Aus dem Alltag der Eulenforscher

Aus dem Alltag der Eulenforscher

Viele Schweizer Uhus sterben den Stromtod

Die Neue Züricher Zeitung zeigte am 5.4.2018 eine eindrucksvolle Bilderstrecke zum Schutz des Uhus an Mittelspannungsleitungen.

Stromschläge gefährden Schweizer Uhus




Eulen-Webcams 2018




Wofür sich eine brütende Schleiereule interessiert

Ernst Kniprath

16.02.2018

die Mahlzeit ihres Männchens
die Mahlzeit ihres Männchens – ermüdend…
ihr soeben gelegtes Ei
den abgegebenen Kot
und nochmal den Kot
eine Schmeißfliege
da oben ist doch was…
interessant…
















Alle Fotos aus: Aargau 2012: webcam-Aufnahme. Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr & Umwelt, Abteilung Landschaft & Gewässer, Entfelderstrasse 22, CH 5001 Aarau www.ag.ch/alg




NACHRUF

Dr. Theodor Mebs

(08. März 1930 - 24.Juli 2017)

Unsere Eulen haben einen ihrer engagiertesten, kenntnisreichsten und liebenswürdigsten Fürsprecher verloren. Wir trauern um Dr. Theodor Mebs.

Theodor Mebs wurde am 8. März 1930 in Würzburg geboren und wuchs als ältestes Kind der Pfarrleute Gertrud und Rudolf Mebs in Castell/Steigerwald in Unterfranken auf.

Von frühester Jugend an interessierte er sich für die Vogelwelt. Angeregt durch sein erstes Vogelbuch „Die Raubvögel der Heimat“ von Dr. h.c. Otto Kleinschmidt, welches er sich bereits im Alter von 12 Jahren kaufte, wurde schon sehr früh sein besonderes Interesse für Greifvögel (und später auch für Eulen) geweckt. Bedingt durch die Folgen des 2. Weltkrieges konnte er nach Kriegsende fast 1 ½ Jahre nicht zur Schule gehen. In dieser Zeit durchstreifte er fast täglich die Wälder in der Umgebung, erkletterte die Horstbäume von Mäusebussarden und Rotmilanen, Turmfalken, Habichten und Sperbern und fand im August 1945 seinen ersten besetzten Wespenbussardhorst.

Bereits zu der Zeit hielt er alle ornithologischen Beobachtungen und Informationen in Tagebüchern fest, eine Gewohnheit, der Theodor Mebs bis zum Schluss treu geblieben ist.

Ab dem Herbst 1946 besuchte Theodor Mebs das Gymnasium in Bamberg. Hier wurde sein besonderes Interesse an der Vogelwelt von seinem Biologielehrer gefördert, der ihm Wanderfalken- und Uhu-Brutplätze in der Fränkischen Schweiz zeigte. Diese beiden Vogelarten wurden so zu seinen Lieblingsvögeln´, mit denen er sich zeitlebens am intensivsten beschäftigt hat.

So lag es nur nahe, dass nach dem Abitur 1949 seinen Neigungen entsprechend an der Hochschule Bamberg mit dem Studium der Biologie, Chemie und Geographie begann und die Studien dann an den Universitäten Freiburg/Breisgau und München fortsetzte. Auch hier wurde seine Begeisterung für Greifvögel schnell erkannt und besonders gefördert, vor allem von Herrn Dr. Gerd Dieselhorst, dem ornithologischen Kustos an der Zoologischen Staatssammlung in München, der ihn 1957 zu einer Dissertation über den Mäusebussard ermutigte. In den folgenden Jahren führte Theodor Mebs intensive Freiland-Untersuchungen für seine Dissertationsarbeit über Räuber-Beute-Verhältnisse durch, die den Titel trug „Untersuchungen zur Biologie und Populationsdynamik des Mäusebussards (Buteo buteo) unter besonderer Berücksichtigung der Abhängigkeit vom Massenwechsel der Feldmaus (Microtus arvalis)“. 1963 schloss erseine Promotion in München ab.

Bereits 1950 beantragte er bei der Vogelwarte Radolfzell eine Beringungserlaubnis, insbesondere für den streng geschützten Uhu. Diese erhielt er von Dr. R. Kuhk ohne weitere Rückfragen, worauf er in den folgenden Jahren zahlreiche Uhus und andere Eulenarten sowie Greifvögel und Weißstörche beringte. Im Jahre 1953 veröffentlichte Theodor Mebs seine erste ornithologische Arbeit, einen faunistischen Beitrag über den Uhu in der Fränkischen Schweiz.

1960 folgte er einem Angebot von Dr. H. BRÜLL und wurde Lehrer für Landschaftskunde an der Kurzschule Weißenhaus an der Ostsee. Seine Aufgabe bestand vor allem darin, jungen, heranwachsenden Menschen die Natur und ihre vielfältigen Zusammenhänge, auch unsere menschliche Abhängigkeit von einer intakten Umwelt, anschaulich „in freier Natur“ nahe zu bringen.

Sehr bald schon betätigte sich Dr. Mebs auch als Sachbuchautor. Bereits 1964 erschien im Kosmos-Verlag in Stuttgart sein erstes Buch „Die Greifvögel Europas und die Grundzüge der Falknerei“. Mit diesem Werk sowie auch dem wenig später erschienenen Buch „Eulen und Käuze“ hat er diese Vogelfamilien einem breiten Leserpublikum in verständlicher, geradezu fesselnder Weise nahegebracht. Für viele, vor allem junge Ornithologen, waren diese Bücher oftmals die Einstiegslektüre in den Vogel- und Naturschutz. Entsprechend wurden diese Bücher in den folgenden Jahren nicht nur mehrfach aufgelegt, sondern inhaltlich auch völlig überarbeitet.

Am 1. Oktober 1970 begann Dr. Mebs seinen Dienst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der damals noch eigenständigen Staatlichen Vogelschutzwarte des Landes Nordrhein-Westfalen´. 1975 wurde die Vogelschutzwarte in die neugegründete LÖLF integriert und als Fachgebiet „Angewandte Ornithologie (Vogelschutzwarte)“ im Organisationsplan eingebaut. Nach der Pensionierung von Herrn Dr. W. Przygodda im Jahre 1978 wurde Theodor Mebs die Leitung dieses Fachgebietes übertragen.

Gemäß seinen speziellen Interessen für Greifvögel und Eulen hat er sich an der Vogelschutzwarte in Essen vor allem um diese Vogelgruppen und die Verbesserung ihres Schutzes gekümmert. Viele Greifvögel hatten damals noch eine begrenzte Jagdzeit, durften also legal geschossen, gefangen oder ausgehorstet werden. Daneben gab es auch viele illegale Aushorstungen, vor allem bei bestandsgefährdeten Arten. Um diese Aktivitäten zu verhindern oder zumindest zu erschweren, hat sich Dr. Mebs intensiv um die Kontrolle der privaten Haltungen von Greifvögeln und Eulen, sowie anderen geschützten Vogelarten bemüht und 1974 die Einführung einer individuellen Kennzeichnung von Greifvögeln und Eulen in Gefangenschafthaltungen erreichen können. Es gelang ihm außerdem, die Einrichtung von zehn, mit staatlichen Mitteln geförderten speziellen Pflege- und Ausgewöhnungsstationen in Nordrhein-Westfalen zu initiieren, in denen verletzte, vor allem aber illegal gehaltene und dann beschlagnahmte Greifvögel und Eulen gesund gepflegt und wieder auf ein Leben in freier Natur vorbereitet wurden.

Besondere Schutzbemühungen von Dr. Mebs galten neben den Greifvögeln Uhu, Schleiereule, Steinkauz und Rauhfußkauz (Beim ´Rauhfußkauz´ haben wir bewusst die alte Schreibweise gewählt, da Theodor Mebs die neue Schreibweise ohne ´h´ nie akzeptiert hat). Gleichzeitig engagierte er sich für Lebensraumverbesserungen für Weiß- und Schwarzstorch oder Haselhuhn um nur einige weitere, in ihrem Bestand gefährdete Arten zu nennen.

Von ganz besonderer Bedeutung für die Arbeit der Vogelschutzwarte und damit für den Schutz der Vogelwelt waren der Ausbau des Netzes der ehrenamtlichen Mitarbeiter der VSW, den „Vertrauensleuten für Vogelschutz“ und deren Betreuung durch Herrn Mebs. Die Ermittlung umfangreicher Bestandsangaben sowie die Umsetzung von Schutzmaßnahmen waren nur in enger Zusammenarbeit mit diesen ehrenamtlichen Natur- und Vogelschützern möglich.

Am 31. März 1995 trat er dann in den altersbedingten „amtlichen“ Ruhestand. Kurze Zeit später zog es ihn wieder in seine alte Heimat Castell.

Doch auch nach dem Eintritt in das „Rentenalter“ hat Theodor Mebs nicht die Hände in den Schoß gelegt. Bei guter Gesundheit, nicht zuletzt aufgrund der guten Versorgung durch seine liebe Frau Anna, arbeitete er tagtäglich an seinen Projekten. Bereits im Jahr 2000 erschien - wiederum im Kosmos-Verlag - das großformatige Buch „Die Eulen Europas. Biologie, Kennzeichen, Bestände“, das er gemeinsam mit Dr. Wolfgang Scherzinger verfasste. Dieser Prachtband (und seine weiteren, aktualisierten Auflagen) sind weit mehr als ein Nachschlagewerk. Der profunde Text und die faszinierenden Momentaufnahmen und Fotostudien der Eulen machen es zu einem Hochgenuss! Über 300 gestochen scharfe zum Teil ungewöhnliche Farbfotos porträtieren die Eulen in allen Altersstufen, einschließlich der Nestlinge und Ästlinge. Detailgetreue, erklärende Strich-Zeichnungen verdeutlichen Verhalten und spezielle Erkennungsmerkmale der Vögel.

Im Jahre 2006 erschien in ähnlich fesselnder Aufmachung dann sein Buch: „Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens“, das er gemeinsam mit Dr. Daniel Schmidt, dem Leiter des Vogelschutzzentrums Mössingen (Baden-Württemberg) verfasst hat. Auch hier ist die Informationsfülle überwältigend.

Die Gesamtzahl seiner ornithologischen Veröffentlichungen übersteigt inzwischen die Zahl 110, wobei sich allein rund 40 Arbeiten mit Eulen beschäftigen.

Wir Autoren dieses Nachrufs hatten das Glück, viele Jahre mit Dr. Theodor Mebs zu verbringen, sei es als Mitarbeiter, Kollege oder Freund. Wir haben ihn kaum einmal schlecht gelaunt erlebt. Seine optimistische Lebenseinstellung hat immer zu einer angenehmen, freundschaftlichen Atmosphäre geführt. Theodor Mebs hat nie die Ellenbogen gebraucht, um zu „überzeugen“. Er hat vielmehr geduldig mit hohem Fachwissen, reicher Lebenserfahrung argumentiert. Auch überzeugte er mit viel Humor, um so seine Ziele zu erreichen. Nie stand der persönliche Vorteil im Vordergrund, immer ging es ihm um die Sache, etwas für die Vogelwelt und den Artenschutz zu erreichen.

Einige wenige haben das nie richtig verstanden, doch auch das hat ihn nie gestört; er ist unbeirrt seinen Weg gegangen. Auch hat er nie nach öffentlicher Anerkennung gestrebt, sondern lieber bescheiden im Hintergrund gewirkt. Immer hatte er ein offenes Ohr für andere. Bis ins hohe Alter pflegte er seine zahlreichen Kontakte zu Kollegen im In- und Ausland. So stand er beispielsweise in einem intensiven fachlichen Austausch, insbesondere mit Prof. Dr. Wolfgang Scherzinger, Dr. Jochen Wiesner, Hubertus Illner, Dr. O. Schwerdtfeger, Ernst Vilter, Edmund Abel, Reinhard Brendel, Alfons Förstel (†) und immer wieder gerne mit uns Autoren.

Unter den Greifvogel- und Eulenleuten war sein Netzwerk legendär, der intensive Informationsfluss kam jeder Neuauflage seiner Buchwerke zugute. Wer ihn näher kannte, schätzte nicht nur sein reiches Wissen, sondern ebenso seine große Hilfsbereitschaft und die menschliche Wärme, die von ihm ausging.

Ein besonderes Anliegen von Theo Mebs war die Förderung von Nachwuchskräften, Ornithologen und Artenschützern. Beispielsweise haben Wolf Lederer, Andreas Kämpfer-Lauenstein, Wilhelm Bergerhausen, Christiane Geidel, Daniel Scheffler, Alexander Brehm, Mathilde und Wilfried Limpinsel, Winfried Rusch, Otto Kimmel, Doris Sonneborn, Werner Daus, Heinz Gerhard Pfenning, Thomas Rasche, Karl-Heinz Dietz, Artur Franz (†), Dr. Hartmut Müller, Harald Busch und Stefan Junge von seinen vielfältigen fachlichen Tipps und Empfehlungen profitiert, um nur wenige Personen zu nennen.

Jeder von uns dreien hatte auch die Möglichkeit, Theo auf Reisen zu begleiten. Dabei profitierte man von seinen fachlichen Erfahrungen, seinen gut organisierten Kontakten und seinen munteren Erzählungen. Mittags musste eingekehrt werden, abends stand das gemütliche Zusammensein im Vordergrund. Gab es keine Greifvögel oder Eulen zu sehen, fehlte ihm etwas, dann wurde umso mehr erzählt.

Die Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft hat die Verdienste von Theodor Mebs um die Vogelwelt in Nordrhein-Westfalen mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft und des NWO-Preises sowie der Widmung eines Schwerpunktheftes im Charadrius 2010 anlässlich der Vollendung seines 80. Lebensjahres gewürdigt.

Theo Mebs wird nach den Unterlagen seit 01.01.1978 als Mitglied in der AG Eulen geführt. Er war praktisch von Anfang an dabei und erreichte so 39 Jahre Zugehörigkeit in der AG Eulen. 2010 wurde er zusammen mit dem zu frühverstorbenen Wilhelm Bergerhausen(†) in die Ehrentafel aufgenommen.

Am 24. Juli 2017 ist ein reich erfülltes Leben zuhause in Castell friedlich zu Ende gegangen. Kollegen und Freunde sowie die AG Eulen werden Theodor Mebs sehr vermissen, sie werden sich immer gerne und in Dankbarkeit an ihn erinnern. Der Tod von Theodor Mebs ist nicht nur für die AG Eulen ein großer Verlust, sondern ganz allgemein auch für den Eulenschutz in Deutschland und Europa.

Bernd Conrad, Michael Jöbges und Joachim Weiss, im September 2017



Kollisionsgefährdung von Vögeln an Windenergieanlagen und deren Minderung mit Beispielen aus Westfalen



Windenergie und Uhu – Aktuelle Aspekte eines unterschätzten Konflikts

Erweiterte Fassung eines Beitrags zu der 32. Jahrestagung der AG Eulen am 29. Oktober 2016 in Kloster Schöntal/Baden-Württemberg
Eulen-Rundblick Nr. 67 – Mai 2017 Seiten 25-30

von Wilhelm Breuer

I. Vorbemerkung

In Deutschland stehen mehr als 26.000 Windenergieanlagen (WEA). Allein im ersten Halbjahr 2016 kamen 782 hinzu. Mag der Ausbau in Schleswig- Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen vielleicht wie aktuell geplant gedrosselt werden, in den anderen Bundesländern wird er sich verstärken. Der bisherige Ausbau fällt in vielen Regionen mit einem Bestandszuwachs des Uhus zusammen. Ist also schon deswegen der Ausbau für Uhus problemlos, wie die Windenergiewirtschaft behauptet? (Vgl. Abo Wind AG 2015.)

So einfach ist die Sache nicht. Die Zulassung von WEA verstößt nämlich gegen artenschutzrechtliche Verbote nicht erst dann, wenn die Auswirkungen ein populationsgefährdendes Maß erreichen. Das Tötungsverbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) verbietet vielmehr bereits das Töten des einzelnen Individuums besonders geschützter Arten. Besonders geschützt sind grundsätzlich alle europäischen Vogelarten, also auch der Uhu.

Abbildung 1: Uhus fliegen meist in niedriger Höhe und geraten schon deshalb kaum in die Reichweite der Rotoren von Windenergieanlagen. Stimmt das wirklich? Wie erklärt sich dann die in Relation zur Bestandgröße des Uhus hohe Zahl an Kollisionsopfern? (Foto: Ralf Kistowski, wunderbare-Erde.de)

Untersagt ist nicht nur das willentliche, sondern auch das wissentliche Inkaufnehmen des Tötens. Das Tötungsverbot schließt folglich Kollisionsopfer an WEA ein – allerdings mit einer Einschränkung: Das Verbot schützt das Individuum nicht vor der bloßen Möglichkeit, an den Anlagen zu kollidieren, weil dieses Risiko bei lebensnaher Betrachtung nie ganz ausgeschlossen werden kann. Das Verbot beschränkt sich deshalb auf den Ausschluss eines signifikant gesteigerten Tötungsrisikos. Ein solches Risiko lässt sich nicht wissenschaftlich exakt vorhersagen oder bestimmen. Wann ist das Tötungsrisiko signifikant erhöht?

Das Risiko muss dazu, wie es das Bundesverwaltungsgericht formuliert hat (Urteil des 9. Senats vom 9. Juli 2008 – BVerwG 9 A 14.07), den Risikobereich überschreiten, der im Naturraum stets gegeben ist, vergleichbar dem ebenfalls stets gegebenen Risiko, dass einzelne Individuen einer Art im Rahmen des allgemeinen Naturgeschehens (d. h. nicht etwa im Straßenverkehr, an Strommasten usw.) Opfer einer anderen Art oder eines Naturereignisses werden. Das sind Risiken, die allerdings bei einer Art wie dem Uhu kaum gegeben sind, weshalb sich umso mehr die Frage stellt, wo diese Schwelle zwischen einem zufälligen und einem überzufälligen Töten bei dieser Art liegen kann. Die Rechtsprechung zum Signifikanzbegriff wirft eine Reihe weiterer Fragen auf (vgl. Schreiber 2017).

Wenn geplante Rotoren das Tötungsrisiko signifikant erhöhen, können die Anlagen artenschutzrechtlich nur ausnahmsweise und nur bei Ausschöpfen aller Optionen zur Begrenzung des Tötungsrisikos in Betrieb gesetzt werden. Für eine Ausnahme muss das Vorhaben ohne zumutbare Alternative und aus zwingenden Gründen des öffentlichen Interesses notwendig sein (§ 45 Abs. 7 BNatSchG). Das sind Voraussetzungen, die WEA zumeist nicht oder nicht ohne weiteres erfüllen.

Die Signifikanzschwelle ist für die Zulässigkeit der Anlagen folglich entscheidend und deshalb so hart umkämpft wie keine andere Grenze im Naturschutzrecht. An ihr messen sich darauf spezialisierte Gutachter mit der Naturschutzverwaltung, die mit dem gesamten Spektrum naturschutzkritischer Nutzungen befasst ist. Im Zweifelsfall muss sie – die Naturschutzverwaltung – überzeugend darlegen, warum das Tötungsrisiko kein allgemeines, sondern signifikant erhöht ist.

Die Rechtsprechung hat zwei Maßstäbe für die Beurteilung als beachtlich herausgestellt:

1. Ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko ist gegeben, wenn Individuen in großer Anzahl im Einwirkungs­bereich der geplanten Anlagen auftreten oder einzelne Individuen diesen Einwirkungsbereich besonders häufig nutzen.

2. Unterschreiten WEA die von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten empfohlenen artspezifischen Mindestabstände oder werden in einem bestimmten Bereich um das Nest bedeutende Nahrungshabitate oder Flugwege in Anspruch genommen und liegen keine belastbaren anderweitigen Erkenntnisse vor, liegt eine Erhöhung des Tötungsrisikos nahe (LAG-VSW 2015).

Abbildung 2: Von Windenergieanlagen freie Mittelgebirgslandschaft. In Deutschland stehen mehr als 26.000 Windenergieanlagen. Jährlich kommen ungefähr 1.500 Anlagen hinzu. Ein Ende des Ausbaus ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Im Binnenland wird der Ausbau forciert. Dort treffen die Anlagen auf Gebiete mit einer hohen Dichte an Uhuvorkommen (Foto: Ralf Kistowski, wunderbare-erde.de).

II. Argumente der Windenergiewirtschaft

Seitens der Windenergiewirtschaft wird die Möglichkeit eines signifikant gesteigerten Tötungsrisikos für Uhus grundsätzlich in Frage gestellt:

  • Der Uhu sei ein „Pirsch- oder Ansitzjäger“, die Jagdflüge fänden nahe über der Erdoberfläche statt. Uhus würden deswegen kaum in die Reichweite der Rotoren gelangen, zumal der Anlagen heute üblicher Bauhöhen.
  • Die Ergebnisse des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Windenergiewirtschaft geförderten Forschungsprojektes „Besendertes Uhu-Höhenflugmonitoring“ würden diese Annahme stützen. Dabei waren bei fünf telemetrierten Uhus im westfälischen Tiefland (Münsterland) von Mai bis November nur wenige Distanzflüge festgestellt worden. Der kleine Anteil von Flügen über 50 m Höhe beruhe vermutlich auf methodisch bedingten Messfehlern (Miosga et al. 2015, Krämer 2016).
  • Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof habe im Beschluss vom 08.06.2015 (22 CS 15.686 RZ 53) die Ansicht vertreten, „dass nach naturschutzfachlicher Aussage ein Uhu regelmäßig nicht höher als 80 m fliegt“. (Das Gericht hat sich dabei auf eine mündliche Aussage des zuständigen Mitarbeiters der Staatlichen Vogelschutzwarte Garmisch- Partenkirchen gestützt. Es handele sich um einen auch als gerichtlicher Sachverständiger tätigen ausgewiesenen Fachmann, so das Gericht. Auf Nachfrage schrieb der betreffende Mitarbeiter am 03.08.2016 der EGE, selbst im Gerichtsverfahren nicht eingebunden gewesen zu sein, sich an die Aussage im Detail nicht mehr erinnern zu können, aber das zuständige Landratsamt auf die unterschiedlichen Ergebnisse telemetrischer Untersuchungen hingewiesen und die von Sitkewitz [2009] ermittelten tele­met­rischen Unter­suchung­sergeb­nisse über Distanz- und Höhenflüge zumindest als nicht alleine gültigen, aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand relativiert zu haben.)
  • Die mit WEA für Uhus verbundenen Kollisionsrisiken seien gemessen an den Maßstäben des § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG grundsätzlich sozialadäquat und keineswegs signifikant erhöht. Bisher seien lediglich wenige Uhus als Kollisionsopfer festgestellt worden und Kollisionsereignisse zu selten oder zu unwahrscheinlich, als dass sie im Rahmen des Tötungsverbots ins Gewicht fallen könnten.

III. Gegenrede

Was können wir dem entgegenhalten?

  • Dass Uhus zumeist in Höhen unterhalb der Reichweite der Rotoren fliegen, mag für Jagdflüge zutreffen. Das Leben eines Uhus besteht aber nicht nur aus Jagd-, sondern ebenso aus Balz- und Distanzflügen, für die Flughöhen bis 100 m belegt sind (Sitkewitz 2007, 2009). Es steht auch außer Frage, dass Uhus am Nachthimmel ziehende Vögel oder im Kronendach der Bäume über­nach­tende Vögel schlagen. Auch bei Konfrontationen beispielsweise mit Greifvögeln oder Krähen besteht die Gefahr, dass Uhus bei Ausweichbewegungen oder bei Verteidigungsflügen in die Rotorzone gelangen. Zudem kann niemand sagen, ob und wie Uhus im Flug auf WEA reagieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Uhus auch dann, wenn sie unterhalb der Rotorzone fliegen, bei Wahrnehmung der Anlagen in eine größere Höhe ausweichen. Es kann auch vermutet werden, dass Uhus gezielt WEA ansteuern, so wie sie nachweislich andere hohe Bauwerke aufsuchen und dort sogar brüten (Breuer et al. 2015).
  • In Dichtezentren überfliegen Uhus die Reviere der dort brütenden Uhus in größerer Höhe. Sie tun dies vermutlich, um Konfrontationen mit den Revierinhabern zu vermeiden. Kollisionsrisiken ergeben sich möglicherweise auch für junge Uhus in der Bettelflugphase. Zumindest in Gebieten mit größerer Siedlungsdichte von Uhus bleiben die Bettelflüge nicht auf das Nestumfeld des einzelnen Vorkommens beschränkt, sondern es gibt einen regen Austausch zwischen den verschiedenen Vorkommen, indem beispielsweise die Jungvögel die Nahrungsdepots anderer Vorkommen aufsuchen oder sich gegenseitig besuchen. Diese für Dichtezentren in Erwägung zu ziehenden Umstände treffen auf einen Windpark im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler zu, in dem ohne systematische Kontrollen innerhalb von nur drei Jahren drei Kollisionsopfer registriert wurden.
  • Der Aufzeichnungszeitraum des „Besenderten Uhu-Höhenmonitorings“ im Münsterland umfasste eine Zeit ohne Nahrungsengpässe, weder die Zeit der Herbst- und Hauptbalz, noch die Brut- und Nestlingszeit. Das Winterhalbjahr wie die Phase des Flüggewerdens der Jungvögel blieben ganz oder überwiegend außerhalb der Betrachtung. Der Schwerpunkt lag auf der Zeit, nach der die Jungvögel das Nest verlassen und von den Altvögeln geführt werden. Im Untersuchungszeitraum bestand am wenigstens Anlass für Flüge in größerer Höhe. Studien mit einer solchen über­regio­nalen und ressortübergreifenden Tragweite – zumal für Planungsprozesse und Zulassungs­ver­fahren – sollten den in der Wissenschaft üblichen Begutachtungsprozess durchlaufen, der wissenschaftlichen Veröffentlichungen vorgeschaltet ist. Das ist in der vorliegenden Studie unterblieben. Bei einem so sensiblen Thema sollte mindestens ein weiterer unabhängiger Experte mit Erfahrungen zu der untersuchten Art und der angewandten Methode eine Bewertung vornehmen, bevor die Arbeit zur sogenannten wissenschaftlichen Referenz wird.
Abbildung 3: Kollisionsopfer Uhu 2014 im Windpark Rieden/Rheinland-Pfalz. In diesem Windpark wurden ohne systematische Kontrollen innerhalb von drei Jahren drei mit Windenergieanlagen kollidierte Uhus gefunden (Foto: Andreas Walz).
  • Die 16 in Deutschland registrierten Totfunde belegen, dass Uhus auch an WEA mit großem Abstand des Rotors zum Boden ums Leben kommen. Darunter sind zwei Totfunde an Anlagen mit einem Abstand der Rotorzone zum Boden von 97,4 m (Staatl. Vogelschutzwarte Brandenburg 2016).
  • Eine systematische Suche nach Schlagopfern findet lediglich in Brandenburg statt. Dort wurde 2007 ein Uhu als Kollisionsopfer registriert. Zu der Zeit gab es in Brandenburg fünf Revierpaare (Staatl. Vogelschutzwarte Branden­burg l.c.). Der Fund spricht für ein hohes Kollisionsrisiko.
  • Dass der Rotmilan an WEA einem hohen Kollisionsrisiko ausgesetzt ist, ist weithin unstrittig. Bemerkenswert ist deshalb der Vergleich der Opferzahlen von Uhu und Rotmilan in Thüringen. Als Kollisionsopfer wurden fünf Uhus und 25 Rotmilane registriert (Staatl. Vogelschutzwarte Brandenburg l.c.). Allerdings ist der Rotmilanbestand dort zehnmal höher als der Uhubestand (1.000/100 Paare). Die Zahl der getöteten Uhus ist insofern doppelt so hoch als der Relation der Populationsgröße nach bei einem gleichgroßen Kollisionsrisiko zu erwarten wäre.

Die von der Europäischen Kommission 2010 vorgenommene Einstufung des Kollisionsrisikos des Uhus in die mittlere von fünf Risikostufen ist von Hubertus Illner bereits 2012 zu Recht als zu optimistisch kritisiert und das Tötungsrisiko auf verschiedene Kriterien gestützt als sehr hoch eingestuft worden.

IV. Abstandsempfehlungen

Die Länder-Arbeitsgemeinschaftder Vogelschutzwarten (2015) empfiehlt aus gutem Grund, dass WEA zu Uhubrutplätzen einen Abstand von mindestens 1.000 m halten sollen. Die Empfehlungen sehen zudem einen Prüfbereich im 3.000-m-Radius zu Uhubrutplätzen vor. In diesem Prüfbereich sollen bedeutende Nahrungshabitate sowie die Flugwege der Art zwischen diesen Nahrungshabitaten und dem Brutplatz von Anlagen freigehalten werden, weil auch dort das Tötungsrisiko signifikant erhöht sein kann.

Es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine gesetzliche Norm, sondern um eine Empfehlung, deren Annahmen im Einzelfall widerlegt werden können. Einem Investor kann deshalb nicht der Versuch verwehrt werden, den Nachweis anzutreten, dass der Betrieb von WEA innerhalb des empfohlenen Mindestabstandes sowie im Prüfbereich ohne signifikante Erhöhung des Tötungsrisikos möglich ist. Es liegt auf der Hand, dass hierfür Raumnutzungs­ana­lysen erforderlich sind und sich an diese bestimmte Anforderungen richten (Langgemach & Meyburg 2011).

Bedeutende Nahrungshabitate und Flugwege können nur anhand von Raumnutzungsanalysen sicher bestimmt werden. Auf konkrete Beobachtungen gestützte Raumnutzungsanalysen sind wegen der nächtlichen Aktivität von Uhus bzw. der deswegen schwierigen Beobachtungsbedingungen aber nur schwer möglich. Selbst die für das Abbilden der wichtigsten Nahrungshabitate und Flugwege erreichbare Anzahl Sichtbeobachtungen dürfte für abschließende Aussagen eher zu gering sein.

Die Ergebnisse von Raumnutzungsanalysen stehen zudem unter dem Vorbehalt, dass sich z. B. die Nahrungssituation in Folgejahren deutlich anders darstellen kann und somit auch die Raumnutzung der Uhus. Damit sind die Ergebnisse einer Raumnutzungsanalyse nicht bereits an sich wertlos. Eine seriöse Interpretation der Ergebnisse aus Raumnutzungsanalysen wird die Variabilität der Bedingungen von Folgejahren aber zumindest einbeziehen müssen. Die Praxis geht hingegen oft von einer Starrheit der Vorkommen aus, die jeder Erfahrung widerspricht und die Brutpaare auf Plätze gleichsam fixiert, ohne Chance, auf natürliche oder anthro­po­gene Veränderungen (etwa eines Klimawandels) anders als mit einem Verschwinden reagieren zu können.

Abbildung 4: Einer der ersten in der Eifel tot unter Windenergieanlagen aufgefundenen Uhus (Foto: Wilhelm Bergerhausen).

Deswegen sollten die in Frage kommenden Nahrungshabitate zweckmäßigerweise unter Plausibilitäts­gesichts­punkten abgegrenzt und vorsorglich nicht in Anspruch genommen werden. Dazu zählen offene und halboffene Bereiche sowie Bereiche entlang von Grenzlinien wie Waldränder, Gehölzsäume, Wasserläufe und Gräben. In diesem Zusammenhang kommt Grünlandstandorten eine besondere Bedeutung zu. Solche Bereiche sollten im Umkreis von 3.000 m um Uhubrutplätze generell von WEA freibleiben.

Dazu ist die Windenergiewirtschaft allerdings kaum bereit. Stattdessen präsentiert sie Raum­nutz­ungs­analysen, die belegen sollen, dass die geplanten Anlagen an den jeweiligen Standorten ohne ein für Uhus signifikant erhöhtes Tötungsrisiko betrieben werden können, allerdings ohne dabei in jedem Fall überzeugend zu sein.

Es gehört zu den Besonderheiten des Konfliktes, dass nicht alle Länderumweltministerien sich die Abstandsempfehlungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten, also ihrer eigenen Fachdienststellen, vollumfänglich zu eigen machen. Nordrhein-Westfalen beschränkt sich beispielsweise beim Uhu auf den empfohlenen Mindestabstand von 1.000 m und lässt den empfohlenen 3.000-m-Prüfbereich unbeachtet (MKULNV & LANUV 2013).

V. Sind Telemetriestudien eine Lösung?

Für die Windenergiewirtschaft tätige Gutachterbüros wollen mit weiteren Telemetriestudien Licht ins Dunkel der Raumnutzung von Uhus bringen. Angesichts der Gewinne der Branche spielen für sie die Kosten solcher Untersuchungen keine Rolle. So interessant die Erkenntnisse, die solche Studien liefern können, auch sein mögen, die Bestrebungen sollten einer kritischen Analyse unterzogen und nicht voreilig unterstützt werden – aus folgenden Gründen:

  • Die Untersuchungen sind mit beträchtlichen Gefahren für Uhus verbunden und deshalb arten­schutz­recht­lich nicht ohne weiteres möglich. Der Fang von Uhus, und sei es „nur“ zum Zweck der Besenderung, erfordert eine arten­schutz­recht­liche Ausnahme von dem Verbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG. Diese kann nur bei Vorliegen zwingender Gründe des überwiegenden öffent­lich­en Interesses (s. § 45 Abs. 7 BNatSchG) gewährt werden. Diese Voraussetzung mag bei Forschungsvorhaben zur Gewinnung generalisierbarer Erkenntnisse vorliegen, nicht aber für ökonomisch dominierte Planungs- oder Zulassungsverfahren (Langgemach & Meyburg 2011, Breuer et al. 2015).
  • Die Telemetrierung von Uhus als Voraussetzung für eine Entscheidung über die Zulassung von WEA ist kein „anerkannter Standard“. Zu diesem Ergebnis ist das Verwaltungsgericht Ansbach in seinem Urteil vom 02.11.2015 (11 K 15.00639) gelangt. Die zuständige Behörde überschreite ihren Entscheidungsspielraum nicht schon deswegen, weil sie die Errichtung von WEA ohne eine Telemetrierung von Uhus untersagt habe. (Das Urteil bezieht sich auf eine Anlage mit einem Abstand zwischen Grund und unterer Rotorspitze von 85 m. Das VG Ansbach hat sich offenkundig der Ansicht des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs [Entscheidung vom 08.06.2015 – 22 CS 15.686 RZ 53], dass nach naturschutzfachlicher Aussage ein Uhu nicht höher als 80 m fliegt“, nicht angeschlossen.)

Eine Telemetrierung sollte nur aus wissenschaftlichen Erwägungen und nicht aus Anlass konkreter Antrags­vor­haben der Wirtschaft gestattet werden und muss an weitere Bedingungen geknüpft sein (Stefan Brücher, unveröffentlicht):

a) Fangversuche sind spätestens zehn Tage vor Brutbeginn einzustellen. Hierbei ist der für die Region früheste bekannte Brutbeginn zugrunde zu legen (in der Eifel ist das der 22.01.), sofern nicht aufgrund der festgestellten Aktivitäten der betreffenden Individuen konkrete Daten vorliegen, die eine Abweichung erlauben.

b) In der Brutzeit dürfen Uhus frühestens gefangen werden, wenn die Jungvögel mindestens 20 Tage alt sind. An Tagen mit extremer Kälte oder Starkregen darf nicht gefangen werden.

c) Zulässig sind nur Fangmethoden, die sich für Uhus als tauglich erwiesen haben. Die Fallen sind ständig unter Kontrolle zu halten.

d) Die Fangvorrichtungen sind, um Störungen am Nest auszuschließen, außerhalb des engeren Nest­um­feldes aufzustellen. Dabei ist ein Mindestabstand von 200 m einzuhalten; bei Brutplätzen in Bereichen mit Abbaubetrieb oder vergleichbaren Störungen 150 m. Bei Fangplätzen, die vom Brutplatz aus nicht einsehbar sind, kann der Abstand unterschritten werden. Ist der Brutplatz nicht oder noch nicht bekannt, sind Fangeinrichtungen im potentiellen Bruthabitat unzulässig.

e) Am Vogel angebrachte Sender müssen sich ohne menschliches Zutun nach einer gewissen Zeit zuverlässig lösen. Dass sich der Sender vom Vogel gelöst hat, ist am Ende der Untersuchung nach­zu­weisen. Gelingt dies nicht, ist der Vogel erneut zu fangen.

f) Mit dem Fang dürfen nur Personen befasst sein, die über ausreichend Erfahrung mit der Handhabung wildlebender Uhus verfügen. Erfahrungen mit dem Fang von Rotmilanen genügen nicht, da diese sich totstellen, Uhus aber sehr wehrhaft reagieren.

Insbesondere in Dichtezentren des Uhus ist keineswegs gewährleistet, dass es sich bei den gefangenen Vögeln um die Brutpartner des örtlichen Paares handelt. Insofern kann es auch geschehen, dass die „falschen“ Vögel gefangen werden und die gewonnenen Aussagen keine oder nur eingeschränkte Schluss­folg­er­ungen erlauben.

VI. Vermeidungspotential nicht überschätzen

Die Windenergiewirtschaft und die für sie tätigen Gutachter verweisen im Übrigen oft auf Maßnahmen, die das Kollisionsrisiko ganz vermeiden oder zumindest unter die Signifikanzschwelle senken sollen. Diese Maßnahmen sind mit Skepsis zu betrachten – aus folgenden Gründen:

Abbildung 5: Seit Jahren fordert die „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ (EGE) u. a. zum Schutz des Uhus, dem Ausbau der Windenergiewirtschaft endlich Grenzen zu setzen. So lautet auch der Titel eines Faltblattes der EGE.
  • Als solche Maßnahmen werden insbesondere die Verbesserung der Nahrungshabitate für Uhus außerhalb der Reichweite der WEA und die Entwicklung neuer Bruthabitate bei gleichzeitigem Unbrauchbarmachen der alten Bruthabitate genannt. Eine Wirksamkeit der Nahrungshabitate verbessernden Maßnahmen setzt aber voraus, dass in einem großen Umfang Flächen außerhalb der Gefahrenzone verbessert werden. Diese Maßnahmen müssten zudem der Errichtung der Anlagen zeitlich vorausgehen. Aber auch unter diesen Voraussetzungen ist eine Wirksamkeit der Maßnahmen keinesfalls sicher vorhersehbar. In dem einzigen der EGE bekannten Fall solcher Maßnahmen haben sich diese kaum als wirksam erwiesen (EGE 2014).
  • Auch die zielgerichtete Zerstörung des Brutplatzes löst nicht ohne weiteres das Problem, sondern schafft neue Schwierigkeiten. So ist die Zerstörung von Brutplätzen, die vom Uhu wiederholt genutzt werden, ebenfalls artenschutzrechtlich untersagt (§ 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG). Gewiss können an anderer Stelle Brutnischen oder Kunstnester für Uhus geschaffen werden. Diese Maßnahmen müssen aber bei einem Eingriff im räumlichen Zusammenhang des betroffenen Brutpaares, das zu einer Verlagerung seines Brutplatzes animiert werden soll, erfolgen. Auf diese Weise wird das Tötungsrisiko aber selbst dann nicht gesenkt, falls die Uhus umziehen sollten, wenn sich die Habitatnutzung der Uhus nicht grundlegend ändert. Die Organisation eines Umzuges in ein anderes Revier kommt nur in Frage, wenn die WEA in einer Ausnahmeprüfung zugelassen werden (§ 45 Abs. 7 BNatSchG, s. unten).
  • Die rechtlichen Voraussetzungen für solche Uhubrutplätze verlagernden Maßnahmen werden nicht nur häufig übersehen, sondern diesen Maßnahmen wird eine Wirksamkeit zugeschrieben, die sie unter realistischen Bedingungen gar nicht erreichen können oder die zumindest unbelegt ist. Jedenfalls liegen über die Wirksamkeit solcher Maßnahmen bezogen auf Uhu und WEA keine Untersuchungsergebnisse vor. In Wahrheit beruhen viele der Maßnahmen lediglich auf dem Prinzip Hoffnung; sie sind eine Nah- oder Fernerwartung oder eine bloße Selbst- oder Fremd­täuschung. Der Umstand, dass manche ministerielle Leitfäden solche Maßnahmen propagieren, macht die Sache nicht besser.
  • Am ehesten kann im Abschalten von Anlagen in Uhulebensräumen während der Dämmerung und Nacht ein Beitrag zur Verminderung des Kollisionsrisikos gesehen werden. Allerdings wird das Abschalten nicht auf ein enges Zeitfenster beschränkt werden können und deshalb die Wirtschaftlichkeit der Anlagen in Frage stellen.

In diesem Zusammenhang steht ein „Bundesweiter Katalog von Maßnahmen zur Verhinderung des Eintritts von artenschutzrechtlichen Verbotstatbeständen nach § 44 BNatSchG bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen“ der Fachagentur Windenergie an Land (2015). Dieser Katalog ist von der EGE (2015) sowie vom Bundesamt für Naturschutz (2016) kritisiert worden.

Den in der Windenergiewirtschaft problematischen Umgang mit artenschutzrechtlichen Konflikten hat Thomas Krumenacker (2015) in der Zeitschrift „Der Falke“ mit dem Zitat eines Insiders des behördlichen Vogelschutzes auf den Punkt gebracht: „Wir sind uns quer durch die Bundesländer einig: In keinem Bereich wird so viel getrickst wie bei der Windenergie“.

VII. Schlussbemerkung

Die gerne als Erfolgsgeschichte apostrophierte Bestandszunahme des Uhus ist vor allem auf Wieder­an­sied­lungs­pro­jekte und die Überwindung direkter Verfolgung zurückzuführen. Damit wird man sich aber nicht zufriedengeben können, denn die Zunahme des Bestandes einer Art ist für sich allein kein Erfolgskriterium. Denn dass mit der bloßen Zunahme einer Art nicht alles in Ordnung ist, erschließt sich aus einem anderen Zusammenhang. So nimmt die Zahl der Menschen auf der Erde zu und zugleich ist die Lage der Menschheit so dramatisch wie lange nicht.

Eines der Hauptziele des Naturschutzes ist eine vom Menschen ungestörte Entwicklung von Natur und Landschaft. In die Bestandssituation des Uhus greifen jedoch zivilisatorische Phänomene und anthropogene Verlustursachen fortwährend und sich noch verstärkend ein.

Dazu zählen in Deutschland beispielsweise die Ausweitung des Maisanbaus, der schon heute ein Fünftel der Anbaufläche einnimmt, und ein Zuwachs an Windenergieanlagen bis zum Ende der Dekade auf vermutlich deutlich über 33.000.

Literatur

Abo Wind AG 2015: Pressemitteilung Uhu, Schwarzstorch und Rotmilan im Aufwind. www.abo-wind.com/de/pdf/Presse2015/2015-12-07_PM_Voegel.pdf

Breuer W, Brücher S & Dalbeck L 2015: Der Uhu und Windenergieanlagen. Naturschutz u. Landschaftsplanung 47: 165-172

Bundesamtfür Naturschutz 2016: Kommentar des Bundesamtes für Naturschutz zur Studie „Vermeidungsmaßnahmen bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen“. Natur und Landschaft 91(4): 192-193

EGE – Gesellschaft zur Erhaltungder Eulen 2014: Wie kollisionsgefährdetsind Uhus an Windenergieanlagen? Naturschutz und Landschaftsplanung 46(8): 256- 257

EGE – Gesellschaft zur Erhaltungder Eulen (o.D.): Anmerkungen zu einem „Bundesweiten Katalog von Maßnahmen zur Verhinderung des Eintritts von artenschutzrechtlichen Verbotstatbeständen nach § 44 BNatSchG“. www.egeeulen.de/files/151128_bundesweiter_katalog.pdf

Europäische Kommission 2010: Guidance Document. Wind energy development and NATURA 2000. Report, October 2010

Illner H 2012: Kritik an den EU-Leitlinien „Windenergie-Entwicklung und NATURA 2000“. Eulen-Rundblick 62: 83-100

Krämer D 2016: Wie hoch fliegen Uhus? Kurzfassung eines Vortrages an der Brandenburgischen Akademie Schloss Criewen am 18.03.2016

Krumenacker T 2015: Etappensieg für den Vogelschutz bei Windkraft. Der Falke 62(4): 48

LAG-VSW – Länder-Arbeitsgemeinschaftder Vogelschutzwarten 2015: Abstandsempfehlungen fürWindenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten. Ber. Vogelschutz 51: 15-42

Langgemach T & Meyburg B-U 2011: Funktionsraumanalysen – Ein Zauberwort der Landschaftsplanung mit Auswirkungen auf den Schutz von Schreiadlern (Aquila pomarina) und anderen Großvögeln. Ber. Vogelschutz 47/48: 167-181

Miosga O, Gerdes S, Krämer D & Vohwinkel R 2015: Besendertes Uhu-Höhenflugmonitoring im Tiefland. Dreidimensionale Raumnutzungskartierung von Uhus im Münsterland. Natur in NRW 3/15: 35-39

MKULNV – Ministeriumfür Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen & LANUV – Landesamtfür Natur, Umweltund Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen 2013:Leitfaden Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen. www.umwelt.nrw.de/fileadmin/redaktion/PDFs/klima/13_11_12_nrw_leitfaden_ arten_habitatschutz.pdf

Schreiber M 2017: Populationsbiologische und naturschutzfachliche Überlegungen zum gesetzlichen Tötungsverbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG. Natur und Recht 39: 5-12

Sitkewitz M 2007: Telemetrische Untersuchungen zur Raum- und Habitatnutzung des Uhus (Bubo bubo) in den Revieren Thüngersheim und Retzstadt im Landkreis Würzburg und Main-Spessart – mit Konfliktanalyse bezüglich des Windparks Steinhöhe. Endbericht im Auftrag des LBV

Sitkewitz M 2009: Telemetrische Untersuchungen zur Raum- und Habitatnutzung des Uhus (Bubo bubo) in den Revieren Thüngersheim und Retzstadt im Landkreis Würzburg und Main-Spessart – mit Konfliktanalyse bezüglich des Windparks Steinhöhe. Pop.-ökol. Greifvogel- u. Eulenarten 6: 433-459

Staatliche Vogelschutzwarte Brandenburg 2016: Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel. Stand 20.09.2016. http://www.lugv.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/vsw_dokwind_voegel.pdf

Dipl.-Ing. Wilhelm Breuer
EGE – Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.
www.ege-eulen.de
Breitestr. 6
D-53902 Bad Münstereifel
egeeulen@t-online.de

Weiteres zum Thema Windkraft auf ageulen.de hier


AG Eulen - neues Mitglied im Deutschen Rat für Vogelschutz

Auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Rates für Vogelschutz (DRV) am 28. Oktober 2017 in Münster wurde die AG Eulen einstimmig aufgenommen. Die AG Eulen ist das 19. Mitglied des Verbandes.

Der DRV wurde bereits 1923 in der Weimarer Republik gegründet. 1950 wurde er in der Bundesrepublik neu gegründet. Seit 1961 gibt der DRV die Zeitschrift „Berichte zum Vogelschutz“ heraus.

Ziel des DRV ist der Schutz der Vogelwelt und ihrer Lebensräume auf wissenschaftlicher Grundlage sowie das Eintreten für den Tierschutz einschließlich der praktischen Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf diesem Gebiet. Auf der Homepage des DRV http://www.drv-web.de/ kann man sich darüber genauer informieren.

Als ersten Beitrag zur Arbeit des DRV wird die AG Eulen die Frühjahrstagung 2018 des DRV in der Rhön mitorganisieren.



Schleiereulen - lautlose Jäger der Nacht

29.10.2017

Unser Mitglied Karl-Heiz Graef bot dem SWR Fernsehen Einblicke in den Eulenschutz. Der Film wurde am 17.10. um 18:45 Uhr im SWR Fernsehen BW gesendet.



Förderung von Studienarbeiten und Projekten

29.10.2017

zum Eulenschutz durch die Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz im Landkreis Ludwigsburg des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) – Ortsgruppe Oberstenfeld e.V.

Nähere Informationen unter https://www.ag-eulenschutz.de/förderung/



Tierschutzrelevante Aspekte der Eulenhaltung

Eulen-Rundblick Nr. 67 – Mai 2017: Seiten 31-36

von Wolfgang Scherzinger

1 Einleitung

Abbildung 1: Malaienkauz. Eine Präsentation in geringer Sitzhöhe und ohne jede Deckung – bei vollem Tageslicht – widerspricht der natürlichen Lebensweise von Eulen zur Gänze, und kann mit hoher Stressbelastung verbunden sein (Foto: Martin Lindner)
Abbildung 2: Viginia-Uhu. Massive Beinverletzung durch Leder-Geschüh (Foto: The Owl Foundation, Vineland)
Abbildung 3: Die große Nähe zu fremden Personen verstärkt die Belastung von Eulen bei der Flug-Show, die allein auf Grund der erzwungenen Tagesaktivität bereits als Tierschutzwidrig einzustufen wäre (Jung-Uhu in Show bei Berkeley; Foto: V. Flores)

Die Beziehungen zwischen Menschen und Eulen haben sich in der jüngeren Vergangenheit zu Gunsten einer weltoffenen und aufgeklärten Betrachtung dieser hoch spezialisierten Beutegreifer gewandelt, und statt „unheimlicher Nachtgespenster“ erkennen wir in den Eulen wichtige und schützenswerte Glieder unserer Ökosysteme.

Die Faszination, die von den gedrungenen Vögeln mit dem ausdrucksvollen „Gesicht“, ihrem meist seidig weichen Gefieder und dem – für unsere Ohren – lautlosen Flug ausgeht, wird heute aber zunehmend für Geschäftsinteressen missbraucht. Der attraktive Einsatz von lebenden Eulen für Tierschauen, Flugvorführungen oder gar als Streicheltiere wird meist als Information und Aufklärung pro Artenschutz angeboten, ist aber häufig mit tierschutzwidriger Tierhaltung und Präsentation verknüpft. Dieser Beitrag richtet sich nicht gegen eine artgerechte Tierhaltung im Rahmen von Zuchtprogrammen oder Rehabilitation für Forschung und Arterhaltung, sondern gegen einen rasch anwachsenden Trend zum show-business auf Kosten der Gesundheit und Unversehrtheit von Wildtieren.

Abbildung 4: Bis auf wenige Ausnahmen halten Eulen eine Individualdistanz gegenüber Artgenossen, selbst gegenüber dem Paarpartner ein, und meiden allzu engen Körperkontakt. Nur fehlgeprägte Jungvögel dulden widerspruchslos intensive Berührung oder gar Umklammerung durch fremde Personen. – Uhus eignen sich nicht als Streicheltiere; sie sind weder Puppen noch domestizierte Schmusekatzen! (Foto: Fleckenuhu Bubo africanus; Foto: „A Satisfied Owl“ von Toukou Sousui. Licensed under a Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC-BY2.0). Accessed 6.3.2017. www.flickr.com/photos/sousui/20533432585/ in/photostream/)

Die Haltung von Eulen in Gefangenschaft ist komplex, da die arteigenen Ansprüche der großteils dunkelaktiven Vögel an Deckung und Rückzugsmöglichkeit zu berücksichtigen sind sowie bestmögliche Sicherheit vor Rivalen, Konkurrenten oder Fressfeinden zu gewährleisten ist. Da Eulen tagsüber mehr oder minder reglos ruhen, unterschätzen viele Tierhalter den hohen Raumbedarf der meisten Vertreter aus dieser Vogelgruppe während ihrer Aktivitätsphase. Eulen sind durchaus gewandte Flieger, wobei Arten mit reißend-schnellem Flug besonders viel Flugraum benötigen (z. B. Sperlingskauz, Sperbereule). Auch folgt die oft zu beobachtende Haltung von Eulen in dunklen Gewölben oder rundum abgeschirmtem Gemäuer einer falschen Romantik, zumal die „Nachtvögel“ sich sehr gerne sonnen und auch beregnen lassen. Auch dass Eulen in frischem Wasser ausgiebig baden und – speziell zur Brutzeit – regelmäßig trinken, bleibt in vielen Tierhaltungen oft unberücksichtigt.

2 Stressbelastungen durch Missachtung artspezifischer Ansprüche

Im kommerziellen Schaubetrieb werden solche grundlegenden Bedürfnisse der Eulen nicht nur ignoriert, die durchaus stressempfindlichen Vögel werden vielmehr Situationen ausgesetzt, die ihrem Verhalten zur Gänze widersprechen:

2.1 Flugvorführungen außerhalb der artspezifischen Aktivitätszeit. Von den europäischen Eulenarten können nur Schneeeule, Sumpfohreule und Steinkauz als dämmerungs- und lichtaktiv eingestuft werden. Sperlingskauz, Sperbereule und Habichtskauz sind vorwiegend dämmerungsaktiv, fakultativ auch tagaktiv. Alle anderen Arten haben ihren Aktivitätsschwerpunkt in der Dunkelphase, was in besonderem Maße für Zwergohreule, Rauhfußkauz und Schleiereule gilt (Abb. 3, 5). Die für die Show erzwungene Flugaktivität bei vollem Tageslicht stellt zumindest für die letztgenannten Eulenarten eine Tierschutzwidrige Stresssituation dar.

2.2 Aus Kostengründen und zur Platzersparnis werden Eulen im Schaubetrieb häufig durch Lederriemen an den Beinen an einer Sitzstange fixiert – analog zur Falknerei. Auch wenn Besucher diese Anbindehaltung häufig einer Volierenhaltung gegenüber bevorzugen, weil die Vögel völlig „frei“ wirken – und nicht „hinter Gittern eingesperrt“, so wird in aller Regel übersehen, dass der Bewegungsradius derart fixierter Eulen oft kaum einen Meter weit reicht (Abb. 1).

2.3 Da nur den wenigsten Individuen einer Eulenshow tatsächlich ein Freiflug gewährt wird, erduldet der Großteil die Anbindehaltung lebenslang – meist ab dem frühen Ästlingsalter! (Im Fall eines Sperlingskauzes, der im Freiland ein Revier von gut 1 km2behaupten würde, bietet die Anbindehaltung gerade noch wenige Dezimeter an Bewegungsraum.) Eine dauerhafte Fixierung mit eng anliegenden Lederriemen kann darüber hinaus zu schweren Schäden an den Beinen führen (Überdehnung infolge wiederholter Abflugversuche, Entzündungen infolge permanenten Scheuerns an der Befiederung; Abb. 2; McKeever 2015).

2.4 Zur besseren Handhabung und Präsentation sind Sitzkruken, Jule oder Hohes Reck möglichst niedrig gehalten, zumal abgesprungene Vögel in dieser Situation leichter auf ihren Sitzplatz zurückfinden, ohne sich mit dem Geschüh zu verheddern. Dadurch sind Eulen, die im Freiland einen gut gedeckten Ruheplatz in sicherer Höhe aufsuchen würden, gezwungen, in Brust- oder Augenhöhe der Besucher zu sitzen, völlig ungeschützt vor deren Blicken, ohne jede Deckung und auch ohne jede Fluchtmöglichkeit (Abb. 1). (Einer solchen Stressbelastung wären freilebende Eulen nur bei ausweglosen Situationen gegenüber einem überraschend auftretenden Fressfeind ausgesetzt.) Die Belastung wird potenziert, wenn das Publikum ganz nahe an die Vögel herantreten kann, um z. B. aus nächster Nähe zu fotografieren, oder im Extremfall sogar zum Berühren, Streicheln oder „Schmusen“ aufgefordert wird (Abb. 3, 4; Tab. 1).

Abbildung 5: Zweifelsohne bietet der gewichts- und lautlose Schwebeflug von Schleiereulen eine besondere Attraktion einer Flug-Show. Für die rein dunkelaktive Eulenart kann eine erzwungene Tagesaktivität aber durchaus hohe Stressbelastung bewirken (Foto: „Male Barn Owl 4“ von Tony Hisgett. Licensed under a Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC-BY2.0). Accessed 6.3.2017. https://www.flickr.com/photos/hisgett/6796262454/)

2.5 Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind Eulen Einzelgänger, leben bestenfalls paarweise, jedenfalls nicht in sozialen Verbänden. Die Präsentation mehrerer Eulenindividuen in enger Nachbarschaft widerspricht dem Bedürfnis nach Mindestdistanz und Rückzug. Im Schaubetrieb wird diese Stresssituation durch die Kombination unterschiedlicher Eulenarten in enger Nachbarschaft noch verstärkt, zumal kleinere Arten ins Beutespektrum der größeren Eulen fallen (Abb. 6, 7). Dieses Problem steigert sich in der üblichen Kombination von Eulen mit Greifvögeln und Falken, im Extrem auch mit Jagdhunden (Tab. 1). Das allmähliche Abstumpfen der Eulen im Dauerstress wird fälschlich als „Gewöhnung“ interpretiert. Sehr viel realistischer fallen derart exponierte Eulen in einen „Konfliktschlaf“, ein Verhalten, das freilebende Eulen nur bei völlig auswegloser Feindbegegnung zeigen (Abb. 7).

Abbildung 6: Gefährliche Nachbarschaft: kleine Eulenarten ängstigen sich in so enger Nachbarschaft mit größeren Arten, passen sie ja durchaus in deren Beuteschema! Eine solche Gruppierung ist deshalb nur bei jagdlich unerfahrenen Jungtieren denkbar (Eulen als Besucherattraktion im „Owl-Cafe“, Japan; Foto: http://goinjapanesque.com/ja/08799/)

2.6 Auf Grund ihrer runden, „übergroßen“ Köpfe und der ausdrucksvollen Augen wirken manche Eulenarten auf den menschlichen Betrachter geradezu „puppenhaft“, was häufig ein Bedürfnis nach Berühren, wenn nicht Streicheln oder gar „Schmusen“ auslöst. Schausteller bieten einen solch engen Kontakt mitunter gezielt an (z. B. werben „owl cafes“ mit einem solchen Angebot; Abb. 4, 6, 7), wiewohl gesunde Eulen solche Berührungen typischerweise meiden – auch dem Artgenossen gegenüber. Selbst „trainierte“ Individuen reagieren entsprechend ablehnend – mit erregtem Schnabelknappen, Fauchen, Unlust- Zwitschern oder Abwehr-Schirken, wenn nicht sogar Zubeißen. – Eulen sind – und das gilt auch im Schaubetrieb – echte Wildtiere; sie eignen sich weder als Heimtiere noch als Kuschelobjekte (vgl. Nosowitz 2015).

Tabelle 1a: Haltungsbedingte Stressbelastung von Eulen im Schaubetrieb
Tabelle 1b: Haltungs- und Trainingsbedingte Stressbelastung von Eulen im Schaubetrieb

3 Gezielte „Produktion“ show-tauglicher Eulen

Es steht außer Frage, dass Eulen, die in engem Kontakt mit Menschen aufwachsen, dessen Nähe und Berührung besser tolerieren und weniger gestresst reagieren als Vögel aus Naturbruten. Folgerichtig werden Eulen für den Schaubetrieb vermehrt von Hand aufgezogen. Unter Berücksichtigung essentieller Kriterien können solche Handaufzuchten durchaus zu vollwertigen Vögeln heranwachsen, die arttypisches Verhalten zeigen, inklusive Fortpflanzung und Jungenaufzucht (Tab. 2). In diesem Zusammenhang müssen als Schlüsselkriterien der enge Sozialbezug zu arteigenen Eulen ab frühem Nestlingsalter und eine vollwertige Ernährung herausgegriffen werden. Denn zum einen wird das Erkennen der eigenen Art durch „Prägung“ auf die Merkmale des anwesenden „Kumpanen“ in sehr frühem Alter festgelegt. Dabei spielen Nestgeschwister eine ebenso wichtige Rolle wie die Elterntiere. Dieser irreversibel bzw. zeitlebens festgelegte Lernprozess entscheidet über späteres Rivalenverhalten sowie die Partnerwahl im fortpflanzungsfähigen Alter (Thaler-Kottek 2016).

Abbildung 7: Exponiert in vollem Tageslicht und ohne Deckung, ohne Bewegungsmöglichkeit an das Sitzreck fixiert und in artfremder Nachbarschaft stumpfen dauergestresste Eulen emotional ab, und fallen in einen „Konfliktschlaf“ (Streichel-Eulen im „Owl-Cafe“, Japan; Foto: „Jungle Cafe, Asakusa“ von „Wombatarama“. Licensed under a Creative Commons Attribution – Non-Commercial – NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0). Accessed 6.3.2017. https://www.flickr. com/photos/wombatarama/30978061703/)

3.1 Durch gezielte Handaufzucht von Einzelvögeln erreicht der Tierpfleger eine „Prägung“ auf menschliche „Kumpane“. Solche Eulen begegnen in ihrer Jugend auch anderen Menschen völlig vertraut, betteln diese an und lassen sich auch bereitwillig kraulen. Kaum erwachsen, kann sich dieser freundliche Bezug allerdings rasch umkehren, denn jetzt erkennen die Vögel im Menschen entweder einen gleichgeschlechtlichen Rivalen, den sie in ungehemmter Aggression attackieren, oder sie sehen einen Paarpartner, den sie beständig anbalzen, mit dem sie gelegentlich auch zu kopulieren versuchen. Umgekehrt verhalten sich solch „fehl-geprägte“ Eulen ablehnend bis aggressiv gegenüber den „richtigen“ Artgenossen, weil sie diese als artfremd einschätzen (Tab. 2). Somit sind auf Menschen geprägte Eulen nicht nur für Artenschutzprojekte – wie Zucht oder Wiederansiedlung – gänzlich unbrauchbar, sondern können durch ihr aggressives Verhalten sogar zum Gefährdungsrisiko für Personen werden (Vier Pfoten2015)! Derartig fehlentwickelte Eulen werden mit zunehmendem Alter für Streichelangebote oder Flug-Shows ungeeignet – und werden daher auch laufend durch „liebe“ Jungtiere ersetzt! Liest man die einschlägigen Inserate, dann landen die „verbrauchten“ Alt-Eulen vermutlich beim Präparator.

Tabelle 2: Aufzucht von Eulenjungen für den Schaubetrieb

3.2 Große Zuchtbetriebe, wie sie sich in letzter Zeit ausschließlich zur „Produktion“ von Jungeulen für Schauzwecke etablieren konnten, ziehen Jungeulen – per Hand – in gemischten Gruppen auf. Nestlinge lernen somit neben dem menschlichen Pfleger (als „Eltern-Kumpan“) diverse artfremde Eulen als „Geschwister-Kumpan“ kennen. Sofern sie im Adultstadium überhaupt zur Brut schreiten, bevorzugen sie in jedem Fall den artfremden Partner gegenüber dem artgleichen. Es verwundert daher nicht, dass gerade bei fehlgeprägten Handaufzuchten in „gemischten“ Gruppen sehr ungewöhnliche Art-Hybride aufgezogen werden: wie Waldohreule x Waldkauz (Askani 2003), Schneeeule x Uhu (Burkhardt 2013), Bartkauz x Habichtskauz (Wings 2016). – Aktuell werden durch Handaufzucht absichtlich fehlgeprägte Eulen unterschiedlichster Arten für Schausteller und als Maskottchen gezielt beworben (z. B. Wings-Eulenzucht/Holland). Diese Fehlentwicklung gipfelt derzeit in den japanischen „owl cafes“, wo eigens „trainierte“ Jungeulen auf Julen zum Kraulen und Kosen für jedermann angeboten werden, für selfies herumgetragen werden können oder einfach nur als Dekoration auf den Kaffeehaustischchen angebunden sind (Abb. 4, 6, 7).

3.3 Um die durch Handaufzucht erreichte „Zahmheit“ dauerhaft zu erhalten, versuchen manche Züchter, die natürliche Entwicklung der Jungeulen zu reifen Altvögeln zu unterbinden. Eine solche Infantilisierung kann im Einzelfall durch besonders intensive Betreuung einzeln gehaltener Jungvögel erreicht werden (Kraulen, Herumtragen, Füttern mit kleinen Leckerbissen), am sichersten gelingt sie aber durch Mangelernährung. Das Rezept heißt Unterernährung trotz Sättigung (mit minderwertigem Futter). Die Jungvögel entwickeln zwar ein arttypisches Altersgefieder, so dass die körperliche Kümmerform nicht gleich auffällt, doch stagniert die Reifung ihrer Verhaltensausstattung. Infolge sogenannter „Deprivation“ (vgl. Thaler-Kottek 2016) verharren die Vögel lebenslang im Stadium eines unselbständigen Jungvogels, damit in dauerhafter Abhängigkeit vom Pfleger – und betteln entsprechend auch noch im Erwachsenenalter (Tab. 2). Solche Verhaltenskrüppel wirken auf unbedarfte Besucher besonders „süß“, vermitteln aber bestenfalls ein Zerrbild einer gesunden Eule (Vier Pfoten 2015). Auch sind solche Vögel für Artenschutzprojekte verloren.

4 Richtlinien gegen einen tierschutzwidrigen Missbrauch von Eulen für Schauzwecke

Wiewohl Eulen in zunehmendem Maße in Flugvorführungen und Tierschauen eingesetzt werden, wird die missbräuchliche Aufzucht und stressende Schaustellung vielfach nicht in vollem Umfang erkannt. Ja sogar renommierte Zoologische Gärten unter wissenschaftlicher Leitung setzen Schauflüge mit nachtaktiven Schleiereulen als Besucherattraktion ein, sowie Uhujunge als Streichelobjekte oder „zahme“ Bartkäuze für das Familienfoto.

In Österreich aber haben Tierärzte und fachlich geschulte Tierschutz-Ombudsleute die Problematik jüngst aufgegriffen, und – im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit in Wien – einen Leitfaden zur Beurteilung derartiger Schaustellungen im Spiegel der aktuellen Tierschutz-Gesetzgebung erstellt. Dieser Leitfaden (Arbeitsgruppe des Vollzugsbeirats 2015) sei hier in stichwortartigen Auszügen vorgestellt:

4.1 Lebende Tiere dürfen für Filmaufnahmen, Werbung oder Schaustellung nicht herangezogen werden, wenn damit schwere Angst, Leiden oder Schmerzen verbunden sind (TSchG § 5 Abs. 1 und 2); ebenso ist eine Bewegungseinschränkung unzulässig, wenn diese schwere Angst verursacht. Entsprechend ist die Anbindehaltung verboten (TSchG § 16 Abs. 1, 2, 3 und 6).

4.2 In der 2. THVO (Anlage 2) wird explizit ein Verbot der Anbringung eines Geschühs für Eulen (sowie Greifvögel, Rabenvögel etc.) ausgesprochen, sofern diese nicht als Beizvögel geflogen werden. In Konsequenz dürfen Eulen nur in ausreichend großen und artgerecht gestalteten Volieren gehalten werden.

4.3 Bei der Jungvogelaufzucht ist die Prägung auf dieselbe Art sicherzustellen; eine Fehlprägung auf Menschen ist zu vermeiden. Handaufzuchten müssen die Ausnahme bleiben und dürfen nicht aus kommerziellen Gründen erfolgen (2. THVO § 4 Abs. 5 und Anlage 2).

4.4 Das Futter muss den ernährungsphysiologischen Bedarf der Vögel in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien decken. Dabei muss das dargebotene Futter der artspezifischen Beutebehandlung entsprechen (2. THVO § 4 Abs. 7).

4.5 Eulen dürfen keinem Stress durch unmittelbare Nähe von anderen Tieren und Besuchern ausgesetzt werden. Entsprechend muss bei der Präsentation von Eulen ein ausreichender Abstand zum Betrachter eingehalten werden. Darüber hinaus ist eine verhaltensgerechte Rückzugsmöglichkeit zu gewährleisten (2. THVO Anlage 2). Das Berühren der Eulen durch Besucher und andere fremde Personen ist zu untersagen.

4.6 Typisch dunkelaktive Eulen dürfen nicht zu artfremder Tagaktivität gezwungen werden (z. B. im Rahmen von Schauflügen).

5 Ausblick

Tierschutz, Artenschutz, Naturschutz und Umweltschutz erscheinen uns oft als voneinander unabhängige, z. T. sogar widersprüchliche Konzepte zur Bewahrung der Schöpfung bzw. einer lebenswerten Umwelt. In den hier dargelegten Aspekten zur tierschutzgerechten Eulenhaltung fließen aber gleich mehrere Schutzziele zusammen, da eine art- und verhaltensgerechte Tierhaltung Ansatzpunkt für Zuchtprogramme zur Wiederansiedlung örtlich verschollener Arten sein kann (z. B. erfolgreiche Projekte mit Uhu, Habichtskauz, Steinkauz), unverfälschte Anschauung für didaktisch-pädagogische Anliegen bietet sowie ein wertvolles Angebot für spezielle Forschungsfragen stellt.

In jedem Fall ist auf breiter Basis darauf hinzuarbeiten, dass die Tierschutz-Problematik bei der Haltung und Schaustellung von Eulen erkannt und thematisiert wird, damit derart sensible Wildvögel wie die Eulen nicht für billige Schaustellerei missbraucht bzw. in ihrer körperlichen Gesundheit und artgemäßen Verhaltensentwicklung nachhaltig geschädigt werden. Dazu müssen Problembewusstsein und kritische Diskussion europaweit erwachsen, um die entsprechenden Kriterien für eine vertretbare Präsentation von Eulen europaweit festzuschreiben.

6 Literatur und Internetquellen

Arbeitsgruppe des Vollzugsbeirats 2015: Leitfaden zur Beurteilungvon Greifvogelvorführungen. Österr. Bundesmin. Gesundheit, AbteilungTierschutz; Wien. https://www.vetmeduni.ac.at/fileadmin/v/fachstelle-tierhaltung/Leitfaden_zur_Beurteilung_von_Greifvogelflugvorführungen_20160217

Askani T 2003: http://www.tanja-askani.de/ta_photos_jaeger.html

Burkhardt W 2013: Der Schnuhu (Schneeeulen-Uhu-Hybride). https://www.tz.de/bayern/ueberraschende-kreuzung-tierreich-schnuhu-mischung-schneeeule-eule-3069906.html

McKeever K 2015: Wildlife Rehabilitation – Leave it to the Professionals. The Owl Foundation News, Vineland- Ontario

Nosowitz D 2015: The bird-brained idea behind Japan’s Owl Cafés. Audubon Society; http://www.audubon. org/news/the-bird-brained-idea-behind- japans-owl-cafes

Thaler-Kottek E 2016: Gscheite Tiere – Intelligenz und Lernleistungen im Tierreich. 119 S., Münster

Vier Pfoten 2015: Greifvogel-Shows. http://www.vier-pfoten.at/projekte/eulen-und-greifvogelstation-haringsee-egs/greifvogelshows/

Wings 2016: http://www.eulenzuchtwings.de

Dr. Wolfgang Scherzinger
Roßpoint 5
D-83483 Bischofswiesen / OT Stanggass

w.scherzinger@gmx.de




Nachtrag zum Einfluss von Dohlen auf Schleiereulen

Ernst Kniprath

17.10.207

Kaatz (2013) hatte mitgeteilt, dass Schleiereulenbrutkästen, die einmal von Dohlen zur Brut benutzt worden waren, für Schleiereulen untauglich wären. Dem hatte Kniprath (2014) in dieser generellen Form widersprochen. Dort wurde mit Fotos belegt, dass Schleiereulen durchaus in zuvor von Dohlen benutzten Kästen brüten können.

Abbildung: Schleiereulen (wahrscheinlich ein Paar) sitzen im Eulenkasten in der Kirche in Tettens, Ostfriesland, auf dem von Dohlen eingetragenen Reisig. Foto vom 17.10.2017 aus dem Internet: http://kirchetettens.dyndns.org:8070/index.asp . Betreuung des Kastens und der Kamera: Jürgen Habben

Auch dieser Widerspruch greift in dieser generellen Form zu kurz. Wie das beigefügte Foto aus der Direktübertragung im Internet zeigt, sorgen Dohlen mit ihrem Nistmaterial durchaus für Schwierigkeiten, wenn sie ihr Nest nicht vollständig bauen konnten. Die Eulen sitzen hier auf dem von den Dohlen als Nestbasis eingetragenen Reisig. Sollten sie hier eine Brut versuchen, müsste sie misslingen. Die Eier lägen auf oder halb in dem Reisig. Das Eulenweibchen hätte keine Chance, sie zu wenden oder auch so zusammen zu rollen, dass ihr Brutfleck sie optimal decken und damit wärmen könnte. Im Normalfall zerbeißen Eulenweibchen alte Gewölle und stellen damit eine recht glatte Fläche her. Auf dieser sind die Eier ziemlich leicht zu rollen. Selbst wenn hier Gewölle zerbissen würden, fiele das bröselige Material zwischen die Zweige und könnte keinen passenden Untergrund für das Gelege bilden.

In dem Nistkasten der Abbildung gab es im Frühjahr 2016 genau die gleiche Situation. Auch hier saß ein Eulenpaar auf dem Reisig oder auf einer damals sichtbaren Sitzstange. Die Betreuer des Kastens hatten, wie im Internet zu verfolgen war, bei Abwesenheit des Eulenpaares am Abend das Reisig entfernt. Noch am darauf folgenden Morgen erschienen die Eulen wieder und vermissten offensichtlich das Reisig nicht. Sie brüteten später hier erfolgreich.

Kaatz G 2013: Die Dohle, Nistplatz- und Nahrungskonkurrent von Schleiereule Tyto alba und Steinkauz Athene noctua und mutmaßlicher Prädator des Steinkauzes. Eulen-Rundblick 63: 23-24

Kniprath E 2014: Zu: Kaatz G 2013: Die Dohle …… Eulen-Rundblick 64: 82




Herbstbalz des Waldkauzes

12.10.2017

In den Rheinauen um Karlsruhe (ca. 100 m über NN) kann man zur Zeit die Herbstbalz der Waldkäuze beobachten und vor allem hören: Neben der als Spannungselement aus Filmen bekannten Revierstrophe der Männchen und dem von beiden Geschlechtern vorgetragenen kiu-witt ist dabei von einer großen Palette von modifizierten kiu-witt-ähnlichen Rufen über ein recht schaurig klingendes Geheul bis zum Nestanzeige-Triller der Männchen (der aber nach meinen Beobachtungen auch vom Weibchen vorgetragen werden kann) das gesamte Rufrepertoire zu hören.

Dabei sind die Käuze allerdings wie immer recht launisch. Oft ist einfach nichts zu hören, wenn aber irgendwo einer beginnt, zu rufen, dann antworten die Kollegen aus der weiteren Nachbarschaft – um so lieber, je intensiver die Balzlaute sind.




Schleiereule und Uhu im Hochsauerlandkreis (HSK in NRW)

von userem langjährigen Mitglied Hans Peter König

06.10.2017

Ich beschäftige mich seit meiner Kindheit mit Schleiereulen; zuerst im Saarland – ab 1980 in NRW. Als Forstbeamter hatte ich viel mit Landwirten zu tun (Erstellung von Forstbetriebswerken; u.a. auch Teilbereich “Natur- und Landschaftspflege”). Immer wieder fragte ich Hofbesitzer, ob Schleiereulen da wären. Oft bekam ich positive Meldungen. Dutzende Nistkästen habe ich gebaut und aufgehängt; einige wurden sogar spontan angenommen. Fast alle Kästen wurden besetzt: Turmfalke, Waldkauz, Bachstelze, Hornissen, Wespen… Kirchturmbruten gab es meines Wissens im HSK nicht (anders als z.B. im Saarland).

Mein Aktionsraum im HSK liegt/lag im Wuchsbezirk „Innersauerländer Senken“ – einem relativ waldarmen Gebiet innerhalb des Sauerlandes. Prägend ist der relativ hohe (Intensiv-)Grünlandanteil (Milchviehwirtschaft), relativ wenig Ackerbau (heute hoher Maisanteil), Forstflächen auf den steileren Lagen und Kuppen, mäuse- und heidelerchenreichen Weihnachtsbaumkulturen, offene Bachtäler. Höhenlage: unter 200 m NN bis etwa 500 m NN.

Doch warum schreibe ich diese Zeilen?

Die Situation der Schleiereule im Hochsauerlandkreis (fast so groß wie das Saarland – was Fläche und Einwohnerzahl angeht) scheint mehr als katastrophal. Hierzu ein paar Zahlen1):

  • 2005 8 Brutpaare; Eier und Jungvögel (“… Brutnachweise so hoch wie nie seit 2001”)
  • 2006 2 Brutnachweise
  • 2008 keine Brutnachweise
  • 2013 keine Brutdaten (“…Bedingungen … weiter verschlechtert …Grünlandumbruch … weitere Intensivierung der Landwirtschaft “)
  • 2014 keine Bruten oder Sommernachweise (2014 letzter Jahresbericht !)

Für den selben Zeitraum Daten des Uhus:

  • 2005 32 Brutpaare (40 Brutreviere)
  • 2006 40 Brutreviere
  • 2008 41 Brutreviere
  • 2013 57 Brutreviere
  • 2014 49 bekannte Reviere; Bestand mind. 60 Brutreviere

Laut OAG gab es von 1976 bis 1986 weniger als 5 besetzte Reviere.

Da muss man sich doch die Frage stellen, welche Ursachen für den Rückgang der Schleiereulen verantwortlich sind. Beide Arten ernähren sich im wesentlichen von Feldmäusen. Und von denen gab es in den letzten Jahren reichlich (mehrere Gradationen). Nistkästen für die Schleiereulen sind mehr als genügend vorhanden. Und die Schneelagen spielen auch kaum noch eine Rolle. Und angestrahlte Kirchtürme: s.o.

Mäusefressende Säugetier- und Vogelarten haben vom Mäusereichtum und v.a. von der Erreichbarkeit (4 bis 5 mal wird Gras geschnitten) enorm profitiert. Bussarde, Rot- und Schwarzmilane, Turmfalken, Schwarzstörche, Graureiher finden sich oft scharenweise auf dem frisch gemähten Intensivgrünland. Wiesel Fuchs und Co. sieht man überall reichlich, auch tagsüber! Aber warum gibt es offensichtlich keine Schleiereulen im HSK mehr (oder nur noch Restbestände)? Jeder weiß um die Vermehrungsstrategie dieser Art.

Zu denken geben mir immer wieder Aussagen von Landwirten: …früher waren immer Schleiereulen da, aber seit der Uhu abends hier herumfliegt, gibt es keine Schleiereulen mehr … Ich kann das aus eigenen zufälligen Beobachtungen nur bestätigen.

Wenn ich mir die Eulenrundbriefe (ich habe sie noch alle) anschaue lese ich v.a. in den neueren Ausgaben immer wieder, dass gemutmaßt wird, Schleiereulen gehören zum Beutespektrum des Uhus.

Ich habe gar nichts gegen den Uhu – im Gegenteil: eine grandiose Erfolgsgeschichte. Was mich allerdings enorm stört ist die Hype um diese Art. Uhu Uhu über alles ! Jeder tote Uhu ist eine Katastrophe; Meldungen darüber finden wir in Berichten, Printpresse und Fernsehen . Trotzdem steigen die Brutzahlen weiter und weiter …

Das stille Sterben der Schleiereulen geht weiter. Hat der Uhu sie doch zum Fressen gern?

Die Aussage der OAG des VNV im Hochsauerlandkreis, dass sich “…die Bedingungen…für die Schleiereule weiter verschlechtert haben”, erscheint aus meiner Sicht wenig glaubwürdig, den Rückgang einzig und allein damit zu begründen. Man kann ja das Anstrahlen von Kirchtürmen untersuchen – dennoch scheinen Untersuchung hinsichtlich des Einflusses des enorm gewachsenen und offensichtlich noch weiter wachsenden Uhu Bestandes auf kleinere Eulenarten wichtig.



Anmerkungen der Redaktion:

Im Eulenrundblick 67 berichten Ernst Kniprath & Susanne Stier-Kniprath von ihrer Untersuchung über den Einfluss des Uhus auf eine Schleiereulenpoulation am Mittelgebirgsrand bei Einbeck (Kreis Northeim, Niedersachsen). Sie stellen ebenfalls einen Rückgang und eine erhöhte Mortalität der Schleiereule fest. Die Schleiereulen scheinen dem Uhu auszuweichen. Diskutiert wird auch, ob bereits die jungen Schleiereulen in der Dispersalphase wegen der Gefahr durch den Uhu die entsprechenden Gebiete meiden.

Interessant wäre, herauszubekommen, wie die Zusammenhänge im Sauerland sind.






Die diesjährige Eulentagung findet vom 20.10. bis 22.10.2017 im Christian Jensen Kolleg in Breklum / Schleswig-Holstein statt. Anmeldungen zur Tagung bitte mit vollständiger Adressenangabe bis spätestens 05.10.2017 an Armin Jeß, Kirchenweg 3, 25870 Oldenswort, Tel: 04864-2718849, E-Mail: jess.armin@gmx.de.
Mitglieder können sich auch per Web-Formular hier anmelden.
Die Beschreibung der Anreise finden Sie hier

=

Tagungsprogramm der 33. Jahrestagung der AG Eulen

Freitag, 20. Oktober 2017

  • ab 18:00 Uhr Eulenschützer-Stammtisch

Samstag, 21. Oktober 2017

  • 8:30 Uhr Eröffnung und Begrüßung
    JOCHEN WIESNER (Jena): Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen e.V.
  • THORSTEN ELSCHER (MELUR): Grußwort der Landesregierung Schleswig-Holstein
  • VOLKHER LOOFT (LNV): Grußwort des Landesnaturschutzverbandes Schleswig-Holstein

9:00 Uhr Themenkreis: Vereinsarbeit LVE-SH für Eulenschutz und Forschung

  • JOHANN BÖHLING: Der Landesverband Eulen-Schutz in Schleswig-Holstein – 35 Jahre erfolgreiche Arbeit im Artenschutz
  • MATTHIAS HAUPT: Der Waldkauz in Schleswig-Holstein – ein Bericht aus den Referenzrevieren

9:45 – 10:30 Uhr Kaffeepause

  • KARL-HEINZ REISER: Die Wiedereinbürgerung des Uhus – ein Erfolg für den Artenschutz in Schleswig-Holstein
  • THOMAS GRÜNKORN: Einblicke in die Lebensweise des Uhus mittels Videokamera und Sender
  • CHRISTIAN HARMS: Detaillierte Verhaltensanalyse mittels IR-Videokamera am Uhubrutplatz während der Brutzeit

12:00 – 13:30 Uhr Mittagpause

13:30 Uhr Fortsetzung verschiedener Themen

  • CHRISTIAN WILLER: Die Sumpfohreule – regelmäßiger Brutvogel auf den nordfriesischen Inseln
  • PETER FINKE: Die Schleiereule in Schleswig-Holstein – der Kulturfolger und seine Problematik
  • GEORG KAATZ: Der Steinkauz in Schleswig-Holstein – Bindeglied zwischen der Dänischen und Niederländischen Population
  • MICHAEL JÖBGES : Zum Vorkommen des Steinkauzes in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Nordrhein-Westfalen
  • KLAUS DICHMANN: Die Eulen in Dänemark – ein Überblick

15:45 – 16:30 Uhr Kaffeepause

16:30 Uhr Beiträge zu verschiedenen Themen

  • HANS DIETER MARTENS: Unsere kleinen Waldeulen Rauhfußkauz und Sperlingskauz – Nischenbewohner in den Wäldern von Schleswig-Holstein
  • JOCHEN WIESNER : Zum Sozialsystem des Sperlingskauzes (Glaucidium passerinum) – Erkenntnisse aus 35-jähriger Beringungsarbeit in Thüringen
  • CHRISTIAN NICKEL: Der Sperlingskauz – ein Filmbericht aus Schleswig-Holsteins Wäldern

ab 18:00 Uhr Abendessen

20:00 Uhr Mitgliederversammlung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen e.V.

Sonntag, 22. Oktober 2017

8:30 Uhr Treffen zu den Exkursionen

  • Exkursion 1 – Vogelwelt des Wattenmeeres am Beltringharder Koog (Führung: Ranger vom Nationalpark „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“)
  • Exkursion 2 – Steinkauz-Revier bei Tellingstedt (Führung: GEORG KAATZ)

Tagungsende gegen 12:00 Uhr






Zum Tode von Dr. Theodor Mebs

  © 2009 Martina Wengelinski

Wir trauern um unser Ehrenmitglied Dr. Theodor Mebs. Theodor Mebs verstarb am 24.07.2017 nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 87 Jahren. Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.

Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Anna Mebs, seinen Kindern und Enkeln. Eine Würdigung seiner Verdienste für die AG Eulen werden wir in einem Nachruf im nächsten Eulen-Rundblick publizieren.

Der Vorstand der AG Eulen




Umfrage zum Einfluss der Gebäudebeleuchtung auf Bruten von Schleiereule und Uhu

21.07.2017

Wie im aktuellen Eulen-Rundblick dargestellt, werden Kirchen zunehmend in der Nacht mit Scheinwerfern angestrahlt. Ob dies Einfluss auf den Bruterfolg von Schleiereule und Uhu hat, ist von großem Interesse für die AG Eulen, um zu diesem Thema verlässliche Fakten zu sammeln und daraus Erkenntnisse für den praktischen Eulenschutz zu gewinnen.
Bei dieser Umfrage geht es nicht um einzelne Bruten, sondern um möglichst langjährig vergleichbare Datenreihen.

Fragen zur Datenerfassung:

1. Gebäudetyp mit Beleuchtung (Scheune, Kirche, sonstiges), wo Schleiereule oder Uhu brüten?

2. Wie wird das Gebäude nachts angestrahlt bzw. indirekt beleuchtet? (Wandfluter, temporäre Beleuchtung, …)

3. Befindet sich die Einflugöffnung im Lichtkegel?

4. Gibt es sonstige (regelmäßige) Störungen im Gebäude und nahem Umfeld, die den Bruterfolg beeinträchtigen können? (Lärm durch landwirtschaftliche Maschinen, Heuentnahme, Reinigungskräfte, Besucherverkehr, …)?

5. Wie viele Jungvögel sind in den vergangenen Jahren (Anzahl der Jungvögel pro Jahr getrennt auflisten) an den beleuchteten Brutplätzen geschlüpft bzw. ausgeflogen?

6. Wie viele Jungvögel sind in den vergangenen Jahren (Anzahl der Jungvögel pro Jahr getrennt auflisten) an anderen Brutplätzen ohne Beleuchtung geschlüpft bzw. ausgeflogen?

7. Angaben zum Untersuchungsgebiet (Lage, Größe)?

Die Daten sollten bis Ende September 2017 an martin.lindner@ageulen.de oder per Post (Parkstr. 21, 59846 Sundern) gesendet werden. Es ist beabsichtigt, aussagefähige Umfrageergebnisse im nächsten ER zu veröffentlichen. Falls möglich, werden schon bei der nächsten Jahrestagung erste Ergebnisse vorgestellt.

Martin Lindner

Text als pdf




Räuber-Beute-Beziehungen

Von Hans-Jürgen Stork

stork-bild-1.jpg

Auf leisen Schwingen und mit scharfen Ohren fliegt der Waldkauz im Dunkeln auf die im Laub raschelnde Maus zu und packt sie mit seinen scharfen Krallen. Ein Biss in den Hinterkopf führt zum schnellen Tod des kleinen Nagetiers.

Der nächtliche Räuber „baumt“ dann auf und verschluckt das Beutetier recht schnell in einem Stück. Erst der Magen entscheidet, dass Fell, Knochen und Zähne nicht verdaulich sind. Seine Bewegungen formen dann aus diesen Resten einen länglichen Speiballen, der wegen der darin enthaltenen Haare „Gewölle“ heißt.

Gewölle von Eulen lassen sich unter Schlaf-, Rast-, Nistbäumen und auch aus Nisthöhlen sammeln und ihre Inhalte wissenschaftlich studieren. Damit befasst sich auch die „Gewöll- und Rupfungskunde“, die dann viel mehr noch über alle Nahrungstiere von Eulen und Greifvögeln aussagen kann.

In Berlin hat sich schon vor 60 Jahren ein bedeutender Naturschützer vom Deutschen Bund für Vogelschutz DBV (heute Naturschutzbund NABU) mit der Nahrungsökologie der Eulen der Berliner Wälder befasst.

Abb. 1 : Dr. Wendland war auch ein begnadeter Erklärer der Natur

Dr. Victor Wendland 2) sammelte bei seinen vielen Begehungen im Grunewald und im Spandauer Forst regelmäßig die Gewölle von Waldkäuzen und Waldohreulen auf und analysierte ihre Inhalte, bestimmte die Beutetiere, auch ihre Menge und Anteile im Laufe von über 12 Jahren. Die Ergebnisse dieses akribischen Tuns hat Wendland in einigen Aufsehen erregenden wissen­schaftlichen Artikeln veröffentlicht.

Aus der folgenden Tabelle ist zu entnehmen, dass nicht nur kleine Nagetiere gefressen wurden, sondern auch noch viele andere Wirbeltiere. Bevorzugte Beute waren die Gelbhalsmäuse - auch wohl wegen ihres relativ häufigen Vorkommens in den Berliner Wäldern. Waren sie häufig und leicht zu fangen, traten andere Mäusearten oder Vögel in den Hintergrund.



Tab. 1: Beutetiere der Waldkäuze (n = 14341) des Grunewalds (1959–1973) 3)

Summe aller Wirbeltiere Gelbhals- maus Feld- maus Rötel- maus Ratte übrige Nager Spitz- mäuse Übrige
Kleinsäuger
Amphibien,
Fische
Vögel
1959 866 146 176 5 20 69 236 11 63 92
1960 711 125 86 36 48 74 71 19 111 141
1961 759 304 27 28 85 26 30 17 72 170
1962 2036 532 112 89 100 83 97 21 257 745
1963 1448 345 107 57 55 72 134 24 168 486
1964 1508 585 111 80 54 64 33 24 84 473
1965 1208 381 83 44 59 38 16 14 77 494
1966 1261 246 156 24 67 22 23 16 57 650
1967 1382 532 97 63 48 30 28 25 10 549
1968 789 271 68 47 14 28 23 10 10 318
1969 348 77 18 7 6 0 2 6 11 215
1970 640 232 57 13 14 23 8 5 9 279
1971 439 137 29 24 13 2 1 4 6 223
1972 470 108 37 17 23 10 4 11 11 249
1973 478 66 61 14 11 15 7 8 0 296
Summe 14341 4087 1225 596 617 562 713 215 946 5380

Wendland hielt als Vogelkundler auch noch andere Beobachtungsdaten in seinem Tagebuch fest. Lebensweise der Eulen und die Veränderungen ihrer Lebensräume fanden sein besonderes Interesse Brutbestände und Bruterfolg wurden sehr genau untersucht.

Tab. 2. Vermehrung der Waldkäuze des Berliner Grunewalds von 1958—1971

1958 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 Summe
Festgestellte
Paare
9 13 17 16 15 15 17 17 17 19 20 20 19 18 232
davon mit Bruterfolg 2 10 7 4 5 7 13 6 8 14 4 10 9 8 107
ausgeflogene
Junge
4 23 15 13 6 7 28 9 15 32 5 19 21 17 214

Oecologia (Berl.) 20, 301-310 1975.

Die 107 Paare hatten also 214 Junge, d. h. 2 Junge pro Paar,
davon 30 Paare (28,0 %) je 1 Junges = 30 Junge
50 Paare (46,6 %) je 2 Junge = 100 Junge
25 Paare (23,3 %) je 3 Junge = 75 Junge
1 Paar ( 0,9 % ) 4 Junge = 4 Junge
1 Paar ( 0,9 %) 5 Junge = 5 Junge

Als durchschnittlich kann man bei der Grunewaldpopulation den jährlichen Bruterfolg bezeichnen, wenn etwa die Hälfte der Paare Junge hochzieht. Einige Jahre heben sich durch besonders schlechten (z. B. 1962 und 1968) oder besonders guten (z. B. 1959, 1964, 1967) Bruterfolg hervor.

Anteil der Gelbhalsmäuse an der Jagdbeute und Bruterfolg der Waldkäuzen im Berliner Grunewald - nach Wendland 1975.

stork-gelbhalsmaus-waldkauz.jpg

Abb. 2: Abhängigkeit des Bruterfolgs der Waldkäuze von der Menge der zu erbeutenden Gelbhalsmäuse.

Abb. 3: Waldkauz-Nistkasten mit Balkon. Nach Erich Engel und Victor Wendland.

Die Daten aus über 12 Jahren zu den Anteilen einer Beutetierart in den Gewöllen und solche zum Bruterfolg von Waldkäuzen sind in Abb 2 dargestellt. In einem dreijährigen Zyklus hoher Anteile der Gelbhalsmäuse in den Gewöllen spiegelt sich ein entsprechender Zyklus der Bestände dieser Mäuseart im Grunewald wider. Alle drei Jahre hatten sie viel Nachwuchs, und die Eulen hatten dann entsprechend schnelles und gutes Jagdglück. So konnten mehr Waldkauz-Paare zur Brut schreiten und wohl auch mehr Jungen groß ziehen.

Die Bestände von Räuber und Beute schwankten somit in einem dreijährigen Rhythmus - leicht gegeneinander versetzt. Die Anzahl der Räuber zeigte sich abhängig von der Anzahl der leicht zu fangenden Beutetiere. Dies bestätigt die in der ökologischen Forschung häufig wiederzufindenden Regeln von Lotka und Volterra. Die Waldkäuze aus Berlin konnten so sogar als Beispiel Eingang in ein Hochschullehrbuch finden.

Umweltpädagogen und Biologielehrern sei bei Gewöll-Untersuchungen empfohlen. die Daten aus den Tabellen auch in ihren Lerngruppen zu bearbeiten. Die Grafen im Diagramm kann man löschen. Die absoluten Zahlen in den Tabellen 1 und 2 können von den Kursteilnehmern in %- Werte umgerechnet und grafisch wieder dargestellt werden. Waldkäuze lieferten einst ein schönes Material für die Ableitung der Lotka-Volterra- Regeln 4).

Bauplan des Nistkastens nach Engel & Wendland




Steinmarderüberfall in Winterswijk

25.05.2017

Bei der Steinkauzbrut in Winterswijk ereignete sich um 3:09 am 23.05. ein Überfall durch einen Steinmarder. Mehr...




Habichtskauzmann interessiert sich für die Brut

12.05.2017

Am 11.05. 21:00 Uhr gab es im Habichtskauzkasten – einer umfunktionierten PVC-Mülltonne – eine interessante Szene zu beobachten: Das Männchen kam zum brütenden Weibchen in den Kasten und setzte sich neben sie. Es sieht aus, als wollte er wissen, wie es um das Gelege steht, er guckte immer wieder mit dem Kopf weit unter dem des Weibchens unter sie.

Im vergangenen Jahr war im Waldkauzkasten bei Beleef de Lente in den Niederlanden eine völlig gegensätzliche Szene zu beobachten: Das Männchen kam in Abwesenheit des Weibchens mit einer Maus in den Kasten und war sehr bemüht, sein Beutestück einem der Jungen zu übergeben, aber alle Locklaute halfen nur wenig. Die Jungen waren ziemlich satt und nur wenig interessiert. Plötzlich kam das Weibchen in den Kasten, ging auf das Männchen los und warf ihn äußerst rabiat aus dem Kasten, incl. einem abschließenden Tritt mit dem bekrallten Fang in den Allerwertesten.

Ob es sich um artspezifische Verhaltensunterschiede handelt, ist eine interessante Frage, die nur durch weitere intensive Auswertung von Filmaufnahmen aus dem Nistkasten zu klären ist. Dafür spricht, dass das Verbreitungsgebiet des Habichtskauzes zum großen Teil in der borealen Zone liegt und es dort auch während der Brutzeit noch sehr kalt sein kann. Die Habichtskauzmännchen übernehmen während der Abwesenheit des Weibchens die Brut und schützen so das Gelege vor Frostschäden.

Dass nicht alle Waldkauz-Weibchen so eifersüchtig reagieren, legt das Verhalten der Waldkäuze im Berliner Waldkauzkasten in diesem Jahr nahe: während der Inkubation und als die Jungen noch klein waren, übertagte das Männchen oben im Kasten (→ Bauplan des Kastens). Das Weibchen kam am Abend hoch und setzte sich neben ihn und man konnte ausgiebige gegenseitige Gefiederpflege beobachten. (Siehe auch Protokoll der Berliner Brut.)

Eulen haben sehr ausgeprägtes Geschlechterrollenverhalten: Das Weibchen ist zuständig fürs Brüten und für Pflege und Versorgung der Jungen, das Männchen muss das Futter für alle beischaffen. Erst wenn die Nestlinge so groß sind, dass sie nicht mehr ständig gehudert werden müssen, beteiligt sich das Weibchen an der Jagd, bleibt aber bei der Versorgung der Jungen dominat.

Das Männchen (rechts) interessiert sich sehr für das, was das Weibchen bebrütet.
Das Weibchen sitzt sehr fest auf dem Gelege
Das Männchen schaut sich immer wieder um, möglicherweise reagiert es – anders als das brütende Weibchen – auf Umweltgeräusche.

Liste der Eulen-Webcams 2017




Waldkauzprojekt Kempten

01.05.2017

Am 30.04. brachte das BR Fernsehen in seiner Sendung „Schwaben & Altbayern“ einen Film über das Kemptener Waldkauzprojekt:

Der Waldkauz - Vogel des Jahres Nistkästen für Nachtaktive




Welches Waldkauzküken erhält die Beute?

25.04.2017

Ein anfliegendes Elternteil mit Beute kündigt sich mit Rufen an – oft dem als „Schirken“ bezeichneten Erregungslaut, einem hohen Triller, der keine Ähnlichkeiten mit den übrigen Lautäußerungen hat. Die hungrigen Jungen drängen sich dann Richtung Flugloch und wenn der Altvogel ankommt, geht meistens alles sehr schnell. Für den menschlichen Beobachter am Bildschirm sieht es leicht so aus, als bekäme einfach der, der den längsten Hals macht, das Beutestück.

Dass dem nicht so ist, zeigt dieses Video von Beleef de Lente in den Niederlanden.

Sehr interessant in diesem Video sind die Lautäußerungen des Altvogels: zunächst ist das Schirken zu hören, dann beginnt er mit Warnrufen. Ob es dafür einen äußeren Grund gibt, oder ob er auf diese Weise nur den Jungvogel dazu bewegen will, „in Deckung“ zu gehen und so das Flugloch frei zu machen, wird nicht ganz klar. Als das alles nichts hilft, versucht er es mit sanfter Gewalt, begleitet von Schirken.

Auf jeden Fall bekommt das Nestgeschwister im Kasten letztendlich die Maus und nicht dasjenige, das den Nesteingang blockierte.

So lange der Hunger nicht übermäßig ist, zeigen junge Waldkäuze ein sehr diszipliniertes Verhalten in Bezug auf Futter: derjenige Junvogel, der ein Beutestück übergeben bekommt, wendet sich von den Nestgeschwistern ab und beginnt, das Beutestück zu verschlingen. Er wird dabei von den Geschwistern nicht bedrängt, auch wenn denen zuweilen die Zurückhaltung sichtlich schwer fällt. Erst wenn das Beutestück offensichtlich nicht verschlungen werden kann, versucht ein Geschwister sein Glück.

Auf diese Weise werden Verletzungen und unnötiger Energieverbrauch durch Streitereien vermieden. Gleichzeitig werden Entscheidungen des fütternden Elternteils – meistend des Weibchens – respektiert, was dem Möglichkeiten eröffnet, seinen Reproduktionserfolg aktiv zu maximieren, indem er das verfügbare Futter gerecht verteilt.

Es mehren sich die Hinweise, dass auch Schleiereulen gezielt einzelne Küken füttern.




=

FINGER WEG von jungen Eulen!

21.04.2017

Obwohl zahlreiche Eulen noch immer brüten, sind in einigen Regionen Deutschlands bereits größere Eulenjunge „unterwegs“ und werden aktuell wieder regelmäßig von Spaziergängern als vermeintlich verwaist oder verletzt in Obhut genommen.

Tatsächlich sind die Nachwuchs-Eulen allerdings weder das eine noch das andere, weshalb wir dringend appellieren, junge Eulen vor Ort zu belassen! Man tut den Tieren keinen Gefallen, wenn sie außerhalb ihrer natürlichen Umgebung in Pflegestationen aufwachsen müssen.

Jungeulen verlassen ihren Horst von Natur aus lange bevor sie fliegen können. Bei uns sind das vor allem Waldohreule (Asio otus), Waldkauz (Strix aluco) und Uhu (Bubo bubo), in Regionen in denen er vorkommt, auch der Habichtskauz (Strix uralensis). Junge Waldkäuze werden dabei mit Abstand am häufigsten entdeckt (und „gerettet“).

Die noch flugunfähigen Jungvögel sind bei allen genannten Arten ausgezeichnete Kletterer – das Kletterverhalten ist ihnen angeboren. In der sogenannten „Infantenristen- oder Ästlingsphase“ bewegen sie sich laufend, kletternd oder hangelnd im Astwerk oder Fels, oftmals sogar am Boden. Dort machen sie durch laute Bettelrufe auf sich aufmerksam und werden bis zum flügge werden von den Alttieren versorgt.

Bei Gefahr, beispielsweise wenn sich ein Spaziergänger nähert, kauern sie sich regungslos dicht an den Boden und reagieren selbst dann nicht, wenn man unmittelbar vor Ihnen steht.

Die so aufgefundenen Jungeulen sind aber keineswegs hilflos. Besteht keine unmittelbare Gefahr durch eine nahgelegene Straße oder freilaufende Hunde, sollte man sie daher einfach sitzen lassen. Anderenfalls kann man sie 20-30 m von der Gefahrenquelle wegtragen und auf einen Ast in Kopfhöhe setzen. Sie wird sich dann selbst kletternd in Sicherheit bringen.

Junger Waldkauz zu Fuß unterwegs




Kann der Waldkauz die Augen bewegen?

18.04.2017

Dem Waldkauz sagt man allgemein nach, seine Augen seinen unbeweglich in den Augenhöhlen verankert. Mebs & Scherzinger schreiben in „Die Eulen Europas“:

Form und Verankerung des Eulenauges lassen praktisch keine
Beweglichkeit zu (max. 1°).

Wie so oft in der freien Natur, hält sich auch der Waldkauz nicht immer an die Literatur, wie man in diesem Video, sehen kann:

Video mit Augenbewegung des Waldkauzes – mit freundlicher Genehmigung des Nabu Berlin

Die Beweglichkeit der Augen, die man hier auf Grund des „Rote Augen Effektes“ unter der Infrarotbeleuchtung gut sehen kann, beträgt ein Vielfaches von 1°.




Ökologischer Waldumbau und nachhaltige Waldwirtschaft

26.02.2017

In der Brandenburgischen Akademie Schloss Criewen findet am 24. März 2017 eine eintägige Fachtagung zum Thema statt:

Nicht nur die absehbaren Klimaveränderungen zwingen insbesondere in den neuen Bundesländern die Waldbesitzer zu einem forcierten Waldumbau, keineswegs nur in Schutzgebieten. Wegen der zunehmenden Trockenheit sind artenreiche, standortgerechte Laubmischwälder auch weniger anfällig für Windwurf und Schädlingskalamitäten und damit langfristig weniger arbeitsaufwendig und insektizidärmer. Die eigentliche kostengünstige und standortgerechte Naturverjüngung gelingt aber nur bei einer verträglichen Schalenwilddichte, die in Abstimmung mit den zuständigen Jägern geregelt werden muss. Für Schutzgebiete stellt sich zusätzlich die Frage, welche Waldgesellschaften besonders schutz- und erhaltungswürdig sind. In Wildnis- und Wildnisentwicklungsgebieten kommt die Frage hinzu, ob vor ihrer rechtskräftigen Ausweisung noch Monokulturen, insbesondere fremdländischer Gehölze, aufgebrochen werden sollten, um die Renaturierung der Wälder zu beschleunigen.

Die Tagung soll zu einem weiterführenden Erfahrungsaustausch zwischen den Waldbesitzerverbänden, Waldbauern, Förstern, Jägern, Naturschützern und Behördenmitarbeitern führen.

Näheres unter http://brandenburgische-akademie.de/Veranstaltung/oekologischer-waldumbau-und-nachhaltige-waldwirtschaft/?instance_id=66950




Eulenschutz in Moers und Neukirchen-Vluyn

24.02.2017

Der NABU Moers/Neukirchen-Vluyn ist seit vielen Jahren im Schutz der bedrohten Avifauna, ins Besondere der Eulen und Käuze, aktiv. Neben den recht stabilen Beständen des Waldkauzes (Strix aluco) und der Waldohreule (Asio otus) sind hier besonders die Schleiereule (Tyto alba) sowie der Steinkauz (Athene noctua) als prägende Arten der Region zu nennen. Erfreulicherweise zählt der Niederrhein zu einem der Hauptverbreitungs-Schwerpunkte des Steinkauzes. Nachdem in den vergangenen Jahren die Arbeit im Eulenschutz zunächst etwas ins Stocken gekommen war, sind die geschützten Vögel seit 2016 wieder verstärkt in den Fokus der Bemühungen gerückt.

Neben der Erfassung der Bestände durch Kastenkontrollen, Sichtbeobachtungen oder nächtliche Verhöre mittels Klangattrappe ist ein Schwerpunkt in der Sicherung und Pflege geeigneter Habitate zu sehen. Dabei wird die Pflege der hier weit verbreiteten und landschaftsprägenden Kopfweiden besonders intensiv betrieben. Die Erhaltung von Streuobstwiesen und Dauer-Grünlandflächen gestaltet sich indes wesentlich schwieriger. Hier versucht der NABU auf Politik und Kreis einzuwirken, um die Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes zu wahren.

Die Tatsache, dass die natürlichen Nistplätze der höhlenbewohnenden und -brütenden Arten zunehmend der Motorsäge zum Opfer fallen und die gebäudebrütenden Arten wie die Schleiereule unter der (energetischen) Sanierung alter Gebäude leiden, macht das Anbringen geeigneter Nistmöglichkeiten in Form von Niströhren und Nistkästen unausweichlich. Auch hier wird durch Kooperationen und viel ehrenamtliches Engagement eine Menge erreicht.

Ein viertes wichtiges Element der Schutzbemühungen ist in der Öffentlichkeitsarbeit zu sehen. Soziale Netzwerke wie facebook sind ebenso hilfreich wie Fachzeitschriften, Tageszeitungen oder Illustrierte wie die Landlust oder andere Gartenzeitschriften. Kostenfrei durchgeführte Seminare und Exkursionen an der VHS Moers runden die Kommunikation mit der Öffentlichkeit ab. Der so genannte „Runde Tisch Umwelt Moers“, eine Runde verschiedener am Umwelt-, Arten- und Landschaftsschutz interessierter Gruppierungen wie NABU, Hegering, Stadt Moers, Imker, Landwirte, LINEG und ENNI formierte sich vor rund einem Jahr. Hier werden ebenfalls Belange, die den Eulenschutz betreffen, eingebracht und vertieft.

Kooperationen sowie das in Zeiten des Internets sehr gut durchführbare „Networking“ – so auch untereinander in der AG Eulen (großes Lob!) – sollen weiter intensiviert, Kontakte zu „Profis“ zwecks eines andauernden Erfahrungsaustausches initiiert und ein Fokus auf eine Wissenschaftsorientierung gesetzt werden. „Es ist viel zu tun – Packen wir es an!“

Text und Fotos: Harald Fielenbach

Steinkauz
Schleiereulenküken
Harald Fielenbach




Todesfalle Kamin

23.02.2017

Vor allem während der Nestfindungsphase und zu Beginn der Brutzeit fallen jedes Jahr Waldkäuze in ungesicherte Kamine und bringen sich damit in akute Lebensgefahr.

Vermutlich untersuchen die Käuze die Öffnungen der Kamine auf ihre Eignung als Bruthöhle, da der Schornstein in seiner Bauweise einem hohlen Baum ähnelt.

Anders als in einem tatsächlichen hohlen Baum, in dem die Tiere entlang der Holzfasern und -risse teilweise einige Meter bis zum Grund und wieder zurück klettern können, bietet ein Kamin keinerlei Halte- oder Klettermöglichkeiten. Abgestürzte Käuze haben so keine Chance, ihrer Falle zu entkommen, und sterben in den meisten Fällen.

Sind Waldkäuze erst einmal in einem Kamin gefangen, versuchen sie natürlich, sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Bei dem Versuch, die glatten Schachtwände nach oben zu klettern, verausgaben sie sich völlig und bleiben letztendlich verrußt auf dem Schachtboden hocken. Nicht selten kommt es vor, dass Käuze, die nicht sofort oder gar nicht rechtzeitig gefunden werden, sich die Krallen bis auf den Knochen abreiben.

Hausbesitzer oder Mieter sollten daher speziell zu Jahresbeginn auf ein kontinuierliches Rumoren „aus der Wand“ achten. Hört das Scharren und Kratzen über eine längere Zeit nicht auf, sollte der Kamin über die Reinigungsklappe kontrolliert werden, um eventuell verunglückte Käuze rechtzeitig befreien zu können.

Es empfiehlt sich außerdem, Kamine generell durch ein Gitter entsprechend zu sichern. Schornsteinfeger können hierzu Auskunft geben.




Eulen-Webcams 2017

22.02.2017

    • 15.02. Das Weibchen verbringt seit einiger Zeit den Tag in der Bruthöhle.
    • 21.02. Das erste Ei ist gelegt und wird bebrütet.
    • 23.02. Drei Eier sind gelegt.
    • 25.02. Vier Eier sind gelegt.
    • 02.03. Fünf Eier sind gelegt:
    • 26.03. Die Käuzin verlässt den Kasten offenbar sehr selten, das Gelege sieht man nicht. Ihr Verhalten und Zwitscherlaute lassen jedoch den Schluss zu, dass mindestens ein Küken geschlüpft ist. Kurzzeitig war auch eine angeknabberte Eischale zu sehen.
    • 29.03. 4 Küken sind geschlüpft.
    • 04.04. Alle 5 Küken sind geschlüpft.
    • 30.04. Nur das kleinste Junge ist noch im Kasten. Die vier Geschwister sind jetzt als „Ästlinge“ unterwegs.


Überfall durch Steinmarder

  • 22.05. 03:09 Ein Steinmarder überfällt den Nistkasten in Winterswijk. Das Steinkauz-Weibchen entkommt aus dem Kasten, bevor der Marder-Rüde versuchen kann, den Marderschutz zu überwinden und daran scheitert. Die Steinkäuzin fliegt Angriffe auf den Marder und gibt die Brut dann vorschnell verloren. Sie kehrt nicht mehr in den Kasten zurück. Film vom Überfall Siehe auch Blogeintrag dazu von Ronald van Harxen (niederländisch)
  • 24.05. Der Steinkauzmann versucht, seine Jungen alleine weiter zu versorgen, scheitert jedoch. Die beiden verbliebenen noch sehr kleinen Küken sterben. Der Steinkauzmann trägt eines der toten Küken weg. Interessant ist das Verhalten des Steinkauzes, als er das tote Küken aus der Nestmulde holt – hätte er ähnliche Lautäußerungen getan, wäre es nur ein Kadaver gewesen, wie die vielen toten Mäuse, die wir im Kasten gesehen haben?
  • 25.05. Auch das verbliebene tote Küken ist aus dem Kasten entfernt. Ein von Ameisen „belebter“ Mäusekadaver dagegen nicht.

    Die drei Küken in Dongen dagegen entwickeln sich prächtig:

  • 26.05. ca. 2:00 in Winterswijk: Ein Steinkauz steht unbeweglich wie eine Statue vor dem Flugloch des Kastens. Nur die vom "Rote-Augen-Effekt" hell leuchtenden Augen verraten, dass er lebt. Von innen sind Lockrufe und Scharren zu hören – der Steinkauzmann wirbt um ein neues Weibchen. Die Dame gibt sich noch etwas spröde, aber sehen Sie selbst
  • 28.05. 20:40 Winterswijk: Herr Steinkauz geht lockend in den Kasten. Die neue Frau Steinkauz umrundet 10 Minuten lang den Kasten, bevor sie selbst hinein geht. Die neue Frau Steinkauz ist im Nistkasten angekommen. Sie erforscht ihn und lässt sich von Herrn Steinkauz anlocken. Seine Mission war erfolgreich, und er geht, und sie folgt ihm:


    Derweil wagen sich zwei der drei kleinen Steinkäuze in Dongen erstmals in den „Balkon“ ihres Nistkastens.
  • 30.05. Dongen: Die jungen Steinkäuze beginnen auf den Kasten zu klettern und den Baum für kleine Ausflüge zu erobern.
  • 03.06. Dongen: Die jungen Steinkäuze erkunden den Baum, sind aber noch nicht sehr trittsicher und stürzen einige Etagen abwärts. Aber das macht nichts, denn sie sind ausgezeichnete Kletterer und schaffen es auf diese Weise immer wieder zum Kasten zurück, wie man in diesem Video sehen kann.
  • 11.06. Dongen: Die jungen Steinkäuze sind nicht mehr oft am oder im Kasten zu sehen. Sie werden von den Eltern weiterhin versorgt und geführt.
    Das Paar in Winterswijk kann sich wohl nicht so recht entscheiden, ob ein neuer Brutversuch gemacht wird, oder nicht. Man darf weiterhin gespannt sein.
  • 13.06. Dongen: Die Jungen sind ausgeflogen.


    • Bis zum 07. März 3 Eier. Am 16.03. noch immer 3 Eier.
    • 21.03.: Das erste Küken ist geschlüpft
    • 23.03.: Das zweite Küken ist geschlüpft
    • 28.03.: Das dritte ist noch immer nicht geschlüpft. Es dürfte unbefruchtet oder abgestorben sein.
    • 29.03.: Beim älteren der beiden Küken sind Federfluren mit Blutkielen zu sehen.
    • 30.03.: Die Küken beginnen die Augen zu öffnen.
    • 06.04.: Die beiden Küken sind mächtig gewachsen. Das taube Ei liegt noch immer im Kasten.
    • 25.04.: Das erste Küken verlässt den Kasten und stürzt dabei gleich ab. Es kommentiert den Vorfall mit Schnabelknappen, das in diesem Fall wohl einem derben Fluch in Menschensprache entspräche. Video
    • 26.04.: Das zweite Küken verlässt um 5:50 morgens den Kasten. Damit sind die jungen Waldkäuze außer Sicht – zurückkehren werden sie nicht. Video vom Ausfliegen


Nesthäkchens kurzes Leben

  • Waldkauz-Webcam in Berlin - Innenansicht Außenansicht [ohne Ton]
    16.03.: Das Männchen verbringt regelmäßig die Tage im oberen Teil des Kastens und wacht – eine sehr geschickte Kastenkonstruktion! Den Bauplan für den Kasten finden Sie hier
    • 16.03. 4 Eier
    • 28.03. 4 Eier
    • 03.04. 21:00: Das Weibchen knabbert an einer Eierschale und verlässt entgegen der Gewohnheit der letzten Tage das Gelege nicht.
    • 04.04. Zwei Küken sind geschlüpft
    • 05.04. Das dritte Küken ist geschlüpft
    • 06.04. 1:02: Das Weibchen kehrt von einem kurzen Ausflug mit einem geschlagenen Vogel zurück.
    • 07.04. Das vierte Küken ist geschlüpft.
    • 18.04. Das vierte Küken ist deutlich kleiner, als die Geschwister und das Jagdglück der Eltern, die jetzt beide jagen, scheint nicht überragend zu sein. Ein Beutedepot im Kasten gibt es nicht – keine guten Aussichten für das Nesthäkchen.
    • 20.04. ca. 12:30 Das Weibchen unternimmt vom Nistkasten aus einen erfolglosen Jagdversuch.
    • 22.04. Blick in den Nistkasten
    • 23.04. Es werden relativ häufig Vögel als Beutestücke eingetragen – das spricht ebenfalls für eine nicht üppige Nahrungssituation –, die das Weibchen noch selbst an die Jungen verfüttert. Mäuse werden dagegen einem Jungen übergeben – nicht immer dem, das den längsten Hals macht. Das kann den Happen dann im Ganzen verschlingen, weitgehend ohne von den Geschwistern angegangangen zu werden. Das ist eine Besonderheit junger Waldkäuze – was sie aus menschlicher Sicht „tugendhaft“ und damit recht langweilig macht. Die Käuze vermeiden damit Verletzungsrisiken und Energieverluste.
      Bei Steinkauzens kann man dagegen ziemlich verbissene Raufereien um Beutestücke beobachen – siehe "Wenn zwei sich streiten".
    • 27.04. 2:20 war erstmals eine große Rangelei um eine Maus zu bobachten – ein weiterer Hinweis auf eine präkäre Ernährungssituation?
    • 29.04. Das größte Junge beginnt, die ditte Dimension zu erobern: mit Flügelschlägen, Füßen und Schnabel versucht es sich Richtung Flugloch an den Leitersprossen empor zu hangeln. Noch hat es den „Balkon“ nicht erreicht.
    • 30.04. Der „Balkon“ ist erobert, ein Junges schaut aus dem Flugloch. (→Bauplan des Nistkastens)
    • 01.05. 01:35: Eine wüste Rangelei um ein Beutestück. Das kleinste Küken hat unter diesen Bedingungen keine Chance etwas abzubekommen. Die Käuzin bringt nach wie vor die Beute nach unten in den Kasten, vermutlich um ein bestimmtes Junges zu füttern, sie hat aber keinen Einfluss mehr darauf, welches Junge sie letztlich bekommt.
    • 01.05. 10:00: Das Weibchen ist unten im Kasten, zerreißt ein Beutestück und füttert. Möglicherweise handelt es sich um einen geschlagenen Vogel. Mit Vögeln haben die Jungen ihre Probleme: wenn sie selbständig fressen, verschlingen sie das Beutestück im Ganzen, was aber bei Vögeln wegen der Federn sehr mühsam ist.
      Anschließend verläßt die Käuzin den Kasten wieder.
      Nachtrag 20:00: Es könnte auch eine Ratte gewesen sein, denn ein Küken – wahrscheinlich die Nr. 3 – versuchte, einen Rattenschwanz zu fressen, der auf dem Kastenboden lag.
      Die beiden jüngsten Küken:

      Der Größenunterschied zwischen Nr. 3 und dem Nesthäkchen ist beträchtlich. Die großen Geschwister sitzen oben im „Balkon“.
      Benjamin mit Rattenschwanz:

      Die Nr. 3 ist auch auf den „Balkon“ hinauf geklettert.
    • 01.05. 23:30: Der Rattenschwanz wird gefressen. Benjamin ist zu klein und schwach dazu, zwei weitere Geschwister sitzen im „Balkon“. Die Käuzin füttert sie dort.

      Ein Stummel ragt noch aus dem Schnabel:
    • 02.05. Die Käuzin, die in der Nähe des Kastens den Tag verbringt, flieht vor einem Eichelhäher in den Kasten:

      Die Käuzin und ein Junges sind im „Balkon“:

      Ca. 18:40 verließ die Käuzin den Kasten wieder.
      Mittlerweile sitzen die 3 größeren Jungen regelmäßig am Flugloch. Nur das Nesthäkchen ist noch zu klein, um die Leiter zu erklimmen. Versucht hat es das schon.
    • 03.05. Abends: Nun hat es auch das Nesthäkchen geschafft, auf den „Balkon“ zu klettern. Alle vier Jungen sitzen jetzt am Flugloch.
      Das Nesthäkchen ist nicht nur viel kleiner, als die Geschwister, es scheint auch ein Problem mit dem rechten Auge zu haben, das es häufig geschlossen hält:

      Es sitzt auch häufig allein unten im Kasten und hat so nochmals schlechtere Chancen, gefüttert zu werden – die Geschwister oben im „Balkon“ lassen die Käuzin nicht in den Kasten und greifen die Beutestücke ab. Das Nesthäkchen ist 2 Tage nach Nr. 3 geschlüpft. Diese zwei Tage können über Leben und Tod entscheiden, wenn die Nahrung knapp ist.
    • 05.05. 10:15: Der Größenunterschied zwischen dem Nesthäkchen und seinen Geschwistern wird größer:
    • 05.05. 12:30 Das Nesthäkchen ist tot und wird von den Geschwistern gefressen:

      Es wurde auf den Tag genau 4 Wochen alt.

      Hier die traurigen Überreste des kleinen Waldkauzes. Das Bildschirmfoto wurde leicht bearbeitet, um den Kontrast zu verbessern:

      Wenigstens sind die Geschwister jetzt satt…
    • 06.05. Noch immer nagen die Jungkäuze am Skelett ihres toten Geschwisters. Sie stehen jetzt öfters im Flugloch und beugen sich weit hinaus. Sie werden in Kürze ausfliegen und nicht wieder in den Kasten zurückkehren.

      21:21: Ein Altvogel bringt einen kleinen Frosch, der vom Jungen am Flugloch sofort verschlungen wird.
    • 07.05. 0:36 Ein Altvogel bringt einen geschlagenen Vogel. Ein Jungkauz zieht sich damit in den unteren Teil des Kastens zurück und frisst ungestört.
      12:30 Ein Junges hat letzte Nacht den Kasten verlassen.
      21:07 Das zweite Junge verläßt mit Flugrichtung schräg nach unten den Kasten und drei Minuten später auch das dritte. Von jetzt an werden die drei jungen Waldkäuze nur noch zufällig von der Kamera erfasst werden, denn sie kehren nicht in den Kasten zurück.
      Die jungen Waldkäuze können jetzt noch nicht richtig fliegen, aber sie beherrschen das Bäumeklettern mit Hilfe von Krallen, Flügeln und Schnabel – ein Absturz ist also nicht weiter schlimm. Nachts rufen sie und die Eltern füttern.





World Owl Conference 2017 in Portugal

09.02.2017

Vor zehn Jahren fand die letzte Welt-Eulen-Konferenz in Groningen/NL statt. Zur nächsten weltweiten Tagung treffen sich die Eulenforscher und Eulenfreunde in diesem Jahr vom

26. bis 30. September in Evora/Portugal.

Unser Mitglied Hein Bloom/USA und seine Frau Karla sind maßgeblich an der Organisation beteiligt und bitten darum, diesen Termin vorzumerken.

Präsentationen und Beiträge werden gerne noch angenommen.
Details finden Sie auf der Website und der facebook-Seite.

http://www.woc2017.uevora.pt/
https://www.facebook.com/World-Owl-Conference-2017-229110610867087/?fref=ts




Ankündigung: 33. Jahrestagung der

„Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutze der Eulen e.V.“

07.02.2017

Die diesjährige Jahrestagung der AG Eulen findet vom 20.-22. Oktober 2017 im Christian Jensen Kolleg in Breklum/Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein statt. Die Gemeinde Breklum liegt an der Bundesstraße 5 zwischen Husum und Niebüll. Bahnreisende erreichen Breklum über die Marschen­bahn Hamburg-Westerland und fahren bis zur Bahn­station Bredstedt. Für Über­nacht­ungs­gäste ist nach Anmeldung der Ankunftszeit beim Christian-Jensen Kolleg eine kosten­lose Abholung per Taxi-Service möglich.

Unterkünfte stehen im Tagungsgebäude zum Preis von 59,30 € im EZ und 50,30 im DZ pro Person/Nacht zur Verfügung. Gewünschte Unterkünfte bitte direkt im Christian Jensen Kolleg bis 20.August 2017 anmelden! (Tel: 04671-9112-0; Fax 04671-2584, E-Mail: info@christianjensenkolleg.de). Nicht reservierte Zimmer werden danach anderweitig vergeben.

Die Tagung beginnt am Freitagabend mit dem gewohnten AG Eulen-Stamm­tisch. Das Vortrags­programm findet am Samstag statt und endet am Abend mit der Mitglieder­versammlung, bei der entsprechend unserer Satzung wieder eine Vorstandswahl ansteht. Am Sonntagvormittag sind verschiedene Exkursionen zum Beispiel in den westlich von Breklum liegenden Beltringharder Koog und in ein Steinkauz-Revier bei Tellingstedt geplant. Die Organisation vor Ort hat Herr Armin Jeß übernommen.

Anmeldungen zur Tagung bitte mit vollständiger Adressenangabe bis spätestens 05.10.2017 an Armin Jeß, Kirchenweg 3, 25870 Oldenswort, Tel: 04864-2718849, E-Mail: jess.armin@gmx.de.

Vorträge und Poster mit Kurzfassung bitte bis 22.9.2017 an den Vorsitzenden Dr. Jochen Wiesner, Oßmaritzer Straße 13, D-07745 Jena, Tel. 03641-603334, E-Mail: jochen.wiesner@ageulen.de mitteilen.

Anmeldeformulare sowie weitere Hinweise zur Tagung können unter www.ageulen.de zu gegebener Zeit eingesehen bzw. heruntergeladen werden. Auch ein Online-Anmeldeformular wird wieder zur Verfügung stehen.

Anmeldeformular als pdf zum Versand per Post
Online-Anmeldung für eingeloggte Nutzer




Fotowettbewerb 2016

28.12.2016

Auf der diesjährigen Eulentagung im Kloster Schöntal wurde ein Fotowettbewerb ausgetragen. Dazu wurden 65 Fotos eingereicht.

Die Bilder wurden mit Nummern versehen (keine Namensnennung des Fotografen) und auf Stellwänden aufgehängt. 82 Tagungsteilnehmer bewerteten die Bilder, wobei jeder Teilnehmer drei Stimmen hatte und jedes Bild nur einmal gewählt werden durfte.

Die Preise für die Sieger wurden von Christ Media und Humanitas gestiftet.

Hier die Siegerfotos:

1. Preis: Perfekt getarnter Waldkauz in Baumhöhle von Christian Harms


2. Preis: Mit Beute anfliegendes Sperlingskauzweibchen von Christoph F. Robiller http://www.naturlichter.de


3. Preis: Waldohreule im Mondlicht von Dirk Unkelbach


4. Preis: Sumpfohreule mit ausgebreiteten Flügeln von Hero Appeldorn


5. Preis: Uhu-Wildfang von Christiane Geidel


6. Preis: Sumpfohreule von Lars Weiser




Warum sind Windkraftwerke auf topografisch erhöhten Standorten besonders gefährlich für Großvögel?

Vortrag zum 8. Internationalen Symposium vom 10.10. – 12.10.2014 in Halberstadt: „Populationsökologie von Greifvogel- und Eulenarten“

von Reimut Kayser



In den windschwachen Gebieten Süddeutschlands, insbesondere Baden-Württemberg und Bayern, war die Nutzung der Windenergie zur Stromerzeugung lange Zeit recht unattraktiv. Seit der Entwicklung größerer Windenergieanlagen (WEA) mit Naben­höhen von ca. 140 m und Rotordurchmessern zwischen ca. 100 – 120 m, mit Nennleistungen von meist 2,5 – 3 MW, insbesondere von speziellen Schwach­wind­kraft­werken wie der Nordex N-117 (2,4 MW) mit einem Rotor­durch­mes­ser von 117 m, lag Bayern 2012 im Zubau von WEA auf Rang 5 im bundesweiten Vergleich mit durchschnittlich 133,9 m Naben­höhe der 2012 erstellten WEA5). Abbildung (Abb.) 9 zeigt die Größenzunahme der WEA von 1990 – 2013 in Deutschland.

Abbildung 9. Quelle: „Windenergiereport Deutschland, 2013“, Fraunhofer IWES
Abbildung 9. Quelle: „Windenergiereport Deutschland, 2013“, Fraunhofer IWES

Abbildung 5. Quelle: „Windenergiereport Deutschland, 2013“, Fraunhofer IWES
Abbildung 5. Quelle: „Windenergiereport Deutschland, 2013“, Fraunhofer IWES

Abbildung 6. Quelle: Siegfried Heier „Nutzung der Windenergie“, Fraunhofer IRB, 2012
Abbildung 6. Quelle: Siegfried Heier „Nutzung der Windenergie“, Fraunhofer IRB, 2012

Um die großflächig geringe Windgeschwindigkeit (z. B. in Bayern) besser zu nutzen, werden von den WEA-Investoren sehr bevorzugt topografisch erhöhte Standorte ausgewählt: Hügel, Bergrücken, Hangoberkanten sowie Hochflächen, die an Talflanken von (Fluss-)Tälern anschließen. Dabei bewirkt bereits eine geringe Erhöhung der durchschnittlichen jährlichen Windgeschwindigkeit von z. B. sechs Metern pro Sekunde (6 m/s) (etwa in der Region München) auf 7 m/s (etwa in der Region Hamburg) fast eine Verdoppelung des Stromertrags, da die Leistung mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit ansteigt6). Die Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe über Grund zeigen die Abb. 5 und 6, die daraus resultierende Standortwahl die Abb. 7 und 8; Abb. 8 zeigt einen typischen WEA-Standort im südlichen Bayern (Allgäu) auf einer bewaldeten Anhöhe. WEA in Waldrandnähe erzeugen zusätzliche Kollisionsgefahren für größere Vogelarten. Die dezentrale, weit gestreute Stromgewinnung geschieht in Süddeutschland somit verbrauchernah mit kurzen Leitungswegen. Die Notwendigkeit, „Windstrom“ aus dem Norden mittels monströser Überlandleitungen zu den Verbrauchern im Süden zu bringen, wird zumindest stark verringert. Gerade die sehr großen geplanten Fernstromleitungen werden jetzt schon heftigst bekämpft. Zudem bieten WEA-Projekte auch im Süden respektable finanzielle Anreize auch für kleinere mittelständische Unternehmen sowie Kapitalbeteiligungen für Kommunen und Bürger im Standortbereich. Diese „Wertschöpfung vor Ort“ erhöht die Akzeptanz bei Kommunalpolitikern und Bürgern im Umfeld der WEA-Projekte.

Abbildung 7. Quelle: „Windenergiereport Deutschland, 2013“, Fraunhofer IWES
Abbildung 7. Quelle: „Windenergiereport Deutschland, 2013“, Fraunhofer IWES

Abbildung 8. Typischer WEA-Standort in Bayern. Quelle: Augsburger Allgemeine Zeitung – 30. 12.2011
Abbildung 8. Typischer WEA-Standort in Bayern. Quelle: Augsburger Allgemeine Zeitung – 30. 12.2011

Der folgenden Darstellung liegen sehr viele gezielte Beobachtungen zugrunde zum Flugverhalten von Rot- und Schwarzmilan, vor allem seit 1974 aus den Landkreisen Dillingen/Donau und Donau-Ries (beide Lkr. im Reg.bez. Schwaben/Bayern), die zu den drei Regionen mit den höchsten Populationsdichten des Rotmilans in Bayern gehören (Ergebnisse der bundesweiten Rotmilan-Kartierung 2011/12 für Bayern: Ornithologische Fachtagung des bayerischen Landesamtes für Umwelt in Augsburg, Februar 2013). Mit zahlreichen Fachleuten aus Ornithologie und Naturschutz wurden meine Beobachtungen immer wieder diskutiert und bestätigt.

Abbildung 2.
Abbildung 2.

Abbildung 3.
Abbildung 3.

Für Großvögel, besonders für den Rotmilan, vergrößern aber die WEA-Standorte auf erhöhten (exponierten) Geländebereichen zusätzlich das schon grundsätzlich vorhandene Kollisionsrisiko mit WEA-Rotoren erheblich. Die Abb. 2 und 3 zeigen die Dimensionen und technischen Daten von WEA und die daraus resultierende grundsätzliche Gefährdung besonders für größere Vogelarten.

Abbildung 10.
Abbildung 10.

Abb. 10 zeigt die Entstehung des Auftriebs am Profil (Querschnitt) des Vogelflügels: Bei langsamem Flug hat der Stau auf der Unterseite den Hauptanteil an der tragenden Wirkung (z. B. durch Thermik, Hangwind). Je schneller die horizontale Luftströmung auf die Vorderkante des Profils wirkt, desto größer wird der Anteil des oberseits wirkenden Sogs am Auftrieb.

Abbildung 11.
Abbildung 11.

Schema des Thermiksegelns (n. JADOUL) am Bsp. des Schwarzstorchs:
Will der Vogel Energie sparend zu einem weit entfernten Nahrungsgebiet
gelangen (Distanzflug), kann er als Aufstiegshilfen für seine langen
Gleitflugstrecken
  a) Thermiksäulen oder/und
  b) Hangwinde
nutzen. Hügelketten oder lange Talflanken (in Flusstälern) werden daher
bevorzugt aufgesucht.  Auch die im Bild gezeigten Waldrandbereiche
können Aufwinde erzeugen.

Abbildung 12.
Abbildung 12.

Gerade die Suchflugjäger Rot- und Schwarzmilan bevorzugen Geländebereiche, die ihnen günstige Bedingungen für den notwendigen Energie sparenden Segelflug bieten:

  1. Geneigte Flächen erwärmen sich bei Sonneneinstrahlung stärker und erzeugen stärkere aufwärts gerichtete Warmluftströme (Thermik, Thermiksäulen) als über ebenen Flächen.
  2. Winde werden an Hängen nach oben abgelenkt. Es entstehen – auch bei bedecktem Himmel – Auftrieb erzeugende Hangwinde.
  3. Warum sind bereits flache und geringe Geländeerhebungen schon attraktive „Aufstiegshilfen“ für größere Vögel?
    • Die Hangwind- bzw. Aufwindsituation wirkt noch ein gutes Stück über die Geländeoberkante hinaus,
    • (stärkere) Thermik wirkt ohnehin in größere Höhen hinauf. In beiden Fällen genügt es, dann die höheren Luftschichten zu erreichen, wo auch die horizontale Anströmung des Flügels stark genug wird, um genügend Auftrieb über das Flügelprofil zu erzeugen (s. Abb. 12).
  4. Nicht nur für den Jagdflug vor Ort bieten Hangbereiche – übrigens weit über deren Höhenbegrenzung hinaus – hervorragende Bedingungen, sondern auch für „Transfer“-Flüge zu weit entfernten Zielen: Thermiksäulen dienen als stets genutzte „Aufstiegshilfe“ zum Höhengewinn im spiraligen Kreisflug für Großvögel, die dann wiederum Energie sparend im Gleitflug große Strecken überwinden. Z. B. der Schwarzstorch legt so Entfernungen über 15 km mittels mehrerer Thermiksäulen ohne Ruderflug-Strecken vom Brutplatz bis zum Nahrungshabitat zurück.
  5. Ähnlich Kraft sparend können Hügelketten oder Talflanken von (Fluss-)Tälern für Distanzflüge genutzt werden. Auch für Revier anzeigende Flüge und Balzflüge werden Thermik und Hangwind sehr häufig genutzt. Die gleiche Attraktivität von Geländeerhebungen für die Nutzung der Windenergie und die Flugaktivitäten von Großvögeln lässt sich treffend so zusammenfassen: Windkraftwerk-Betreiber und Großvögel haben dasselbe topografische Suchprogramm.

Abbildung 17.
Abbildung 17.

Abbildung 18.
Abbildung 18.

Abbildung 19. Quelle: Siegfried Heier „Nutzung der Windenergie“, Fraunhofer IRB, 2012
Abbildung 19. Quelle: Siegfried Heier „Nutzung der Windenergie“, Fraunhofer IRB, 2012

Besonders kollisionsträchtig sind daher einzelne WEA oder gar „Windparks“, z. B. an Oberkanten von Flusstälern, die quer zu den Hauptwindrichtungen aus dem westlichen Sektor verlaufen. Die von Süd nach Nord verlaufenden zahlreichen Flusstäler, die den Alpenraum in Süddeutschland bis zur Donau hin entwässern, sind besonders kritisch (Beispiel: Abb. 18). Zudem haben sie streckenweise hohe Attraktivität für süd(west)wärts ziehende Großvögel. Schon vor dem alpennäheren Bereich bietet die flussauf immer mehr vorherrschende Grünlandnutzung besonders gute Nahrungshabitate. Gerade (steilere) Hangbereiche werden meist nicht ackerbaulich genutzt, sondern als Wiesen. Dadurch ergeben sich längere Aufenthaltszeiten (vor allem im Spätsommer/Herbst) und erhöhte Flugaktivitäten in besonders kritischen Bereichen: WEA, die quer zur Hauptwindrichtung an der Taloberkante eines von Süd nach Nord strömenden Flusses aufgereiht sind (s. Abb. 19),

  • können in geringerem seitlichen Abstand zueinander gestellt werden (üblicherweise ca. das 3,5-Fache des Rotordurchmessers), wodurch die Lücken für den Durchflug relativ eng werden,
  • bieten Vögeln, die nun mal gerne und häufig über dem Hangkantenbereich segeln, in der Regel die größtmögliche Risikofläche an, da
    a) die Rotationsebene sich immer senkrecht zur jeweiligen Windrichtung einstellt,
    b) (Groß-)Vögel sich im (kreisenden) Segelflug gerne vom Wind seitlich verdriften lassen und damit bereits bei einer einzigen Flugroute für längere Zeit bzw. öfters in den Rotorbereich gelangen können.

Abbildung 3.
Abbildung 3.

Die zuletzt genannten Zusammenhänge werden durch folgende technische Daten noch deutlicher

  • Selbst bei einem langsam laufenden Schwachwindkraftwerk wie der Nordex N-117 beträgt die Zeit für einen heilen Durchflug, wenn er mittig zwischen zwei Rotorblättern stattfindet, bei minimaler bzw. maximaler Umdrehungszahl des Rotors 1,91 bzw. 0,75 Sekunden (ohne Berücksichtigung des zusätzlichen Risikos infolge von Turbulenzen im näheren Bereich der Rotorblätter). Dazu: siehe Abb. 3.
  • Der Risikobereich (vom Rotor überstrichene Kreisfläche) einer Nordex N-117 beträgt 1,071 Hektar [ha]. Bei einem Windpark mit acht Nordex N-117 ergibt sich dann eine Risikofläche von über 8,5 ha quer zur Windrichtung bzw. zur Flugrichtung.

Abbildung 13.
Abbildung 13.
  • Durch Stau des auftreffenden Windes an der Waldkante entsteht ein verdichtetes „Luftpolster“
  • dieses erzeugt bereits vor dem Hindernis des Waldrandes eine Aufwindzone, da höhere Luftströmungen über das Luftpolster hinwegstreichen müssen.
  • Aber auch in größerer Distanz vom Waldrand ins Bestandsinnere herrschen gute Aufwind- verhältnisse, da die stark abgebremste Luftschicht in der Baumwipfelebene (intensiv rot dargestellter Bereich) das Luftpolster auch noch weit nach hinten unterstützt. Im Grenzbereich Luftpolster/ darüber strömende Luftschichten sind die Turbulenzen besonders stark. Großvögel vermeiden diese durch Aufenthalt in ruhigeren Luftschichten, die etwa in 3-4-facher Baumhöhe erreicht werden. Somit gelangen sie leicht in die Risikozone auch großer WEA, wenn die Wipfelhöhe z. B. bei 25 – 30 m liegt.
  • Warum überfliegen Großvögel ausgedehntere Waldgebiete oft in relativ großen Höhen von häufig 100 – 200 m?
    Großvögel wollen v. a. größere Strecken (Distanzflüge) im Energie sparenden Segelflug zurücklegen:
    • Bei sonnigem Wetter wird das Prinzip des Thermiksegelns bevorzugt. Da über Waldgebieten die Entstehung von aufsteigender Warmluft (Thermik) gegenüber dem Offenland erheblich verringert ist, muss vom Vogel die Thermiknutzung über dem Offenland zum Aufstieg in höhere Luftschichten genutzt werden, so kann a) im Gleitflug (mit Höhenverlust) eine größere Strecke überwunden werden oder b) bei leichtem Wind dann in entsprechender Höhe die hier dann ausreichend schnelle Luftströmung für den Auftrieb über das Flügelprofil genutzt werden. Somit ist dann Energie sparender Segelflug auch ohne Höhenverlust möglich.
    • Bei bereits mäßigem Wind werden Geländeerhebungen oder/und Waldrandbereiche ebenfalls als Aufstiegshilfen in die Höhenschichten größerer Windgeschwindigkeit genutzt. Die schwarzen Pfeile in Waldrand-Nähe in Abb. 13 symbolisieren den Aufwind.
    • Bei stärkerem Wind wird eine größere Flughöhe auch aus anderen Gründen bevorzugt: Im Höhenbereich der Wipfelebene wird der Wind sehr stark abgebremst, der Geschwindig- keitsunterschied zur nächst höheren, darüber weggleitenden Luftströmungsschicht ist hier in einem bestimmten Grenzbereich (gleich oberhalb des roten Balkens) am größten. Folglich sind hier die größten Turbulenzen! Mit zunehmender Höhe nimmt der Unterschied (Gradient) der einzelnen Windgeschwindigkeiten zwischen den einzelnen geschichteten Luftströmungen immer mehr ab: Die Turbulenzen werden immer schwächer, die Strömung immer mehr laminar (blaue Pfeile). Daher vermeiden Großvögel vor allem für ihren Segelflug die niedrigeren Höhenbereiche mit Turbulenzen.
    Stark vereinfachte schematische Darstellung: Je intensiver die rote Schraffierung (oberhalb des roten Balkens), desto stärker ist die Turbulenz. Zunehmende Stärke der grünen Signatur stellt die Abnahme der Turbulenzen mit Übergang zur laminaren Strömung (blaue Pfeile) dar.
    Aus dem gleichen Grund – nicht nur wegen der höheren elektrischen Leistung in größerer Höhe – wollen WEA-Investoren größere Nabenhöhen gerade über Waldgebieten. Die hohe Rauigkeit der Wipfelebene erfordert einen relativ höheren Abstand der Nabe zu dieser als über „glatterem“ Offenland. (LINKE, 2008, mündlich, HEIER, 2012). Denn die starken Druckschwankungen (Sog und Druck) in den tieferen Luftströmungen belasten Material und Konstruktion in hohem Maße.
    Hier ist folgender Einwand naheliegend: Warum meiden Großvögel beim Aufstieg nahe vor/über dem Wald nicht die dortigen z. T. starken Turbulenzen, wenn sie andererseits bei (Distanz-)Flügen über den Wald hinweg auch schwächeren Turbulenzen nach oben ausweichen? Im ersten Fall überwiegen die Vorteile des Energie sparenden Aufstiegs bzw. Segelflugs im besonders günstigen Jagdhabitat Waldrand-Offenland bzw. die Erleichterung von Revier- und Balzflügen klar die Nachteile. Zudem kann stärkeren Turbulenzen auch etwas ausgewichen werden. Bei einem längeren Flug über den Wald hätte ein Vogel im Turbulenzbereich nur lang einwirkende Nachteile, aber in höheren, stärkeren Luftströmungen hat er nur Vorteile (Profilwirkung).

Auch die häufig gewählten WEA-Standorte im Bereich von Waldrändern erhöhen das Kollisionsrisiko für Großvögel erheblich:

  • Am Waldrand und im Kronenbereich dahinter staut sich die anströmende Luft und nachfolgende Strömungen müssen über dieses „Luftpolster“ hinweg nach oben gleiten. Dieser Effekt wirkt bis etwa zur dreifachen Höhe der Waldkante, bei z. B. 30 m Wipfelhöhe bis ca. 90 m - damit bis in den unteren Bereich auch sehr großer WEA (eigene Beobachtungen, G. HONOLD jun., mündlich, 2012). Dazu: siehe Abb. 13.
  • Großvögel benutzen gerne diese lokalen Aufwärtsströmungen für Balz- und Revierflüge, als Energie sparende Aufstiegsmöglichkeit für nachfolgende Distanzflüge und besonders gern für Kraft sparenden Segel-Suchflug: denn im Übergangsbereich Wald-Offenland sind meist auch die besten Nahrungshabitate.
  • Waldränder mit stark gekrümmten Linien (Einbuchtungen, Vorsprünge u. ä.) können aus sehr unterschiedlichen Windrichtungen Aufwinde erzeugen und haben daher besonders hohe Attraktivität für (jagende) Großvögel. Dazu: siehe Abb. 14, 15 und 16.

Abbildung 14.
Abbildung 14.

Abbildung 15.
Abbildung 15.

Legende zu den Abbildungen 14 und 15: Ausschnitt TK 1 : 25.000; Luftbild 1 : 12.500

  • Waldränder sind auch wegen der Grenze zwischen verschiedenen Lebensraum-Typen besonders ergiebige Nahrungshabitate insbesondere für Greifvögel. Bläst der Wind auf die Waldkante, dann fallen günstige Bedingungen für den Segelflug und für das Nahrungsangebot zusammen: besonders hohe Attraktivität für Suchflugjäger wie Milane.
  • Die Bereiche ca. 50 – 70 m vor und nach dem Waldrand sind daher besonders kritische WEA-Standorte.
    Die Anziehungskraft von Waldrandbereichen wird noch erheblich gesteigert, wenn die Waldränder starke Richtungsänderungen in Form von Einbuchtungen, schmalen Vorsprüngen u. ä. aufweisen, dadurch wird
  • der als Nahrungshabitat (Jagdgebiet) besonders ergiebige Grenzbereich Wald/Offenland wesentlich länger und
  • Wind aus sehr unterschiedlichen Richtungen führt zu sehr günstigen Bedingungen für Suchflugjäger. Auch als Horststandorte sind vielgestaltige Waldränder besonders bevorzugt.
  • Wichtig ist noch folgende Beobachtung: Auch Ansitzjäger wie Mäuse-bussarde benutzen bei ihren besonders ausgiebigen Revier- und Balzflügen gern Waldränder oder/und Hangbereiche als Aufstiegshilfen, ähnlich auch Wespenbussarde. Baumfalken jagen im Waldrandbereich, vor allem um den Horst, besonders häufig und ausgiebig auf Insekten, sie gelangen dabei in alle Höhenbereiche bis ca. 250 m und damit auch in den Risikobereich von WEA-Rotoren. Die vielen Hin- und Herbewegungen beim Insektenjagdflug erhöhen das Kollisionsrisiko.

Abbildung 16.
Abbildung 16.

Zukunftsaspekt:

Die stetig weiter zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft verschlechtert die Nahrungsbedingungen gerade für Suchflugjäger wie Milane und Weihen immer gravierender: Einerseits geht die Zahl der Beutetiere durch Verlust von Grünland, Hecken und Feldrainen zurück. Andererseits wird die Erreichbarkeit der Nahrung immer mehr erschwert durch Zunahme der Flächen mit hochwachsenden Kulturpflanzen, insbesondere von „Energiepflanzen“ wie Mais und Raps. Gerade zur Zeit des höchsten Nahrungsbedarfs für eine Rotmilan-Familie ab Ende Mai bis Ende Juli sind große Landschaftsteile für den Nahrungserwerb gleichsam versiegelt. Die Bilanz zwischen Energieverbrauch beim Jagdflug und Energiegewinn bei der Nahrungsaufnahme wird immer kritischer, je weiter bzw. zeitlich länger die Suchflüge werden müssen. In der Folge werden Geländeerhebungen und Waldränder noch wichtiger und attraktiver wegen ihrer günstigen Bedingungen für den Energie sparenden Segelflug.

FAZIT:

Der landwirtschaftliche Strukturwandel, ohnehin ein entscheidender Faktor für den Rückgang der Rotmilanpopulation, nimmt zusammen mit dem weiteren Ausbau der Windkraft Milane u. a. größere Vögel gleichsam „in die Zange“. Dabei ist das Problem noch ziemlich im Anfangsstadium: Ende 2013 waren „onshore“ 24.008 WEA mit 33.658 MW Gesamtleistung in Deutschland im Betrieb7). Nach Vorgaben der Bundesregierung (u. a. BMU, 2012) sollen bis 2050 ca. 78.500 MW Nennleistung durch WEA an Land (insgesamt „on- und offshore“ ca. 85.000 MW) installiert werden.

Dillingen, Dezember 2014
Reimut Kayser



Nachtrag der Redaktion:

Die in Abbildung 13 dargestellte Form der Windströmung nennt sich Logarithmisches Windprofil. Der mathematische Hintergrund dazu ist bei Wikipedia dargestellt.




Schleiereulenmonitoring des LfU Bayern

07.11.2016

In Bayern erfolgt derzeit die Implementierung des Monitoringprogramms der seltenen Brutvögel (kurz: MsB). In diesen sollen alle Arten „abdeckt“ werden, welche nicht durch das bekannte Programm des Monitorings häufiger Brutvögel (MhB), aufgrund von zum Beispiel Seltenheit oder spezieller Lebensraumansprüche, erfasst werden können. Auch die Schleiereule gehört zu diesen Arten.

In einem ersten Schritt versucht nun das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) alle brutrelevanten Daten Bayerns zusammenzustellen, um einen Überblick hinsichtlich der Entwicklung des Bestandes und Verbreitung aus allen Regionen zu erhalten. Die Daten sollen gesammelt und allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden, sodass die eigenen Daten einer bestimmten Region besser interpretiert und eingeordnet werden können.

In einem zweiten Schritt sollen aus den zusammengestellten Daten bestimmte Projektgebiete (z.B. Landkreise) in verschiedenen Regierungsbezirken Bayerns ausgewählt werden, in denen ein dauerhaftes jährliches Schleiereulen-Monitoring eingerichtet werden soll. Diese sind zum jetzigen Stand noch völlig offen.

Aktuell erfolgt die Zusammenstellung der brutrelevanten Daten, wobei wir auf Ihre Mithilfe angewiesen sind. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Ihre Daten zur Verfügung stellen könnten. (Natürlich kann dies auch über einen Datenankauf abgewickelt werden.)

Kontakt: Sebastian Biele (LfU Bayern)




Waldkauz (Strix aluco) – Bericht über die Aktivitäten der Groupe Broyard de Recherches Ornithologiques 2015

Chouette hulotte (Strix aluco) – Rapport d’activité 2015 du Groupe Broyard de Recherches Ornithologiques

03.11.2016

Bericht in französischer Sprache

1) Quelle: Jahresberichte der Ornithologischen Arbeitsgemeinschft (OAG) des Vereins für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis e.V. (VNV)
2) Victor Wendland entwarf damals auch mit seinem Freund Erich Engel den einer natürlichen Baumhöhle nachempfundenen Nistkasten für Waldkauze. S. Abb. auf der letzten Seite
3) aus: Wendland, V. (1975): Dreijähriger Rhythmus im Bestandswechsel der Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis Melchior).
4) Regel 1: Die Größe der Populationen von Räuber und Beute schwanken bei konstanten Bedingungen periodisch. Dabei folgt das Maximum der Räuberpopulation auf das Maximum der Beutepopulation.
Regel 2: Die Populationsgrößen beider Einzelpopulationen schwanken konstant um einen festen Mittelwert.
Regel 3: Werden Räuber-, als auch Beutepopulation gleichermaßen in ihrer Populationsgröße dezimiert, so erholt sich die Beutepopulation stets schneller als die Räuberpopulation.
Zuletzt geändert: 2018/04/05 16:41
Driven by DokuWiki Recent changes RSS feed