Eulen in Europa

Eulen in Europa

Die Eulen Europas

MEBS T & SCHERZINGER W

2008: Die Eulen Europas- Biologie, Kennzeichen, Bestände. Überarbeitete und aktualisierte Ausgabe. Gebunden, 398 Seiten, 325 farbige Abbildungen, 6 Schwarz-Weiß-Abbildungen. Kosmos, Stuttgart. ISBN-13: 978-3-440-11642-5

Nach wenigen Jahren war die erste Auflage des Standardwerkes von MEBS und SCHERZINGER ausverkauft. In den Jahren 2004 bzw. 2006 erschienen Übersetzungen ins Niederländische und Französische, so dass es nicht überrascht, dass nach acht Jahren die zweite deutsche Auflage gedruckt wurde. Es handelt sich nach eigenen Angaben der Autoren bzw. des Verlages um eine verbesserte bzw. aktualisierte Auflage.

Die Veränderungen halten sich aber in Grenzen: das Bildmaterial ist mit Ausnahme der Titelbildgestaltung unverändert und auch der Text hat nur geringfügige Ergänzungen bzw. Verbesserungen erfahren, so dass die Seitenzahl nur um zwei Seiten erhöht wurde. Drucktechnisch ist das Buch auf einem unverändert hohen Niveau. Wesentliche Aktualisierungen konnte ich nur bei der Systematik (vor allem im Kapitel „System und Verwandtschaft“ oder z.B. im Artkapitel Waldkauz), in der Verbreitungskarte des Sperlingskauzes, in einigen Bestandstabellen und bei den Literaturzitaten ausmachen (die Auswahl der neu aufgenommenen Literaturzitate wirkt teilweise beliebig, z.B. blieben aktuelle und bedeutende Forschungsarbeiten am Uhu in Italien unberücksichtigt).

Allerdings wurden auch einige Bestandszahlen nicht gemäß z.B. den Angaben in Birdlife (2004) aktualisiert oder es sind einige neue Fehler hinzugekommen. Bei der Zwergohreule und beim Habichtskauz wurden in den Tabellen die Bestandsangaben für Österreich bzw. Slowakei und Kroatien in der Tabelle verändert, der Text aber nicht entsprechend angepasst; beim Uhu wurden in der Tab. 26 drei neue Kurzzitate aufgenommen, die im Literaturverzeichnis fehlen; beim Habichtskauz wurde für die Slowakei eine neue Bestandszahl mit dem Zitatkürzel KRISTIN et al. (2007) eingefügt, das vollständige Zitat ist aber in den Literaturverzeichnissen nicht zu finden.

Durch die (zum Teil uneinheitliche) Neuaufnahme von Literaturzitaten und die Aufnahme eines vierten Verzeichnisses (Quellen zu Abbildungen) wird dem Leser die Quellensuche noch mehr erschwert, als es schon bei der ersten Auflage der Fall war, als Zitate und Quellenangaben in drei verschiedenen Verzeichnissen (spezielle bzw. allgemeine Literatur, Quellen zu Bestandsangaben) zu suchen waren und man zudem erst am Ende erfuhr, dass Zitate ohne Jahresangabe eine persönliche Mitteilung bedeuteten (was zudem nicht immer eingehalten wurde). So sind in der neuen Ausgabe bei mehreren Arten einige neue Zitate sowohl in den alten speziellen Verzeichnissen als auch unter „Zusätzlich aufgenommen“ aufgeführt. Dabei wurden zum Teil auch alte Zitate im Verzeichnis gestrichen, obwohl im Text noch Kurzzitate dazu bestehen, z.B. TOME (1998) auf Seite 118. Dadurch verändern sich zum Teil die Nummerierungen in den Verzeichnissen, so dass in einigen Fällen die Zitate mit einer bloßen Nummer nicht mehr zu den Nummern in den Verzeichnissen passen, z.B. Zitat [1] auf Seite 209, [40] auf S. 377 [33] S. 378, [34] und [11] auf S. 379. Wenn es also zu einer dritten Auflage des Klassikers kommt, sollte ein einheitliches, stimmiges und benutzerfreundliches Literaturverzeichnis erstellt werden.

Ein weiterer Tipp: bei den Adressen wären Web- und E-Mail-Verbindungen sehr nützlich.

Hubertus Illner
Quelle: 2009: Eulen-Rundblick 59: 56-57


Eulen und Käuze

THEODOR MEBS
1987: Kosmos Naturführer


Eulen

WOLFGANG EPPLE
(o. Jahr): Gräfe & Unzer


Eulen. Vögel der Weisheit – Jäger der Nacht

LOHMANN M, NILL D & PRÖHL T

2010: BLV München, 160 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen, laminierter Pappband mit Schutzumschlag. ISBN 978-3-8354-0441-0

Kaum eine andere Vogelgruppe regt seit jeher die Phantasie der Menschen so an wie es die nächtlichen Eulen tun, und nach wie vor scheint es ein ungebremstes Interesse an Bildbänden über Eulen zu geben, denn die im Oktober 2010 herausgegebene 1. Auflage war mit 4.000 Exemplaren schon in kürzester Zeit vergriffen und musste inzwischen nachgedruckt werden.

Der üppig von den namhaften Tierfotografen DIETMAR NILL und TORSTEN PRÖHL ausgestaltete Farbband besticht durch seine überwiegend hervorragenden Fotos von allen 13 europäischen Eulenarten. Die fachlichen Texte wurden von Dr. MICHAEL LOHMANN verfasst, teilweise finden sich eingestreut auflockernde Erlebnisberichte auch der beiden Fotografen. Der großformatige Bildband will kein spezielles Fachbuch sein, das dem Eulenkenner neueste Forschungsergebnisse bietet, sondern es sollen dem interessierten Leser in unterhaltsamer Weise - verknüpft mit schöngeistigen und kulturellen Einflechtungen - wissenswerte Besonderheiten der Eulen vermittelt werden.

Einleitend werden im Kapitel „Weisheitsvogel und Todesbote“ die mythische Bedeutung der Eulen sowie ihre Rolle in Literatur und Kunst betrachtet. Warum aber hier im 2. Absatz auf über 20 Zeilen die Hexenverfolgung im Mittelalter behandelt wird, erscheint mir eine unnötige Abschweifung zu sein. Es folgen weitere, allgemein gehaltene Kapitel, in denen auf morphologische Anpassungen, das Jagdverhalten, auf verhaltensbiologische Besonderheiten und ökologische Beziehungen sowie „Kauziges in Sprache und Dichtung“ eingegangen wird. Abschließend werden in einem „Artenteil“ alle europäischen Eulen in Form zweiseitiger Steckbriefe, die ebenfalls bebildert sind, vorgestellt.

Die mehrfach über zwei Seiten reichenden Farbfotos sind beeindruckend, vor allem die Flugaufnahmen und gestochen scharfen Bilder, z. B. vom Beutefang der Schleiereule auf S. 35. Bei manchen Bildern wie den schmusenden Steinkäuzen kann sich wohl niemand eines Schmunzelns erwehren! Eindrucksvoll ist auch das „Suchbild“ auf S. 109-110, das einmal die Kleinheit des Sperlingskauzes im Vergleich mit dem Lärchenstamm und seinen Ästen deutlich werden lässt, denn oftmals wird unsere kleinste Eule in Überlebensgröße abgebildet! Bei einigen Habitat- und Stimmungsbildern hätte man sich durchaus eine bessere Schärfe gewünscht. Leider sind die Legenden in ihrer winzigen Kursivschrift schlecht zu lesen, vor allem wenn sie in den Farbabbildungen auch erst gesucht werden müssen.

Die Texte sind vorrangig für den Nicht-Ornithologen geschrieben, voller allgemein interessanter und informativer Details, passagenweise auch recht amüsant zu lesen, aber mitunter mit zu sehr vermenschlichenden Deutungen und Begriffen behaftet. Mit der kritiklosen Umsetzung der neuen deutschen Rechtschreibung wurde leider auch der Name des Rauhfußkauzes sinnentstellend verändert (vgl. ER 59: 26). In den Kapiteln gibt es nur wenige Wiederholungen wie etwa die ausführliche Darstellung, dass das Nesthäkchen bei Nahrungsmangel als „Reservenahrung“ dient (S. 76 und 99). Hinsichtlich der morphologischen Anpassungen an die Jagd bleiben bedauerlicherweise die schallverstärkende Wirkung des Eulenschleiers und die Asymmetrie der Ohren bei einigen nordischen Eulen unerwähnt, die eine zweidimensionale Horchpeilung und damit eine erstaunlich genaue Lokalisation von Kleinsäugern selbst unter Schnee erlauben.

Im Anhang befinden sich ein Literaturverzeichnis mit lediglich zwei Zitaten und sechs Web-Adressen sowie ein Stichwortverzeichnis. Im Impressum sucht man vergeblich einen umfassenden Bildnachweis, denn nur die wenigen Fotos fremder Bildautoren sind mit Seitenangabe aufgeführt. Ich hatte auch Schwierigkeiten die zutreffende Autorenreihenfolge zu ermitteln: Auf dem Schutzumschlag und der Titelseite lautet die Aufzählung NILL/PRÖHL/LOHMANN, bei Bestellung über das Internet heißt es dagegen LOHMANN, NILL & PRÖHL.

Trotz dieser verlegerischen Unzulänglichkeiten kann der Bildband interessierten Lesern und Eulenfreunden sehr empfohlen werden, denn über die hervorragende Bebilderung hinaus gewährt das Buch ein Lesevergnügen, da gekonnt wissenswerte Fakten und kulturelle Bezüge mit unterhaltsamen Erlebnisberichten der Autoren verknüpft werden und dadurch eine besonders persönliche Note entsteht.

Jochen Wiesner

Zuletzt geändert: 2014/04/14 17:15
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