-Analyse forderte die endgültige Loslösung der Nachtgreifvögel von den Taggreifvögeln: SIBLEY & AHLQUIST (1990) fügten als neue Überordnung die Strigimorphae ein, der die Ordnung Strigiformes mit 319 Arten aus 51 Gattungen zugeordnet ist, zu der innerhalb der Unterordnung Strigi die beiden Eulenfamilien Tytonidae mit 15 Arten aus 2 Gattungen, und Strigidae mit 184 Arten aus 27 Gattungen zählen. In die Ordnung Strigiformes werden neuerdings auch die Eulenschwalme und Nachtschwalben im Rang von Unterordnungen eingereiht. In der Überordnung Strigimorphae ist heute die Ordnung Strigiformes neben die Turakos (Ordnung Musophagiformes) gestellt. – Selbst­ver­ständ­lich kann keine Liste endgültig sein, da die Angleichung der Klassifikation an die evolutionsbiologischen Erkenntnisse einem steten Prozess der Annäherung entspricht.

Das Buch „Owls“ ist inhaltlich nach sieben Teilen gegliedert: 1. Übersicht zur aktuellen Systematik. 2. Beschreibung aller 220 Arten bzw. Unterarten (Namen, Körpermasse, Verbreitung, Habitat; Literaturzitate zur Erstbeschreibung und zur Biologie; als Besonderheit eine Auflistung aussagekräftiger Abbildungen und bemerkenswerter Museumssammlungen). In Teil 3. sind Flugbilder (Seitenansicht) einer repräsentativen Artenauswahl aller Gattungen für zwischenartliche Vergleiche dargestellt. Teil 4. listet die Flügelmaße (Schwingenformel) der Eulen tabellarisch auf. Als Anhang stellt Teil 5. die neu beschriebenen Eulenarten bzw. -unterarten in 87 farbigen Portraits dar, was speziell bei sehr ähnlichen Formen hilfreich erscheint (z. B. amerikanische Uhus). Die umfangreiche Literatur ist in Teil 6. angeführt. Ein Index mit wissenschaftlichen, englischen, französischen, spanischen und deutschen Namen schließt als Teil 7. das gehaltvolle Werk ab.- Um auch breiteren Interessentenkreisen den Zugang zu dieser speziellen Literatur zu öffnen, wurden in diesem englischsprachigen Buch Vorwort und Danksagung, sowie alle Kapitel-Überschriften und Bezeichnungen der Familien, Gattungen, z. T. auch der Eulenarten, ebenso auf Deutsch ausgeführt.

Diese Artenliste ist weder ein Bestimmungsschlüssel noch ein reines Bilderbuch oder eine Eulenmonographie. Bei hohem Anspruch an das fachliche Niveau und die Aktualität bietet sie eine hervorragende Hilfe bei der Bearbeitung wissenschaftlicher Sammlungen und bei Studien zur globalen Biodiversität. Aber auch der Praktiker im wissenschaftlichen Artenschutz sollte mit dieser Liste angesprochen werden, da die globale, nationale oder regionale Verantwortlichkeit für die Bestandssicherung gefährdeter Formen häufig erst aus einer taxonomischen und geographischen Differenzierung ersichtlich wird. Vor allem werden in dieser kommentierten Artenliste die zum Teil breit gestreuten Quellen in eine Art Statusbericht zusammengeführt.

Wolfgang Scherzinger

Quelle: 2007: Eulen-Rundblick 57: 52