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Eulen in Europa

Die Eulen Europas

Die 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage ist erschienen

05.12.2021

Wolfgang Scherzinger & Theo Mebs (2020); Kosmos-Verlag / Stuttgart: 416 S., 323 Fotos, 125 Graphiken, 59 Tabellen, 15 Karten.

Aus dem Schummer von Mythen und Märchen sind die Eulen in einem bisher nicht gekannten Maße ins Rampenlicht breiter Interessenskreise gerückt. Vom Kinderbuch bis zur Eulen-Show, von der Fachzeitschrift bis zur Welt-Eulen-Konferenz haben die Eulen ihr Außenseiter-Image abgestreift. Dank des wachsenden Engagements zum Schutz dieser ungewöhnlichen Vogelgruppe, dank langjähriger Beringung und neuer Telemetrie-Systeme, die jeden Ortswechsel selbst über Kontinente registrieren, mit Hilfe automatischer Kameras und Nachtsichtgeräte, die eine Beobachtung bei Dunkelheit ermöglichen, dank handlicher Aufnahmegeräte für bioakustische Feldarbeit und zunehmender Etablierung von Labors für genetische Analysen kam in wenigen Jahren eine Fülle wegweisender Forschungsergebnisse zur Veröffentlichung, die eine Überarbeitung und Aktualisierung der „Eulen Europas“ jedenfalls für gerechtfertigt und geraten machen.

Von besonderer Aussagekraft sind dabei Langzeitprojekte, die z. T. mehrere Jahrzehnte überspannen, wie ein kontinuierliches Monitoring regionaler Bestände, die systematische Beringung lokaler Brutpopulationen, oder die Fortschreibung von Genealogie und Populationsaufbau samt den mitunter komplexen Fortpflanzungsstrategien. Dabei erwies sich die Zusammenführung unterschiedlicher Disziplinen als besonders fruchtbar, da somit Beutewahl, Paarungssysteme, Bruterfolg und selbst Migrationen in eine Zusammenschau mit Lebensraum und Prädationsrisiko sowie den großräumigen, z. T. kontinentalen Fluktuationen von Beuteangebot und Witterung gestellt werden können. Gänzlich neu sind Kooperationen zwischen funktionaler Morphologie, Strömungs-Technik und Luftfahrtingenieuren, die in der Feinstruktur der Eulenfeder bis zum „lautlosen“ Eulenflug ein Modell für geräuscharme Flugkörper, Windkrafträder und Turbinen erkennen.

Diesen unübersehbaren Fortschritten steht die wachsende Gefährdung der Eulen gegenüber, wobei oft landschaftsweiter Lebensraumverlust an erster Stelle steht. Am auffälligsten in der Agrarlandschaft, durch stete Erweiterung der Feldeinheiten – unter rasantem Wegfall kleinräumiger Vielfalt und lebensraum-bestimmender Strukturen; durch zunehmenden Umbruch von Grünland und Aufgabe von Brachland. Wenn Wald-Lebensräume auch noch weniger massiv umgebaut erscheinen, so trifft die zunehmende Nutzung naturnaher Altbestände samt ihrer Vielfalt an Specht- und Baumhöhlen sowie deckungsreichen Einständen besonders die Höhlenbrüter. Völlig ungewiss sind die Folgen des Klimawandels für die künftige Entwicklung der Lebensräume und für die Verbreitung der Eulen, wie auch für Beuteangebot und Feinddruck. Im „Anthropozän“ wachsen auch die Unfallrisiken für Eulen in der freien Landschaft, an erster Stelle durch den Verkehr, durch das dichte Netz an Stromleitungen und die trügerischen Glaswände der Hausfassaden.

Gleichzeitig beweist das erfreuliche Engagement für unsere Eulen in allen Gesellschaftsschichten, dass die Hilfsmaßnahmen greifen: wie der nachhaltige Effekt von Wiederansiedungsprojekten bei Uhu, Habichtskauz und Steinkauz; die unübersehbaren Erfolge systematischer Nistkastenanbringung samt kontinuierlicher Betreuung, speziell für Steinkauz, Raufußkauz und Schleiereule; die Abschirmung sensibler Brutgebiete von Störungen, wie Geo-Caching, Klettersport oder Baumfällung. Die Eulen selbst zeigen uns, dass auch ganz unerwartete Entwicklungen möglich sind, wie der Zuzug des Uhus aus „einsamen Waldschluchten“ in die lärmende Großstadt! - Eulen brauchen Freunde – und die haben sie gefunden!

aus: Eulenrundblick 70: 122


Eulen und Käuze

THEODOR MEBS
1987: Kosmos Naturführer


Eulen

WOLFGANG EPPLE
(o. Jahr): Gräfe & Unzer


Eulen. Vögel der Weisheit – Jäger der Nacht

LOHMANN M, NILL D & PRÖHL T

2010: BLV München, 160 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen, laminierter Pappband mit Schutzumschlag. ISBN 978-3-8354-0441-0

Kaum eine andere Vogelgruppe regt seit jeher die Phantasie der Menschen so an wie es die nächtlichen Eulen tun, und nach wie vor scheint es ein ungebremstes Interesse an Bildbänden über Eulen zu geben, denn die im Oktober 2010 herausgegebene 1. Auflage war mit 4.000 Exemplaren schon in kürzester Zeit vergriffen und musste inzwischen nachgedruckt werden.

Der üppig von den namhaften Tierfotografen DIETMAR NILL und TORSTEN PRÖHL ausgestaltete Farbband besticht durch seine überwiegend hervorragenden Fotos von allen 13 europäischen Eulenarten. Die fachlichen Texte wurden von Dr. MICHAEL LOHMANN verfasst, teilweise finden sich eingestreut auflockernde Erlebnisberichte auch der beiden Fotografen. Der großformatige Bildband will kein spezielles Fachbuch sein, das dem Eulenkenner neueste Forschungsergebnisse bietet, sondern es sollen dem interessierten Leser in unterhaltsamer Weise - verknüpft mit schöngeistigen und kulturellen Einflechtungen - wissenswerte Besonderheiten der Eulen vermittelt werden.

Einleitend werden im Kapitel „Weisheitsvogel und Todesbote“ die mythische Bedeutung der Eulen sowie ihre Rolle in Literatur und Kunst betrachtet. Warum aber hier im 2. Absatz auf über 20 Zeilen die Hexenverfolgung im Mittelalter behandelt wird, erscheint mir eine unnötige Abschweifung zu sein. Es folgen weitere, allgemein gehaltene Kapitel, in denen auf morphologische Anpassungen, das Jagdverhalten, auf verhaltensbiologische Besonderheiten und ökologische Beziehungen sowie „Kauziges in Sprache und Dichtung“ eingegangen wird. Abschließend werden in einem „Artenteil“ alle europäischen Eulen in Form zweiseitiger Steckbriefe, die ebenfalls bebildert sind, vorgestellt.

Die mehrfach über zwei Seiten reichenden Farbfotos sind beeindruckend, vor allem die Flugaufnahmen und gestochen scharfen Bilder, z. B. vom Beutefang der Schleiereule auf S. 35. Bei manchen Bildern wie den schmusenden Steinkäuzen kann sich wohl niemand eines Schmunzelns erwehren! Eindrucksvoll ist auch das „Suchbild“ auf S. 109-110, das einmal die Kleinheit des Sperlingskauzes im Vergleich mit dem Lärchenstamm und seinen Ästen deutlich werden lässt, denn oftmals wird unsere kleinste Eule in Überlebensgröße abgebildet! Bei einigen Habitat- und Stimmungsbildern hätte man sich durchaus eine bessere Schärfe gewünscht. Leider sind die Legenden in ihrer winzigen Kursivschrift schlecht zu lesen, vor allem wenn sie in den Farbabbildungen auch erst gesucht werden müssen.

Die Texte sind vorrangig für den Nicht-Ornithologen geschrieben, voller allgemein interessanter und informativer Details, passagenweise auch recht amüsant zu lesen, aber mitunter mit zu sehr vermenschlichenden Deutungen und Begriffen behaftet. Mit der kritiklosen Umsetzung der neuen deutschen Rechtschreibung wurde leider auch der Name des Rauhfußkauzes sinnentstellend verändert (vgl. ER 59: 26). In den Kapiteln gibt es nur wenige Wiederholungen wie etwa die ausführliche Darstellung, dass das Nesthäkchen bei Nahrungsmangel als „Reservenahrung“ dient (S. 76 und 99). Hinsichtlich der morphologischen Anpassungen an die Jagd bleiben bedauerlicherweise die schallverstärkende Wirkung des Eulenschleiers und die Asymmetrie der Ohren bei einigen nordischen Eulen unerwähnt, die eine zweidimensionale Horchpeilung und damit eine erstaunlich genaue Lokalisation von Kleinsäugern selbst unter Schnee erlauben.

Im Anhang befinden sich ein Literaturverzeichnis mit lediglich zwei Zitaten und sechs Web-Adressen sowie ein Stichwortverzeichnis. Im Impressum sucht man vergeblich einen umfassenden Bildnachweis, denn nur die wenigen Fotos fremder Bildautoren sind mit Seitenangabe aufgeführt. Ich hatte auch Schwierigkeiten die zutreffende Autorenreihenfolge zu ermitteln: Auf dem Schutzumschlag und der Titelseite lautet die Aufzählung NILL/PRÖHL/LOHMANN, bei Bestellung über das Internet heißt es dagegen LOHMANN, NILL & PRÖHL.

Trotz dieser verlegerischen Unzulänglichkeiten kann der Bildband interessierten Lesern und Eulenfreunden sehr empfohlen werden, denn über die hervorragende Bebilderung hinaus gewährt das Buch ein Lesevergnügen, da gekonnt wissenswerte Fakten und kulturelle Bezüge mit unterhaltsamen Erlebnisberichten der Autoren verknüpft werden und dadurch eine besonders persönliche Note entsteht.

Jochen Wiesner

euleninfos/eulenliteratur/eulenbuecher/eulen_in_europa.txt · Zuletzt geändert: 2021/12/09 13:39 von ppeterman