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Nach dem für die Dresdner Eulen überaus erfolgreichen Brutjahr 2017 hatten wir schon mit einem deutlichen Rückgang gerechnet. Schließlich ist ja bekannt, dass die Bruterfolge der Beutegreifer mit der Gradation und Degradation der Mäusepopulationen korreliert. Möglicherweise setzte die trockene Kälte im März den Mäusen aber zusätzlich zu. Der Einbruch der Reproduktionsrate bei den Waldkäuzen war dieses Jahr besonders extrem.
Die Balz der Waldkäuze Anfang des Jahres verlief völlig normal. Die meisten der bekannten Reviere waren besetzt. Bei unserer jährlichen Kontrolle im Großen Garten fanden wir im Januar nicht nur alle acht Reviere besetzt, sondern auch noch „überschüssige“ Vögel. Noch bis März nahmen wir an, dass um die Junge Garde und im Botanischen Garten zusätzliche Paare ein Revier begründet hatten. Doch wir forschten bis Ende April vergeblich nach Ästlingen im Großen Garten. Erst am 28.04. fand Frau Böttinger an der Zoowiese (R VII) und an der Südallee in einer bisher völlig unbekannten Höhle (R VI, Abb.1) Waldkauznachwuchs. Es waren je vier Jungvögel am Ausfliegen, von denen sieben auch durchkamen. Leider fanden wir trotz zahlloser Kontrollgänge keine weiteren Bruten!
Auch im übrigen Stadtgebiet sah es nicht anders aus. Die meisten der kontrollierten Waldkauzreviere (183) waren besetzt, aber wir konnten kaum Nachwuchs entdecken. Während wir 2017 einen Rekord von 82 Brutnachweisen registrierten (gegenüber dem Bericht 2017 erhöhte sich die Anzahl durch Nachmeldungen im Rahmen der laufenden Brutvogelkartierung noch um sechs), kamen wir 2018 trotz intensiver Suche nur auf zehn Bruten. Dabei entfielen auf die Dresdner Heide mit 60 Revieren auch nur drei. Ganz auffällig war, dass im Stadtgebiet in der Balzzeit an mindestens zehn Orten, an denen bislang kein Revier festgemacht werden konnte, und auch in jahrelang nicht besetzten Revieren Waldkäuze balzten (Gruna, Strehlen, Mockritz, Johannstadt, Pirnaische Vorstadt, Prohlis, Leubnitz-Neuostra, Striesen, Plauen).
Möglicherweise hatte der besonders gute Bruterfolg 2017 dazu geführt.
Die Zahl der im Stadtgebiet entdeckten Brutenlag bei 25. Das ist zwar auch deutlich weniger als 42 Brutnachweise im Rekordjahr 2017, entspricht aber dem Mittel über viele Jahre. Es ist das erste mal, dass es mehr Waldohreulenbruten gab als Waldkauzbruten!
Die erste Brut wurde wie bei den Waldkäuzen auch viel später gefunden als in anderen Jahren nämlich erst Ende Mai. Schwerpunkte der Ästlingsfunde waren wieder die Verbreitungs Cluster Zschieren-Kleinzschachwitz-Meußlitz und Cossebaude-Gohlis.
Überraschungen gab es mit Brutnachweisen in Gittersee, Pieschen, Trachenberge und Oberloschwitz. In der Dresdner Heide wurden wiederum gar keine Bruten entdeckt.
Es gab aber auch Orte, an denen im Februar/März Balzrufe zu hören waren, aber leider im Juni/Juli keine Ästlinge bettelten (unterschiedliche Stellen in Laubegast: Lehnert, Fabian, Pürschel; Gruna: Haufe; Bühlau am Heiderand: Stutzriemer).
Auch im Winter 2017/2018 vor der Brutsaison fanden wir vier Sammelschlafplätze im Stadtgebiet von Dresden: in Zschieren, in Leubnitz-Neuostra, in Weixdorf und in Schullwitz. Durch gemeinsame Abflug-Zählungen in der Dämmerstunde ermittelten wir maximal elf, sechs, fünf bzw. zehn Eulen. Das ist wenig gegenüber den Ansammlungen in früheren Jahren. Es gab aber auch den ganzen Winter über Tageseinstände mit nur einer oder auch zwei Vögeln (Johannstadt, Bühlau). Möglicherweise korrelliert die Zahl der gemeinsam übertagenden Eulen mit der „Strenge“ des Winters (Schneemenge, Kälte).
Der Bestand des Sperlingskauzes in der Dresdner Heide ist konstant geblieben. Die durch Andreas Knoll organisierten Synchronbegehungen ergaben zur Herbstbalz 2017 ca. 20 besetzte Reviere und zur Frühjahrsbalz 2018 noch sieben. Die Suche nach Brutplätzen dieser kleinen Eule ist aufwendig und blieb auch dieses Jahr auf einige wenige Reviere beschränkt. Wir fanden insgesamt drei besetzte Bruthöhlen. Im Steingründchen flogen drei Junge aus (die Reste zweier weiterer Nestlinge fanden sich als Rupfung unter der Höhle; Brutkannibalismus) und an Schneise 5 konnte nur ein Ästling festgestellt werden. Am Reichsapfel konnte leider zur Ästlingszeit nicht mehr kontrolliert werden.
Ein Rauhfußkauz wurde jeweils nur einmal an unterschiedlichen Stellen in der Dresdner Heide an der Alten Acht im Frühjahr verhört. Alle späteren Kontrollen blieben erfolglos.
Obwohl Schleiereulen westlich von Dresden im Kreis Meißen wieder erfolgreich waren, wurde in Dresden auch 2018 keine Brut entdeckt. Im April 2018 wurde aber ihr Kreischen mehrere Nächte am Stresemannplatz in Striesen verhört (Düsterhöft).
Eine Sumpfohreule konnte F. Grunicke am 04.05.2018 an der Elbe im Ostragehege beobachten.
Der Uhu war ganz bestimmt auch dieses Jahr hin und wieder als Nahrungsgast im Stadtgebiet. Im November 2017 wurde bei Baumpflegearbeiten ein von Krähen gehasstes Exemplar im Großen Garten gesehen (Information über F. Bittrich) und ein großes Uhugewölle fand sich im Frühjahr nahe dem Zoo am Kaitzbach.
Am 20.01.2018 wurde in den frühen Morgenstunden ein Uhu auf der MüllDeponie, Fa. AMAND in Lockwitz bei der Jagd auf Tauben in der Sortierhalle gesehen. Es war dort nicht der erste Besuch (vgl. Abb.4).
Es laufen in Dresden weiter Bemühungen, die Wiederansiedlung des Steinkauzes, dessen Vorkommen auf dem Gebiet der neuen Bundesländer völlig erloschen waren, zu befördern. Seit 2017 läuft das EU-Projekt „Athene“ am Umweltzentrum Dresden, das sich vorrangig mit der Habitats-Analyse und -Verbesserung im Elbtal vom Elbsandsteingebirge bis Dresden befasst. Dabei wird auf Neubesiedlung durch Einwanderung der Art aus Tschechien gesetzt.
Im Stadtgebiet von Dresden sind wir seit 2016 - unterstützt durch die UNB und in Absprache mit dem SMULG - dabei, die Wiederansiedlung durch Auswilderung zu befördern. Es erfolgten zunächst die Bewertung der möglichen Habitate und die Anbringung von Brutröhren in den vorgesehenen Streuobstwiesen durch die UNB. Als Projekt-Koordinator engagiert sich Rajko Dankhoff. Die Züchter um Herrn Zimmer hatten 2018 wieder mit 15 Jungtieren einen guten Bruterfolg. Es wurde aber beschlossen, noch nicht auszuwildern, sonder zunächst den Züchterpool zu erweitern. 2018 wurden außerdem Kontakte zu Auswilderungs-Projekten in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen geknüpft mit dem Ziel, Erfahrungen bei der Auswilderung zu übernehmen und Zuchttiere auszutauschen. Eine Wiederansiedlung allein durch Zuwanderung gelang zwar im Thüringer Grabfeld, ist aber für Sachsen eher unwahrscheinlich, da auch die polnischen Vorkommen nahezu erloschen sind.
Ich danke allen „Eulen-Helfern“ der Stadt für die Übermittlung von Beobachtungen und der UNB und dem KNB für die gute Zusammenarbeit
Dresden, den 01.11.2018
Dr. rer.nat. Klaus Fabian
Windkraft und Vögel
„Data Science vs. fake“
Der TV-Sender ARTE hat sich zum Ziel gesetzt, „fake news“ zu bekämpfen, also die Verbreitung von falschen Informationen, wie sie v.a. in den „Sozialen Netzwerken“ zu finden sind. Dazu produziert ARTE 3-Minuten Filme, die Irrtümern entgegenwirken sollen. Die Absicht ist lobenswert; die Umsetzung jedoch leider misslungen.
Ein Beispiel ist ein Kurzfilm zur Frage, ob Windräder zu einem „vermehrten Vogelsterben“ führen (eine verunglückte Übersetzung von „surmortalité des oiseaux“). Es gibt zahlreiche Studien die differenziert belegen, welche Vogelarten durch Anflug an Windräder betroffen sind, teils bis zur Bestandsgefährdung (z.B. Thelander & Smallwood 2007, Smallwood & Thelander 2008, Schaub 2012, Bellebaum et al. 2013). So gibt die Datei der Vogelschutzwarte Brandenburg (Dürr 2018) mit >3.500 dokumentierten Todesfällen allein aus Deutschland (plus >10.000 aus anderen Ländern) und die kritische Quellen-Sammlung zu Windradopfern (Langgemach & Dürr 2018) wichtige Einblicke und Grundlagen für weitere Recherchen.
Es gibt also seriöse Informationsquellen zum Thema Windkraft und Vögel, die über das Internet zugänglich sind. ARTEs Autoren ignorieren all dies und konstruieren ihren Film um eine einzige Datensammlung aus Frankreich (LPO 2017), die zudem teilweise falsch oder unvollständig zitiert wird. So wird verschwiegen, dass der gefährdete Rötelfalke eine im Vergleich zum Bestand (Issa & Muller 2015: 332 Brutpaare) kritisch hohe Zahl von Windradopfern verzeichnet (23, lt. LPO 2017). Auch der Steinadler wurde in einer Studie als Opfer nachgewiesen (Itty & Duriez 2018); in der Liste der LPO fehlt die Art.
Die Datenbasis der LPO-Studie mit nur 1.102 registrierten Windkraftopfern aus fast 20 Jahren (1997-2014; nicht aus einem Jahr, wie ARTE behauptet) ist sehr inhomogen und genügt insgesamt wohl kaum wissenschaftlichen Ansprüchen. ARTE scheint dies nicht zu stören.
ARTEs Fazit: ein „vermehrtes Vogelsterben“ durch Windkraft gebe es nicht.
Unser Fazit: von einer seriösen Recherche kann bei diesem Film keine Rede sein. Eine differenzierte Beurteilung der Problematik versucht ARTE gar nicht erst. ARTE bedient sich dabei genau jener Methoden, die für „fake news“ typisch sind:
Der Film gegen „fake news“ wird damit selbst zu „fake news“. Andere ARTE-Filme aus derselben Serie sind ähnlich oberflächlich produziert. Dem Kampf gegen „fake news“ erweist ARTE damit einen Bärendienst. Es wäre besser, diese Filme ins Archiv zu verbannen.
ARTE (2018): Die Windräder verursachen ein vermehrtes Vogelsterben? / Les Éoliennes sont responsables de la surmortalité des oiseaux.
https://www.arte.tv/de/videos/081077-001-A/data-science-vs-fake/ (deutsche Version)
https://www.arte.tv/de/videos/RC-016740/data-science-vs-fake/
https://www.arte.tv/fr/videos/081077-001-A/data-science-vs-fake/ (französische Version)
https://www.arte.tv/fr/videos/RC-016740/data-science-vs-fake/
Bellebaum, J., Korner-Nievergelt, F., Dürr, T., Mammen, U. (2013): Wind turbine fatalities approach a level of concern in a raptor population. - J. Nature Conservation 21: 394-400
https://docs.wind-watch.org/bellebaum2013.pdf
Dürr, T. (2018): Vogelverluste an Windenergieanlagen in Deutschland. Daten aus der zentralen Fundkartei der Staatlichen Vogelschutzwarte im Landesumweltamt Brandenburg. Stand 19.3.2008.
https://lfu.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.312579.de
Issa, N., Muller, Y. (2015): Atlas des oiseaux de France métropolitaine. Nidification et présence hivernale.- Vol. 1., Delachaux et Niestle, Paris
Itty, C., Duriez, O. (2018): Le suivi par GPS, une méthode efficace pour évaluer l'impact des parcs éoliens sur des espèces à fort enjeux de conservation: l'exemple de l'Aigle royal (Aquila chrysaetos) dans le sud du massif central.- Actes du Séminaire Eolien et Biodiversité – Artigues-près-Bordeaux
https://eolien-biodiversite.com/IMG/pdf/itty-c_seb2017_.pdf
Langgemach, T., Dürr, T.(2018): Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel. - Stand 19. März 2018
https://lfu.brandenburg.de/media_fast/4055/vsw_dokwind_voegel.pdf
LPO (2017): Le parc éolien français et ses impacts sur l’avifaune. Etude des suivis de mortalité réalisés en France de 1997 à 2015.- Juin 2017 – Actualisé en septembre 2017.- 92 S.
https://eolien-biodiversite.com/IMG/pdf/eolien_lpo_2017.pdf
Schaub, M. (2012): Spatial distribution of wind turbines is crucial for the survival of raptor populations.- Biol. Conserv. 155: 111-118
http://www.windland.ch/doku_wind/voegel/Wind_Rotmilan_Sempach_2012.pdf
Smallwood, K.S., Thelander, C.G. (2008): Bird Mortality in the Altamont Pass Wind Resource Area, California.- J. Wildlife Management 72(1): 215–223
https://www.biologicaldiversity.org/campaigns/protecting_birds_of_prey_at_altamont_pass/pdfs/Smallwood_2008-Altamont_mortality_estimates.pdf
Thelander, C.G., Smallwood, K.S. (2007): The Altamont pass wind resource area's effects of birds: A case history.- 25-46 in: de Lucas, M., Janss, G..E., Ferrer, M. (eds.): Birds and wind farms. Risk assessment and mitigation.- Quercus, Madrid
Peter Petermann
peter.petermann@ageulen.de
Vom 18. bis 21. Oktober 2018 veranstaltet der Förderverein für Ökologie und Monitoring von Greifvogel- und Eulenarten e.V. gemeinsam mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen e.V. (AG Eulen) das 9. Internationale Symposium „Populationsökologie von Greifvogel- und Eulenarten“ in Halberstadt.
Aus Eulen-Rundblick 68:
von Wilhelm Breuer
Der Beitrag ist Dipl.-Theol. Jürgen Franz Selke-Witzel gewidmet, früherer Diözesanreferent für Umweltschutz und Nachhaltigkeit des Bistums Hildesheim.
In den ersten fünf Monaten des Jahres 2017 blieb es weitgehend still um die Uhus am Hildesheimer Dom. Sie schienen erstmals seit 2014 verschwunden zu sein. Jedenfalls gab es keine Anzeichen für eine Brut im Westwerk des Domes, wo in den Jahren 2014, 2015 und 2016 Uhus gebrütet hatten (s. Breuer 2015a, 2015b, 2016). Die Bruten waren bis auf die Brut im Jahr 2016 erfolgreich verlaufen.
Dann aber fand der Hausmeister des Domes, Herr Ossenkopp, am Morgen des 01.06.2017 einen etwa sechs Wochen alten Jungvogel im Kreuzgang des Domes. Rasch stellte sich heraus: Die Uhus haben doch gebrütet, allerdings nicht im Westwerk, sondern im Ende 2014 über dem im Kreuzgang des Domes in einer Dachgaube eingerichteten Uhunistkasten, in dem am 01.06.2017 weitere zwei junge Uhus und das Uhuweibchen entdeckt wurden. Der Kreuzgang schließt im Osten an den Dom an. „Einfach woanders gebrütet: Uhus tricksen Bistum aus“, titelt die Hildesheimer Allgemeine Zeitung wenige Tage später.
In den Vorjahren hatten die Uhus diesen Kasten nicht bezogen. Deswegen konzentrierten sich die Kontrollen der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) im Januar, Februar und März 2017 auf das Westwerk. Der Kasten im nur tagsüber geöffneten Kreuzgang wurde nicht kontrolliert, galt als von Tauben belegt und hatte deswegen eigentlich geschlossen werden sollen. Zuvor waren die kleine Plattform vor dem Kasten und eine zusätzliche Sitzhilfe auf der Dachschräge unterhalb des Kastens entfernt worden. Beide Bauteile waren angebracht worden, um - im Falle einer Brut - jungen Uhus den Aus- und Wiedereinstieg in den Nistkasten zu erleichtern und sie zu animieren, länger in der Sicherheit des Brutplatzes zu bleiben und nicht vorzeitig in den Kreuzgang zu springen.
Infanteristenphase im Kreuzgang
Die drei Uhus müssen um den 16.04.2017 (Ostersonntag) geschlüpft sein. Der Brutbeginn dürfte somit um den 12.03.2017 gelegen haben. Nach dem ersten am 01.06. ist der zweite am 04.06. (Pfingstsonntag) und der dritte Jungvogel am 07.06.2017 im Kreuzgang des Domes gelandet. Der doppelstöckige Kreuzgang ist von hohen Gebäuden umgeben. Uhus können das umbaute Geviert nur verlassen, wenn sie einigermaßen fliegen können.
Aus der Sorge heraus, die Uhus könnten durch die beiden Zugänge aus dem Kreuzgang in das Dominnere gelangen, wurden an den betreffenden Türen Schilder mit der Aufschrift angebracht „Türen bitte schließen. Junguhus sollen nicht entwischen“. Weil sich nicht alle Besucher daran hielten, wurde der Schließmechanismus der Türen auf Initiative von Alexander Ottersbach so eingestellt, dass diese nach Öffnung von selbst zufallen. Architekt Alexander Ottersbach hatte die Sanierung von Dom und Kreuzgang über Jahre geleitet und war erstmals 2014 mit den Uhus am Dom in Berührung gekommen.
Am 17.06.2017 hat Armin Kreusel die drei Jungvögel mit Ringen der Vogelwarte Helgoland gekennzeichnet. Die Ringe tragen die Aufschrift A1628, A1629 und A1630. Die beiden älteren Uhus scheinen Weibchen, der jüngere ein Männchen zu sein.
Grund zur Sorge gab auch das Taubenabwehrnetz aus Nylonfäden, mit dem die Öffnungen im oberen Stockwerk des zweistöckigen Kreuzganges versehen sind. Es war zu erwarten, dass diese Öffnungen Ziel erster Flugversuche der Uhus sein würden. Nachweislich ist mindestens ein Uhu in diese Netze geraten, ohne sich aber darin zu verfangen. Die Beringung der Uhus wurde als ein zusätzliches Risiko für ein Verfangen gesehen, dieses Risiko aber eingegangen.
Der Kreuzgang ist für Besucher zwischen 10 und 18 Uhr, für Gottesdienstbesucher ab 7 Uhr und bis 19:30 Uhr zugänglich. In der übrigen Zeit gehörte der Kreuzgang gewissermaßen allein den Uhus.
Während der ersten Tage im Kreuzgang hielten sich die jungen Uhus, offenkundig auf ihre Tarnung vertrauend, weitgehend regungslos unmittelbar auf den niedrigen Begrenzungsmauern der umlaufenden Gänge auf, wo sie auf dem Sandsteinuntergrund von den meisten Besuchern gar nicht bemerkt wurden. Im weiteren Verlauf ihres Aufenthaltes versteckten sich die jungen Uhus in der niedrigen Vegetation des Kreuzganges (vor allem im Farn an den Mauern der Annenkapelle in der Mitte des Kreuzganges) und zwischen dem Wurzelstock der legendären 1.000-jährigen Rose und der dahinterliegenden verglasten Fensteröffnung der Domapsis, wo die Uhus (zumeist alle drei) für Besucher zwar sichtbar, aber unerreichbar waren. Durch diese Öffnung waren die Uhus auch aus der Domkrypta heraus zu sehen, was die Uhus aber nicht bemerkten. Diese Stelle ist nur einen Meter von der Gründungsreliquie des Domes entfernt und insofern der historisch bemerkenswerteste Ort des Domes.
Nach der abendlichen Schließung des Kreuzganges verließen die jungen Uhus zumeist rasch die Verstecke und richteten die Blicke auf die Öffnung in der Dachschräge, wo sich das Weibchen aufhielt. Die Überreste von Tauben und Igeln sowie im Kreuzgang verteilte Gewölle der Jungvögel belegten das nächtliche Treiben. Die freistehenden Grabsteine im Kreuzgang waren bald Landeplätze bei Flugübungen; die höher gelegenen Fensteröffnungen des Domes zum Kreuzgang später Tagesruheplätze.
Der Hildesheimer Dom ist Weltkulturerbe. Nach der Sanierung des Domes und der Annexgebäude zum 1.200-jährigen Domjubiläum 2014 kommen täglich bis zu einige hundert Besucher in den Kreuzgang. Der Aufenthalt der jungen Uhus im Kreuzgang in der ersten Junihälfte 2017 fiel zudem mit der Blüte des legendären Rosenstocks zusammen, die ein Besuchermagnet ist. Mit Bekanntwerden des Aufenthalts der Uhus standen auch sie im Mittelpunkt des Interesses. Die Uhus haben den Andrang ohne erkennbare Schäden überstanden. Dass die Uhus auf die Besucher panisch reagiert hätten, wurde nicht beobachtet.
Während des Aufenthalts der Uhus im Kreuzgang informierte ein Flyer mit Verhaltensregeln die Besucher über die Situation. Den Text des Flyers hatte das Bistum Hildesheim mit der EGE abgestimmt. Zugleich hatten mit den Uhus am Dom vertraute Personen einen kritischen Blick auf die Vorgänge im Kreuzgang. Die meisten Besucher verhielten sich rücksichtsvoll; nur in Einzelfällen mussten Personen ausdrücklich um Zurückhaltung gebeten werden.
Der Aufenthalt der jungen Uhus im Kreuzgang war für hunderte Menschen, insbesondere Kinder, über fast sechs Wochen ein besonderes Naturerlebnis und eine kleine Sensation. Keine anderen freilebenden Uhus dürften jemals so oft fotografiert worden sein. Insbesondere an den Wochenenden war der Verfasser am Ort, um die Besucher über die Uhus zu informieren und Fragen zu beantworten. Viele Besucher staunten über die Größe der jungen Uhus. Manche Besucher kamen nur der Uhus wegen, manche fast täglich oder gar mehrfach täglich in den Kreuzgang. Die Hildesheimer Zeitung, die Kirchenzeitung und das Bistum Hildesheim berichteten über die Uhus. Der emeritierte Weihbischof Hans-Georg Koitz, der sich bereits in den Vorjahren für den Schutz der Uhus am Dom eingesetzt hatte, wurde nach der Hl. Messe mit Messgewand, Mitra und Bischofsstab im Kreuzgang bei den Uhus gesehen, wie er sie einer Schar Kinder erklärte. Auch Bischof Norbert Trelle, Domdechant Weihbischof Heinz-Günter Bongartz und andere Mitglieder des Domkapitels sahen im Kreuzgang immer wieder - auch mit einem kritischen Blick auf die Taubennetze - nach den Uhus. Der in etwa 25 m Höhe gelegene Brutplatz im Westwerk bietet diese Möglichkeit des unmittelbaren Beobachtens der Uhus nicht. Verlassen die jungen Uhus das Westwerk, entfernen sie sich rasch vom Dom, und es besteht kaum mehr die Chance, sie zu beobachten. Ganz anders ist also die Situation im Kreuzgang.
Ende der Infanteristenphase
Am 01.07.2017 hat der älteste Uhu (A1630 „Mona Lisa“) den Kreuzgang verlassen. Am Nachmittag dieses Tages wurde der Uhu bei strömendem Regen an einer großen Glasfassade unter einem wettergeschützten Gebäudevorsprung in der Nähe des Domes an einem Parkplatz unbeeinträchtigt angetroffen und wenige hundert Meter entfernt in einen mit Bäumen und Sträuchern bestandenen Garten gesetzt, in welchem der Uhu sofort unter dichtem Aufwuchs verschwand. Anzeichen für einen Aufprall an der Glasfassade gab es nicht. Die beiden anderen Jungvögel haben am 10.07. (A1628 „Josephine“) und 14.07.2017 (A1629 „Domenico“) den Kreuzgang verlassen. Zuvor hatte sich der ältere der beiden etwa eine Woche lang gut sichtbar zumindest tagsüber wieder im Nistkasten aufgehalten. Dort hielt sich während des Aufenthalts der Jungvögel im Kreuzgang tagsüber auch das Weibchen auf. Ob der Jungvogel von dort aus Flüge in den Kreuzgang unternommen hat ist nicht bekannt.
Die nur 400 m vom Dom im Turm der evangelischen Andreaskirche brütenden Wanderfalken tauchten zwar immer wieder am Dom und über dem Kreuzgang auf. Schwere Attacken auf die Uhus wurden aber nicht beobachtet. Dies dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass die Uhus im Kreuzgang von Wanderfalken kaum zu entdecken sind.
Von Mitte Juli bis zum 12.08.2017 waren die drei jungen Uhus nach Einbruch der Dunkelheit auf dem bis 23:30 Uhr angestrahlten Vierungsturm des Domes zu hören und zu sehen. Der Vierungsturm ist ein geeignetes Tagesversteck für Uhus und dürfte dazu auch genutzt worden sein. Die Jungvögel wurden mindestens bis zum 12.08.2017 im Kreuzgang (und möglicherweise auch im Vierungsturm) von den Altvögeln mit Nahrung versorgt. Dazu stürzten sich die jungen Uhus gleichsam von der Balustrade des Vierungsturms in den darunter liegenden Kreuzgang. Während dieser vier Wochen unternahmen die jungen Uhus auch kurze Flüge zu anderen Stellen der Dachlandschaft des Domes und auf benachbarte Gebäude und auf den Domhof, kehrten aber immer wieder zum Vierungsturm zurück. Mit dem Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel, dem Weihetag des Domes, am 15.08.2017, ist der Aufenthalt der jungen Uhus am Dom zu einem Abschluss gelangt. Mitte August 2017 haben die jungen Uhus nämlich ihren Standort vom Dom in den westlich gelegenen Bereich zwischen St.-Bernward-Krankenhaus und Roemer- und Pelizaeus- Museum verlagert. Dort befinden sich extensive Rasenflächen und alter Baumbestand. Hier sind die Hauptnahrungshabitate des Uhupaares und das eigentliche Revierzentrum zu vermuten. Beobachtet wurden die drei jungen Uhus im Umfeld des Domes zuletzt im September; ein einzelner auch noch im Oktober 2017. Den Kasten im Westwerk des Domes haben die Uhus während der Jungenaufzucht als Nahrungsdepot genutzt. Der Umweltbeauftragte des Bistums, Jürgen Selke-Witzel, fand dort bei einer Kontrolle eine hinterlegte Taube und eine Bisamratte.
Ausblick
Nach Bekanntwerden der Uhubrut im Kreuzgang haben Bistum und EGE Erfahrungen mit Uhus erstmals an diesem Brutplatz gesammelt. Gebäudebruten von Uhus können grundsätzlich - für Uhus und Menschen - Probleme aufwerfen. Die Ereignisse im Kreuzgang sind aber resümierend betrachtet durchaus positiv zu bewerten sodass keine Gründe ersichtlich sind, die Uhus dort - was artenschutzrechtlich auch nicht ohne weiteres möglich wäre - an einer Brut zu hindern.
Zwar ist in dem vom Bistum eigens für die Uhus erweiterten Brutplatz im Westwerk Raum für Flugübungen, sodass die jungen Uhus nicht unvorbereitet das Westwerk verlassen müssen. Im Kreuzgang dürften die Startbedingungen - trotz der vielen Besucher - für die jungen Uhus aber deutlich günstiger sein. Der Umstand, dass die bereits voll flugfähigen jungen Uhus über Wochen bis Mitte August 2017 am Dom festgehalten haben, spricht ebenfalls dafür. Allerdings wird man abwarten müssen, ob die Uhus dieses auch so sehen.
Das Bistum Hildesheim wird jedenfalls beide Brutplätze offenhalten, den Kasten im Kreuzgang grob reinigen und vielleicht auch die oben erwähnten baulichen Vorrichtungen wieder anbringen lassen. Die Uhus haben also auch 2018 die Wahl. Einen Anschluss für eine Webcam gibt es nicht nur im Westwerk, sondern auch im Kasten im Kreuzgang, sodass auch von dort eine Brut via Webcam beobachtet werden könnte - bis dann, wenn Gott will, wieder Uhus im Kreuzgang landen. Dann sollen die Besucher noch besser informiert und weitere Vorkehrungen für eine störungsarme Infanteristenphase getroffen werden. Das seit 2014 am Dom entstandene Netzwerk Uhu-erfahrener Personen ist dabei von großem Nutzen.
Natürlich ist die Frage erlaubt, ob die Uhus am Dom diesen Aufwand wert sind und die Aufmerksamkeit gerechtfertigt ist. Anderen Uhus in Deutschland wird eine solche Sorge nicht zuteil. Uhus, die an einem vielbesuchten Ort wie dem Hildesheimer Dom brüten, bieten jedoch gute Voraussetzungen für die Vermittlung des Anliegens des Naturschutzes (auch für die Abgrenzung von problematischer Vermenschlichung und falschverstandener Tierliebe), für Initiativen für mehr Natur im Siedlungsbereich und für die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Naturschutz. Insoweit verbindet sich mit den Uhus am Dom auch ein Bildungsauftrag. Um die Uhus herum ist insbesondere auf Initiative des Umweltbeauftragten des Bistums ein breites Netzwerk von Personen entstanden, die sich in kurzer Zeit große Kenntnisse angeeignet haben und beste Voraussetzungen bieten, dass eine Uhubrut am Dom auch 2018 erfolgreich verlaufen kann.
Dank
Die drei Hildesheimer Domuhus haben Paten gefunden: Joachim Achtzehn, Angelika Krueger und Tarek Abu Ajamieh. Sie haben sich in besonderer Weise für den Schutz der Uhus eingesetzt. Die EGE dankte diesen Personen deshalb mit einer Ehrenpatenschaft: Herrn Achtzehn und Frau Krueger für umfangreiche Beobachtungen und Berichte, die sie an den Verfasser in Hannover gerichtet haben, sodass dieser immer auf dem Laufenden war, ohne selbst am Ort sein zu müssen. Herrn Abu Ajamieh für die umfassende Information der Leser der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Die Beobachtung der Uhus war auch deshalb wichtig, damit bei Anzeichen einer Verletzung, Erkrankung oder einem Verfangen in den Taubennetzen rasch hätte gehandelt werden können.
Die EGE dankt zudem allen Menschen am Dom, insbesondere dem Domdechanten Weihbischof Heinz-Günter Bongartz, dem Umweltbeauftragten des Bistums Jürgen Selke-Witzel, Herrn Edmund Deppe von der Kirchenzeitung sowie den Domküstern Herrn Körner, Herrn Musiol und Herrn Raulfs, den Hausmeistern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Dommuseums.
Zusammenfassung
2017 brüteten wie bereits in den Jahren 2014, 2015 und 2016 Uhus am Hildesheimer Dom. 2017 fand die Brut Eulen-Rundblick Nr. 68 – August 2018 erstmals nicht im Westwerk, sondern in einer 2014 eigens als Uhubrutplatz eingerichteten Dachgaube über dem doppelstöckigen Kreuzgang statt. Die Brut wurde erst entdeckt, als der erste der drei Jungvögel am 01.06.2017 in Alter von etwa sechs Wochen im von hohen Gebäuden umschlossenen Kreuzgang auftauchte. Dort verbrachten die jungen Uhus die Infanteristenphase und blieben danach noch bis Mitte August im Kreuzgang bzw. am Dom. Trotz hoher Besucherzahlen im Kreuzgang verlief die Zeit für Uhus und Besucher weitgehend problemfrei. Die Gründe für den Brutplatzwechsel sind unklar; aus menschlicher Sicht hat sich der Wechsel nicht als nachteilig erwiesen.
Literatur:
Breuer W 2015a: Brut des Uhus Bubo bubo am Hildesheimer Dom. Eulen-Rundblick 65: 9-11
Breuer W 2015b: Uhus am Hildesheimer Dom. Die großen Eulen entdecken die Stadt. Nationalpark 2/2015: 18-21
Breuer W 2016: Die Uhus am Hildesheimer Dom im Jahr 2015. Eulen-Rundblick 66: 41-42
Aus Eulen-Rundblick 68:
von Frank Rau
Die Uhus blieben auch 2017 in Baden-Württemberg weiter auf Expansionskurs und erreichten - nach dem letztjährigen Bestandsrückgang - ein neues absolutes Populationsmaximum. Die Ergebnisse des von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) durchgeführten, flächendeckenden Monitorings in Baden-Württemberg (siehe dazu Rau2017) beleuchten einen hochgradig dynamischen Prozess mit enormen interannuellen Fluktuationen und markanten regionalen Differenzierungen, dessen Ende bislang noch nicht absehbar ist. Aber es überwiegt nicht nur die Begeisterung über diese erfolgreiche Wiederausbreitung einer ehemals ausgerotteten Art, sondern das verstärkte Auftreten dieses Spitzenprädators ruft bereits wieder die ersten „Regulierer“ auf den Plan.
Die Brutsaison 2017
Nachdem in den zurückliegenden Jahren immer wieder die Witterung eine durchaus entscheidende Rolle im Verlauf der Brutzyklen von Wanderfalken und Uhus spielte oder zumindest zu spielen schien, so war die Brutsaison 2017 durch einen hinsichtlich der Temperaturen eher normalen, aber außergewöhnlich trockenen und sehr sonnenscheinreichen Winter und ein sich anschließendes, tendenziell zu warmes Frühjahr mit wechselnden, teilweise ergiebigen Niederschlägen und trotzdem viel Sonnenschein geprägt (Deutscher Wetterdienst2017). Ein kurzfristiger, aber massiver Kälteeinbruch in der zweiten Aprildekade führte zwar zu massiven Schäden in der Landwirtschaft, verlief dieses Mal aber ohne eine ausgedehnte Schlechtwetterlage mit Schnee- und Regenfällen und blieb weitestgehend ohne Auswirkungen auf das Brutgeschehen. Für die Uhus waren folglich die äußeren Bedingungen ausgesprochen positiv und dies zeigte sich auch landesweit in den Populations- und Reproduktionskennwerten der Brutsaison 2017. Der deutliche Populationsrückgang des Jahres 2016 (Rau 2017) wurde nicht nur wieder ausgeglichen, sondern es wurde mit 224 Revierpaaren und 278 besetzten Revieren ein neues Populationsmaximum in Baden-Württemberg erreicht (Abbildung 1). Dies stellt gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 48 Revierpaare und 43 besetzte Reviere dar, ist aber auch nochmals ein deutlicher Zuwachs um 28 Revierpaare beziehungsweise 36 Reviere im Vergleich mit dem bisherigen Maximaljahr 2015! Landesweit konnten 2017 43 erstmals besiedelte Revierzentren erfasst werden (2016: 25).
Mit dem aktuellen Bestandsanstieg setzen die Uhus in Baden-Württemberg ihre bemerkenswerte Expansion fort. Wie bereits im Vorjahr angemerkt, ist die rezente Populationsdynamik nach wie vor der Wachstums-Phase eines logistischen Wachstumsmodells zuzuordnen, aber die zunehmenden interannuel- len Fluktuationen des Bestands, deren maximale Jahresamplitude bei über ± 50 Revierpaaren pro Jahr lag (Abbildung 2), können als Indiz dafür gewertet werden, dass inzwischen über die reine Bestandsgröße und den Reproduktionserfolg hinaus weitere Faktoren zu wirken beginnen, die fortschreitend regulierend auf die Population einwirken.
Dies lässt sich auch bei der Betrachtung der Reproduktionsergebnisse des Jahres 2017 interpretieren: Gegenüber dem Vorjahr 2016 zeigte sich neben den deutlich angestiegenen Beständen landesweit auch ein markanter Anstieg bei der Zahl der erfolgreichen Bruten von 82 (46,6%) auf 137 (61,2%). Nach dem drastischen Einbruch auf nur noch 165 ausgeflogene Junguhus im Jahr 2016 stieg die Anzahl der flüggen Jungvögel 2017 wieder auf 257. Dies ist aber nach 2015 mit 316 und 2012 mit 287 flüggen Jungvögeln nur der drittstärkste Jahrgang (Abbildung 3). Erstmals in den zurückliegenden 20 Jahren ist also eine Abkopplung des Populationsmaximums von dem zugehörigen Bruterfolg zu beobachten. Eine Ursache hierfür war die gegenüber 2015 deutlich angestiegene Zahl jener Paare, die nicht mit einer Brut begonnen haben (2017: 31,7%, 2015: 15,8%), wohingegen die nachweislich abgebrochenen Bruten bei niedrigen 7,1% nahezu konstant blieben (2015: 7,7%). Demzufolge lag die Erfolgsquote 2017 lediglich bei 61,2% aller Revierpaare gegenüber 76,5% vor 2 Jahren. Auch war die Anzahl der Jungvögel pro erfolgreicher Brut mit 1,88 (2017) sowohl gegenüber 2,04 (2016) als auch 2,11 (2015) gesunken und rangierte deutlich unter dem Maximalwert von 2,36 aus dem Jahr 2012. In der Summe resultiert 2017 eine landesweit recht niedrige Reproduktivität von 1,15 flüggen Jungvögeln pro Revierpaar (2015: 1,61).
Die stärkste Dynamik zeigte sich 2017 im Regierungsbezirk Süd-Württemberg mit der zentralen Schwäbischen Alb und dem Durchbruchstal der Donau. Durchaus erwartungsgemäß waren hierbei maximale Werte zu verzeichnen, wobei gegenüber dem Vorjahr 2016 die Zahl der Revierpaare um 18 und die Zahl der erfolgreichen Bruten sogar um 25 anstieg. Deutlich moderater verlief die Entwicklung in Nord-Württemberg und Süd-Baden, wo sich die Bestände um jeweils 12 und die erfolgreichen Bruten um 15 beziehungsweise 13 erhöhten. Nord-Baden fällt aus diesem Muster etwas heraus, denn der Bestand stieg lediglich um 6 Revierpaare an. Zunahmen zeigten sich deutlich im Bereich der Schwäbischen Alb und im Norden Baden-Württembergs, im Westen und Süden dagegen waren tendenziell überwiegend stabile Verhältnisse und leichte Abnahmen zu verzeichnen. Insgesamt zeigte sich 2017 die Schwäbische Alb noch deutlicher als wesentliches Zentrum der baden-württembergischen Uhupopulation!
Vergleicht man aber die Bestandssituation dieses Jahres mit jener des letzten Maximaljahres 2015, so fällt unmittelbar auf, dass sich die Populationsentwicklung vorrangig im Süden des Landes abgespielt hat: Die Regierungsbezirke Süd-Baden und Süd-Württemberg wuchsen um 14 bzw. 15 Revierpaare, wohingegen die Uhupopulation der nördlichen Landesteile stagnierte oder sogar leicht zurückging.
Der Fortpflanzungserfolg der Uhus lag 2017 in allen 4 Regierungsbezirken deutlich über jenem des Vorjahres. Am drastischsten stieg die Anzahl der ausgeflogenen Junguhus in den östlichen Landesteilen: Um 44 in Süd-Württemberg und um 35 in Nord-Württemberg. Dem gegenüber war der Zuwachs in den westlichen Landesteilen eher verhalten. Es zeigen sich deutliche Zunahmen in den Kernräumen der Population auf der Schwäbischen Alb, im Neckartal und im angrenzenden Odenwald. Dem gegenüber stehen moderate Rückgänge im Westen des Landes.
Zusammenfassend zeugt auch die Brutsaison 2017 von den starken interannuellen Schwankungen und der anhaltenden, enormen Dynamik der landesweiten Populationsentwicklung! Die ungebrochene Expansionstendenz der Uhus wird auch in diesem Jahr durch eine Vielzahl neuer Ansiedlungen belegt. Bevorzugtes
Habitat sind nach wie vor aufgelassene oder aber auch aktive Steinbrüche, jedoch finden sich auch Bruten und Brutversuche im urbanen Raum bis hin zur Balustrade einer Karlsruher Schule. Und selbst wenn keine direkte Revierbesetzung nachgewiesen werden kann, so lassen sich doch Einzeltiere verstärkt in allen Landesteilen und Naturräumen flächendeckend, ganzjährig und habitatübergreifend antreffen.
Anmerkungen zur Reproduktivität der Uhus
Die oben dargestellten niedrigen Reproduktivitätswerte der Jahre 2015 - 2017 scheinen angesichts der ungebremsten Expansion der baden-württembergischen Uhus erstaunlich niedrig. Es ist hier jedoch anzumerken, dass diese Kennzahl bei der baden-württembergischen Uhupopulation seit rund 30 Jahren lediglich sechs Mal einen Wert von 1,20 flüggen Jungvögeln pro Revierpaar überschritten hat und ein niedriges absolutes Maximum von 1,64 flüggen Jungen pro Revierpaar im Jahr 2012 erreichte (Abbildung 4). Die langjährig ermittelten Reproduktivitätswerte (1990 - 2017) zeigen eine recht große Spannweite zwischen 0,46 (1994) und 1,64 (2012) flüggen Jungen pro Paar und Jahr. Der zwanzigjährige Mittelwert liegt bei 1,08 ± 0,27 flüggen Jungen pro Revierpaar (1998 - 2017), das Mittel der zurückliegenden Dekade 2008 - 2017 liegt bei massiv angestiegener Bestandsgröße mit 1,17 ± 0,29 flüggen Jungen pro Revierpaar nur unwesentlich höher und kaum über dem von Dalbeck(2003) angegebenen Minimalkriterium von rund 1,1 flüggen Jungen pro Paar und Jahr, die zur langfristigen Bestandserhaltung der Art erforderlich sein sollen. Die Daten des langjährigen Monitorings belegen deutlich, dass trotz des deutlichen Bestandsanstiegs der jährliche Reproduktionserfolg der einzelnen Revierpaare dauerhaft eher niedrig einzustufen ist. Dies deckt sich mit den in der Literatur angegebenen Werten (Bergerhausen et al. 1989, Mebs& SCHERZINGER 2008, JENNY 2011, Bauer et al. 2012) und stimmt auch mit den jüngst veröffentlichten langfristigen und großräumigen Beobachtungen 1960 - 2015 aus Thüringen (Görner 2016) überein. Hier überschritten die jährlichen Reproduktivitätswerte der Uhus nur in wenigen Jahren einen Schwellenwert von 1,00 flüggen Jungen pro Revierpaar. Demzufolge ist es durchaus plausibel, dass ein durchschnittlich niedriger Fortpflanzungserfolg in Konsequenz vieler nichtbrütenden Paare, niedriger Gelegezahlen und / oder höherer Verlustraten der noch nicht flüggen Jungvögel eher die Regel denn die Ausnahme auch in einer expandierenden Uhupopulation darstellt (und zwar auch bei gegebenem Ausschluss nennenswerter Zuwanderung oder Auswilderung). Beobachtungen und Meldungen hoher Gelege- oder Brutverluste sind also keine dramatischen Ausnahmen oder gar zwangsläufig besorgniserregende Probleme, sondern repräsentieren vielmehr einen populationsdynamischen Normalfall. Darüber hinaus weisen diese Ergebnisse darauf hin, dass das Minimalkriterium zur Bestandssicherung nach Dalbeck(2003) mittlerweile sicher zu hoch angesetzt ist und einer Neujustierung bedarf.
Diskussion
Die Rückkehr der Uhus nach seiner Ausrottung in Baden-Württemberg ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes (Rau2015, vgl. Jöbges2017). Ohne wesentliche bestandsstützende Maßnahmen breitete sich die Großeule seit rund 30 Jahren wieder im gesamten Land aus und besiedelt dieses heute nahezu flächendeckend. Ein Ende dieser noch vor kurzem unvorstellbaren Entwicklung ist bislang nicht absehbar, aber schon jetzt zeichnen sich Probleme mit der Expansion der Uhus ab, mit denen sich der engagierte Vogelschutz auseinandersetzen muss. Ähnlich wie mit Wolf oder Luchs gliedert sich mit dem Uhu derzeit ein sogenannter „Spitzenprädator“ wieder in die Umwelt ein und verhält sich dabei möglichst artgemäß: Er dezimiert die anderen..! Dies wird dann zu einem Problem, wenn er als Konkurrent oder direkter Fressfeind von Zielarten des Artenschutzes, der Tierliebe oder von Nutzungsinteressen in Erscheinung tritt - dies sind Rebhühner ebenso wie Limikolen, Steinkäuze oder auch der Wanderfalke. Auch wenn der Uhu einem opportunistischen Nahrungserwerb nachgeht und überwiegend leicht erbeutbare Ubiquisten schlägt (Mebs & Scherzinger2008), so fallen ihm eben immer wieder auch solche „wertvollen“ Arten zum Opfer.

Reflexartig werden folglich seit einigen Jahren aus einschlägigen, aber auch aus unerwarteten Kreisen wieder Rufe nach einer „Regulierung“ der Uhus laut.
Die aufgezeigte Populationsentwicklung der Uhus im Zeitraum 1965-2017 beleuchtet einen rezent ablaufenden, (weitgehend..) ungesteuerten und hochgradig dynamischen Prozess, der für die aut- und synökologische Forschung von großem Interesse ist. Vor diesem Hintergrund ermöglichen die Daten des langjährigen Monitorings von Wanderfalken und Uhus wichtige Erkenntnisse. Erstmals in der über fünfzigjährigen Geschichte des AGW-Programms konnten im Jahr 2017 in Baden-Württemberg mehr besetzte Uhu- als Wanderfalkenreviere nachgewiesen werden (Rau et al. 2017). Die naheliegende Vermutung, dass der zu beobachtende Rückgang der Wanderfalkenpopulation in Baden-Württemberg die unmittelbare Folge des Anwachsens der Uhupopulation ist, greift jedoch eindeutig zu kurz. Selbstverständlich verlieren die Wanderfalken an Terrain, (vermeintlich?) traditionelle Brutplätze der Falken werden zunehmend von den Uhus übernommen und wie in den Vorjahren wurden auch 2017 wieder diverse (zahlreiche?) durch Uhus verursachte Brutverluste bei den Wanderfalken dokumentiert. Eine monokausale Bestandslimitierung des Wanderfalken durch den Uhu erscheint jedoch sowohl aus theoretischen Überlegungen heraus als auch aufgrund der Analyse der Monitoringergebnisse beider Arten als wenig wahrscheinlich. Dies wird nicht zuletzt durch diesjährige Beobachtungen auf der Schwäbischen Alb und deren Vergleich gestützt: Die unmittelbar benachbarten, naturräumlich sehr ähnlichen Landkreise Reutlingen und Alb-Donau-Kreis zeigten 2017 jeweils übereinstimmend einen hohen Bestand an Uhus (19 und 17 Revierpaare) mit hohen Reproduktionszahlen (24 und 27 ausgeflogene Junguhus bei 13 bzw. 14 erfolgreichen Bruten). Beide Kreise zeigten 2016 und 2017 eine konstante Besiedlungsdichte der Wanderfalken mit je 11 Revierpaaren. Trotz dieser weit reichenden Übereinstimmungen zeigten sich bei den Wanderfalken im Brutgeschehen deutliche Differenzierungen: Im Alb-Donau-Kreis stagnierte die Fortpflanzung auf dem Niveau von 2016, dagegen wurden in Reutlingen sowohl bei den erfolgreichen Paaren (+7) als auch den flüggen Jungen (+15) deutliche Zuwächse verzeichnet! Und dies obwohl im Alb-Donau-Kreis zahlreiche Brutplätze durch Uhuschutzgitter gesichert sind. Interessanterweise konnten in Reutlingen Neuansiedlungen des Wanderfalken (n = 5) oftmals an vermeintlich suboptimalen Standorten in der Nähe bestehender oder ehemaliger Horste dokumentiert werden! Es scheint offensichtlich, dass die Wanderfalken neben den nachgewiesenen Veränderungen der Habitatstruktur und einer sukzessiven Arealverschiebung auch kleinräumig auf das Auftreten der Konkurrenz reagieren können.
Dem Ansinnen nach einer Bestandslimitierung der Uhus ist nach allen bisherigen Erkenntnissen dringend entgegenzutreten! Rufe nach einer wie auch immer gerichteten Regulierung werden von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (Jöbges2017) ebenso wie von der Bundesarbeitsgruppe (BAG) Eulenschutz des NABU grundsätzlich abgelehnt. Neben dem gesetzlich verankerten Schutz der Art sollte die weitere Beobachtung und Dokumentation der Bestandsentwicklungen ein wesentlicher Baustein der zukünftigen Aktivitäten des AGW-Monitoring-programms darstellen. Zahlreiche weitere Faktoren wie die unablässig fortschreitende Landschaftsnutzung, die direkte Verfolgung, aber auch ein denkbarer Nahrungsmangel durch einbrechende Kleinnager- und Vogelbestände stellen zukünftige HerausForderungen für den aktiven Schutz der Spezies dar.
Zusammenfassung
In Baden-Württemberg wurde 2017 mit 224 Revierpaaren und 278 besetzten Revieren ein neues Populationsmaximum des Uhus erreicht. Der Anteil erfolgreicher Bruten (n=137) betrug 61,2%. Die Zahl der ausgeflogenen Junguhus war mit 287 Junguhus die bisher dritthöchste. Die Ausbreitung erfolgte regional unterschiedlich, wobei die Schwäbische Alb weiterhin das Zentrum der baden- württembergischen Uhupopulation ist. Die Uhupopulation zeigt weiterhin bei starken jährlichen Schwankungen eine enorme Dynamik.
Literatur:
Bauer H-G, Bezzel E & Fiedler W 2012: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Band 1: Nonpasseriformes - Nichtsperlingsvögel. 2. Auflage. Aula-Verlag, Wiebelsheim Bergerhausen W, Radler K & Willems H 1989: Reproduktion des Uhus (Bubo bubo L.) in verschiedenen europäischen Teilpopulationen sowie einer „Population“ in Gehegen. Charadrius 25(2): 85-93
Dalbeck L 2003: Der Uhu Bubo bubo (L.) in Deutschland - autökologische Analysen an einer wieder angesiedelten Population - Resümee eines Artenschutzprojekts. Shaker Verlag, Aachen Deutscher Wetterdienst2017: WitterungsReport Express.
Görner M 2016: Zur Ökologie des Uhus (Bubo bubo) in Thüringen - Eine Langzeitstudie. Acta ornithologica 8(3-4): 151-320
Jenny D 2011: Bestandsentwicklung und Bruterfolg des Uhus Bubo bubo im Engadin. Ornithologischer Beobachter 108(3): 233-250
Jöbges M M 2017: Zum Vorkommen des Uhus (Bubo bubo)2015/16 in Nordrhein-Westfalen - Trend, Beeinträchtigung, Interaktion. In: Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz des NABU-NRW (ed.): Jahresbericht 2016: 10-17 MebsT & ScherzingerW 2008: Die Eulen Europas. Biologie - Kennzeichen - Bestände. Kosmos, Stuttgart RauF 2015: Bestands- und Arealentwicklung von Wanderfalke Fal- co peregrinusund Uhu Bubo buboin Baden-Württemberg 1965-2015. In: RauF, LühlR & BechtJ (Hrsg.): 50 Jahre Schutz von Fels und Falken. Ornithol. Jh. Bad.-Württ. 31 (Sonderband): 99-127
Rau F 2017: Uhu-Monitoring in Baden-Württemberg: Bestands- und Arealentwicklung von Uhus Bubo buboin Baden-Württemberg 2016. Eulen-Rundblick 67: 37-41 RauF, BechtJ, LühlR & FischerB 2017: Wanderfalken und Uhus in Baden-Württemberg - Die Brutsaison 2017. In: Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz Baden-Württemberg:Jahresbericht 2017. http://www.agw-bw.de/veroffentlichungen/jahresberichte/, 15.3.2018: 4-8
Ernst Kniprath
Gern setze ich mich dem Vorwurf der Vermenschlichung aus und zeige eine doch eindeutige Situation im Brutkasten des Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr & Umwelt, Abteilung Landschaft & Gewässer, Entfelderstrasse 22, in CH 5001 Aarau. Das Männchen hat in den letzten 10 Stunden mindestens sechs Mäuse gebracht (fünf davon liegen beim 1. Bild zwischen seinem rechten Fuß und der Wand des Kastens) und sich dabei wohl selbst vergessen. Gerade ehe es wieder zur Jagd starten wollte, bemerkte es offensichtlich seinen Hunger.
18.06.2018
Heute morgen um 4:00 Uhr fuhr ich per Fahrrad von meiner Suche nach jungen Eulen in den Rheinauen nördlich von Karlsruhe nach Hause. Es war auf einem scheußlich zu fahrenden, von Kräutern und Gras fast zugewucherten Feldweg, von dem nur die beiden Radspuren nicht bewachsen waren, als mir plötzlich ein Waldkauz in Hüfthöhe entgegengeflogen kam. Er war offenbar von meinem recht hellen Fahrradscheinwerfer geblendet und zog nur wenige Meter vor mir in die Höhe meines Kopfes hoch.
Während ich mich duckte, drehte der Kauz im letzten Moment nach links ab. Ich spürte sehr deutlich seinen Fahrtwind, hielt an und notierte das Ereignis, während er sich aus dem nahen Wald mit einigen Revierstrophen meldete.
Der unbefangene Leser wird sich fragen, wieso ein Waldkauz knapp über der Krautschicht über der Radspur eines Feldweges fliegt. Die Antwort ist einfach: er sieht nach, ob irgend wo ein Mäuslein in der Radspur herum läuft. In dem hohen Kraut hat er keine Chance, eine potentielle Beute zu erwischen.
Schuld an dem Beinaheunfall war eindeutig ich: ich fuhr am linken Rand des Feldweges
. Zum Glück hat der kluge Kauz sehr umsichtig reagiert.
Aber Spaß beiseite, denn die ganze Geschichte hat einen Hintergrund, der mich schon lange beschäftigt: die Reaktion nicht nur der Eulen auf helles Licht.
Seit Einführung der Leuchtdiodentechnologie können auch Fahrradscheinwerfer eine ganz beachtliche Blendkraft entwickeln und was sich hinter so einer blendenden Lichtquelle befindet, kann der Geblendete nicht sehen.
Daraus können schöne Beobachtungen resultieren, wie z.B. der abgebildete Steinmarder, der mich zuerst wegen des Fahrradlichtes nicht sah und den ich schon während des Anhaltens per Taschenlampe blendete, um ihn zu fotografieren.
Die meisten Tiere erkennen helles Licht nicht als Gefahr und der Beobachter kann sich hinter seinem Lichtkegel verstecken. Im Straßenverkehr wird es ihnen aber gar zu oft zum Verhängnis.
Einen Spezialfall bilden Rehe am Straßenrand, vor allem, wenn sie einem den Spiegel zeigen. Werden sie in dieser Stellung mit starkem Licht angeleuchtet, sehen sie plötzlich ihren eigenen, sich langsam drehenden und kürzer werdenden Schatten und starren gebannt und mit nach vorne gespitzten Ohren darauf. Wenn das Fahrzeug dann so nahe ist, dass sie es nicht mehr überhören können, springen sie völlig unberechenbar los und wenn man Pech hat, eben gerade in die falsche Richtung – Rehe sind Fluchttiere und keine Intelligenzbestien, denn das Essen läuft ihnen nicht davon.
Als umsichtiger Autofahrer sollte man beim nächtlichen Anblick eines Rehhinterns bremsen, abblenden und hupen, damit man auf das Fluchtverhalten rechtzeitig reagieren kann. Als Radfahrer betätige ich im Zweifelsfall einige Meter vor dem Reh die Klingel.
A.F.
Die Neue Züricher Zeitung zeigte am 5.4.2018 eine eindrucksvolle Bilderstrecke zum Schutz des Uhus an Mittelspannungsleitungen.
Ernst Kniprath
16.02.2018
Alle Fotos aus: Aargau 2012: webcam-Aufnahme. Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr & Umwelt, Abteilung Landschaft & Gewässer, Entfelderstrasse 22, CH 5001 Aarau www.ag.ch/alg
NACHRUF
(08. März 1930 - 24.Juli 2017)
Unsere Eulen haben einen ihrer engagiertesten, kenntnisreichsten und liebenswürdigsten Fürsprecher verloren. Wir trauern um Dr. Theodor Mebs.
Theodor Mebs wurde am 8. März 1930 in Würzburg geboren und wuchs als ältestes Kind der Pfarrleute Gertrud und Rudolf Mebs in Castell/Steigerwald in Unterfranken auf.
Von frühester Jugend an interessierte er sich für die Vogelwelt. Angeregt durch sein erstes Vogelbuch „Die Raubvögel der Heimat“ von Dr. h.c. Otto Kleinschmidt, welches er sich bereits im Alter von 12 Jahren kaufte, wurde schon sehr früh sein besonderes Interesse für Greifvögel (und später auch für Eulen) geweckt. Bedingt durch die Folgen des 2. Weltkrieges konnte er nach Kriegsende fast 1 ½ Jahre nicht zur Schule gehen. In dieser Zeit durchstreifte er fast täglich die Wälder in der Umgebung, erkletterte die Horstbäume von Mäusebussarden und Rotmilanen, Turmfalken, Habichten und Sperbern und fand im August 1945 seinen ersten besetzten Wespenbussardhorst.
Bereits zu der Zeit hielt er alle ornithologischen Beobachtungen und Informationen in Tagebüchern fest, eine Gewohnheit, der Theodor Mebs bis zum Schluss treu geblieben ist.
Ab dem Herbst 1946 besuchte Theodor Mebs das Gymnasium in Bamberg. Hier wurde sein besonderes Interesse an der Vogelwelt von seinem Biologielehrer gefördert, der ihm Wanderfalken- und Uhu-Brutplätze in der Fränkischen Schweiz zeigte. Diese beiden Vogelarten wurden so zu seinen Lieblingsvögeln´, mit denen er sich zeitlebens am intensivsten beschäftigt hat.
So lag es nur nahe, dass nach dem Abitur 1949 seinen Neigungen entsprechend an der Hochschule Bamberg mit dem Studium der Biologie, Chemie und Geographie begann und die Studien dann an den Universitäten Freiburg/Breisgau und München fortsetzte. Auch hier wurde seine Begeisterung für Greifvögel schnell erkannt und besonders gefördert, vor allem von Herrn Dr. Gerd Dieselhorst, dem ornithologischen Kustos an der Zoologischen Staatssammlung in München, der ihn 1957 zu einer Dissertation über den Mäusebussard ermutigte. In den folgenden Jahren führte Theodor Mebs intensive Freiland-Untersuchungen für seine Dissertationsarbeit über Räuber-Beute-Verhältnisse durch, die den Titel trug „Untersuchungen zur Biologie und Populationsdynamik des Mäusebussards (Buteo buteo) unter besonderer Berücksichtigung der Abhängigkeit vom Massenwechsel der Feldmaus (Microtus arvalis)“. 1963 schloss erseine Promotion in München ab.
Bereits 1950 beantragte er bei der Vogelwarte Radolfzell eine Beringungserlaubnis, insbesondere für den streng geschützten Uhu. Diese erhielt er von Dr. R. Kuhk ohne weitere Rückfragen, worauf er in den folgenden Jahren zahlreiche Uhus und andere Eulenarten sowie Greifvögel und Weißstörche beringte. Im Jahre 1953 veröffentlichte Theodor Mebs seine erste ornithologische Arbeit, einen faunistischen Beitrag über den Uhu in der Fränkischen Schweiz.
1960 folgte er einem Angebot von Dr. H. BRÜLL und wurde Lehrer für Landschaftskunde an der Kurzschule Weißenhaus an der Ostsee. Seine Aufgabe bestand vor allem darin, jungen, heranwachsenden Menschen die Natur und ihre vielfältigen Zusammenhänge, auch unsere menschliche Abhängigkeit von einer intakten Umwelt, anschaulich „in freier Natur“ nahe zu bringen.
Sehr bald schon betätigte sich Dr. Mebs auch als Sachbuchautor. Bereits 1964 erschien im Kosmos-Verlag in Stuttgart sein erstes Buch „Die Greifvögel Europas und die Grundzüge der Falknerei“. Mit diesem Werk sowie auch dem wenig später erschienenen Buch „Eulen und Käuze“ hat er diese Vogelfamilien einem breiten Leserpublikum in verständlicher, geradezu fesselnder Weise nahegebracht. Für viele, vor allem junge Ornithologen, waren diese Bücher oftmals die Einstiegslektüre in den Vogel- und Naturschutz. Entsprechend wurden diese Bücher in den folgenden Jahren nicht nur mehrfach aufgelegt, sondern inhaltlich auch völlig überarbeitet.
Am 1. Oktober 1970 begann Dr. Mebs seinen Dienst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der damals noch eigenständigen Staatlichen Vogelschutzwarte des Landes Nordrhein-Westfalen´. 1975 wurde die Vogelschutzwarte in die neugegründete LÖLF integriert und als Fachgebiet „Angewandte Ornithologie (Vogelschutzwarte)“ im Organisationsplan eingebaut. Nach der Pensionierung von Herrn Dr. W. Przygodda im Jahre 1978 wurde Theodor Mebs die Leitung dieses Fachgebietes übertragen.
Gemäß seinen speziellen Interessen für Greifvögel und Eulen hat er sich an der Vogelschutzwarte in Essen vor allem um diese Vogelgruppen und die Verbesserung ihres Schutzes gekümmert. Viele Greifvögel hatten damals noch eine begrenzte Jagdzeit, durften also legal geschossen, gefangen oder ausgehorstet werden. Daneben gab es auch viele illegale Aushorstungen, vor allem bei bestandsgefährdeten Arten. Um diese Aktivitäten zu verhindern oder zumindest zu erschweren, hat sich Dr. Mebs intensiv um die Kontrolle der privaten Haltungen von Greifvögeln und Eulen, sowie anderen geschützten Vogelarten bemüht und 1974 die Einführung einer individuellen Kennzeichnung von Greifvögeln und Eulen in Gefangenschafthaltungen erreichen können. Es gelang ihm außerdem, die Einrichtung von zehn, mit staatlichen Mitteln geförderten speziellen Pflege- und Ausgewöhnungsstationen in Nordrhein-Westfalen zu initiieren, in denen verletzte, vor allem aber illegal gehaltene und dann beschlagnahmte Greifvögel und Eulen gesund gepflegt und wieder auf ein Leben in freier Natur vorbereitet wurden.
Besondere Schutzbemühungen von Dr. Mebs galten neben den Greifvögeln Uhu, Schleiereule, Steinkauz und Rauhfußkauz (Beim ´Rauhfußkauz´ haben wir bewusst die alte Schreibweise gewählt, da Theodor Mebs die neue Schreibweise ohne ´h´ nie akzeptiert hat). Gleichzeitig engagierte er sich für Lebensraumverbesserungen für Weiß- und Schwarzstorch oder Haselhuhn um nur einige weitere, in ihrem Bestand gefährdete Arten zu nennen.
Von ganz besonderer Bedeutung für die Arbeit der Vogelschutzwarte und damit für den Schutz der Vogelwelt waren der Ausbau des Netzes der ehrenamtlichen Mitarbeiter der VSW, den „Vertrauensleuten für Vogelschutz“ und deren Betreuung durch Herrn Mebs. Die Ermittlung umfangreicher Bestandsangaben sowie die Umsetzung von Schutzmaßnahmen waren nur in enger Zusammenarbeit mit diesen ehrenamtlichen Natur- und Vogelschützern möglich.
Am 31. März 1995 trat er dann in den altersbedingten „amtlichen“ Ruhestand. Kurze Zeit später zog es ihn wieder in seine alte Heimat Castell.
Doch auch nach dem Eintritt in das „Rentenalter“ hat Theodor Mebs nicht die Hände in den Schoß gelegt. Bei guter Gesundheit, nicht zuletzt aufgrund der guten Versorgung durch seine liebe Frau Anna, arbeitete er tagtäglich an seinen Projekten. Bereits im Jahr 2000 erschien - wiederum im Kosmos-Verlag - das großformatige Buch „Die Eulen Europas. Biologie, Kennzeichen, Bestände“, das er gemeinsam mit Dr. Wolfgang Scherzinger verfasste. Dieser Prachtband (und seine weiteren, aktualisierten Auflagen) sind weit mehr als ein Nachschlagewerk. Der profunde Text und die faszinierenden Momentaufnahmen und Fotostudien der Eulen machen es zu einem Hochgenuss! Über 300 gestochen scharfe zum Teil ungewöhnliche Farbfotos porträtieren die Eulen in allen Altersstufen, einschließlich der Nestlinge und Ästlinge. Detailgetreue, erklärende Strich-Zeichnungen verdeutlichen Verhalten und spezielle Erkennungsmerkmale der Vögel.
Im Jahre 2006 erschien in ähnlich fesselnder Aufmachung dann sein Buch: „Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens“, das er gemeinsam mit Dr. Daniel Schmidt, dem Leiter des Vogelschutzzentrums Mössingen (Baden-Württemberg) verfasst hat. Auch hier ist die Informationsfülle überwältigend.
Die Gesamtzahl seiner ornithologischen Veröffentlichungen übersteigt inzwischen die Zahl 110, wobei sich allein rund 40 Arbeiten mit Eulen beschäftigen.
Wir Autoren dieses Nachrufs hatten das Glück, viele Jahre mit Dr. Theodor Mebs zu verbringen, sei es als Mitarbeiter, Kollege oder Freund. Wir haben ihn kaum einmal schlecht gelaunt erlebt. Seine optimistische Lebenseinstellung hat immer zu einer angenehmen, freundschaftlichen Atmosphäre geführt. Theodor Mebs hat nie die Ellenbogen gebraucht, um zu „überzeugen“. Er hat vielmehr geduldig mit hohem Fachwissen, reicher Lebenserfahrung argumentiert. Auch überzeugte er mit viel Humor, um so seine Ziele zu erreichen. Nie stand der persönliche Vorteil im Vordergrund, immer ging es ihm um die Sache, etwas für die Vogelwelt und den Artenschutz zu erreichen.
Einige wenige haben das nie richtig verstanden, doch auch das hat ihn nie gestört; er ist unbeirrt seinen Weg gegangen. Auch hat er nie nach öffentlicher Anerkennung gestrebt, sondern lieber bescheiden im Hintergrund gewirkt. Immer hatte er ein offenes Ohr für andere. Bis ins hohe Alter pflegte er seine zahlreichen Kontakte zu Kollegen im In- und Ausland. So stand er beispielsweise in einem intensiven fachlichen Austausch, insbesondere mit Prof. Dr. Wolfgang Scherzinger, Dr. Jochen Wiesner, Hubertus Illner, Dr. O. Schwerdtfeger, Ernst Vilter, Edmund Abel, Reinhard Brendel, Alfons Förstel (†) und immer wieder gerne mit uns Autoren.
Unter den Greifvogel- und Eulenleuten war sein Netzwerk legendär, der intensive Informationsfluss kam jeder Neuauflage seiner Buchwerke zugute. Wer ihn näher kannte, schätzte nicht nur sein reiches Wissen, sondern ebenso seine große Hilfsbereitschaft und die menschliche Wärme, die von ihm ausging.
Ein besonderes Anliegen von Theo Mebs war die Förderung von Nachwuchskräften, Ornithologen und Artenschützern. Beispielsweise haben Wolf Lederer, Andreas Kämpfer-Lauenstein, Wilhelm Bergerhausen, Christiane Geidel, Daniel Scheffler, Alexander Brehm, Mathilde und Wilfried Limpinsel, Winfried Rusch, Otto Kimmel, Doris Sonneborn, Werner Daus, Heinz Gerhard Pfenning, Thomas Rasche, Karl-Heinz Dietz, Artur Franz (†), Dr. Hartmut Müller, Harald Busch und Stefan Junge von seinen vielfältigen fachlichen Tipps und Empfehlungen profitiert, um nur wenige Personen zu nennen.
Jeder von uns dreien hatte auch die Möglichkeit, Theo auf Reisen zu begleiten. Dabei profitierte man von seinen fachlichen Erfahrungen, seinen gut organisierten Kontakten und seinen munteren Erzählungen. Mittags musste eingekehrt werden, abends stand das gemütliche Zusammensein im Vordergrund. Gab es keine Greifvögel oder Eulen zu sehen, fehlte ihm etwas, dann wurde umso mehr erzählt.
Die Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft hat die Verdienste von Theodor Mebs um die Vogelwelt in Nordrhein-Westfalen mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft und des NWO-Preises sowie der Widmung eines Schwerpunktheftes im Charadrius 2010 anlässlich der Vollendung seines 80. Lebensjahres gewürdigt.
Theo Mebs wird nach den Unterlagen seit 01.01.1978 als Mitglied in der AG Eulen geführt. Er war praktisch von Anfang an dabei und erreichte so 39 Jahre Zugehörigkeit in der AG Eulen. 2010 wurde er zusammen mit dem zu frühverstorbenen Wilhelm Bergerhausen(†) in die Ehrentafel aufgenommen.
Am 24. Juli 2017 ist ein reich erfülltes Leben zuhause in Castell friedlich zu Ende gegangen. Kollegen und Freunde sowie die AG Eulen werden Theodor Mebs sehr vermissen, sie werden sich immer gerne und in Dankbarkeit an ihn erinnern. Der Tod von Theodor Mebs ist nicht nur für die AG Eulen ein großer Verlust, sondern ganz allgemein auch für den Eulenschutz in Deutschland und Europa.
Bernd Conrad, Michael Jöbges und Joachim Weiss, im September 2017
Erweiterte Fassung eines Beitrags zu der 32. Jahrestagung der AG Eulen am 29. Oktober 2016 in Kloster Schöntal/Baden-Württemberg
Eulen-Rundblick Nr. 67 – Mai 2017 Seiten 25-30
von Wilhelm Breuer
I. Vorbemerkung
In Deutschland stehen mehr als 26.000 Windenergieanlagen (WEA). Allein im ersten Halbjahr 2016 kamen 782 hinzu. Mag der Ausbau in Schleswig- Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen vielleicht wie aktuell geplant gedrosselt werden, in den anderen Bundesländern wird er sich verstärken. Der bisherige Ausbau fällt in vielen Regionen mit einem Bestandszuwachs des Uhus zusammen. Ist also schon deswegen der Ausbau für Uhus problemlos, wie die Windenergiewirtschaft behauptet? (Vgl. Abo Wind AG 2015.)
So einfach ist die Sache nicht. Die Zulassung von WEA verstößt nämlich gegen artenschutzrechtliche Verbote nicht erst dann, wenn die Auswirkungen ein populationsgefährdendes Maß erreichen. Das Tötungsverbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) verbietet vielmehr bereits das Töten des einzelnen Individuums besonders geschützter Arten. Besonders geschützt sind grundsätzlich alle europäischen Vogelarten, also auch der Uhu.
Untersagt ist nicht nur das willentliche, sondern auch das wissentliche Inkaufnehmen des Tötens. Das Tötungsverbot schließt folglich Kollisionsopfer an WEA ein – allerdings mit einer Einschränkung: Das Verbot schützt das Individuum nicht vor der bloßen Möglichkeit, an den Anlagen zu kollidieren, weil dieses Risiko bei lebensnaher Betrachtung nie ganz ausgeschlossen werden kann. Das Verbot beschränkt sich deshalb auf den Ausschluss eines signifikant gesteigerten Tötungsrisikos. Ein solches Risiko lässt sich nicht wissenschaftlich exakt vorhersagen oder bestimmen. Wann ist das Tötungsrisiko signifikant erhöht?
Das Risiko muss dazu, wie es das Bundesverwaltungsgericht formuliert hat (Urteil des 9. Senats vom 9. Juli 2008 – BVerwG 9 A 14.07), den Risikobereich überschreiten, der im Naturraum stets gegeben ist, vergleichbar dem ebenfalls stets gegebenen Risiko, dass einzelne Individuen einer Art im Rahmen des allgemeinen Naturgeschehens (d. h. nicht etwa im Straßenverkehr, an Strommasten usw.) Opfer einer anderen Art oder eines Naturereignisses werden. Das sind Risiken, die allerdings bei einer Art wie dem Uhu kaum gegeben sind, weshalb sich umso mehr die Frage stellt, wo diese Schwelle zwischen einem zufälligen und einem überzufälligen Töten bei dieser Art liegen kann. Die Rechtsprechung zum Signifikanzbegriff wirft eine Reihe weiterer Fragen auf (vgl. Schreiber 2017).
Wenn geplante Rotoren das Tötungsrisiko signifikant erhöhen, können die Anlagen artenschutzrechtlich nur ausnahmsweise und nur bei Ausschöpfen aller Optionen zur Begrenzung des Tötungsrisikos in Betrieb gesetzt werden. Für eine Ausnahme muss das Vorhaben ohne zumutbare Alternative und aus zwingenden Gründen des öffentlichen Interesses notwendig sein (§ 45 Abs. 7 BNatSchG). Das sind Voraussetzungen, die WEA zumeist nicht oder nicht ohne weiteres erfüllen.
Die Signifikanzschwelle ist für die Zulässigkeit der Anlagen folglich entscheidend und deshalb so hart umkämpft wie keine andere Grenze im Naturschutzrecht. An ihr messen sich darauf spezialisierte Gutachter mit der Naturschutzverwaltung, die mit dem gesamten Spektrum naturschutzkritischer Nutzungen befasst ist. Im Zweifelsfall muss sie – die Naturschutzverwaltung – überzeugend darlegen, warum das Tötungsrisiko kein allgemeines, sondern signifikant erhöht ist.
Die Rechtsprechung hat zwei Maßstäbe für die Beurteilung als beachtlich herausgestellt:
1. Ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko ist gegeben, wenn Individuen in großer Anzahl im Einwirkungsbereich der geplanten Anlagen auftreten oder einzelne Individuen diesen Einwirkungsbereich besonders häufig nutzen.
2. Unterschreiten WEA die von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten empfohlenen artspezifischen Mindestabstände oder werden in einem bestimmten Bereich um das Nest bedeutende Nahrungshabitate oder Flugwege in Anspruch genommen und liegen keine belastbaren anderweitigen Erkenntnisse vor, liegt eine Erhöhung des Tötungsrisikos nahe (LAG-VSW 2015).

II. Argumente der Windenergiewirtschaft
Seitens der Windenergiewirtschaft wird die Möglichkeit eines signifikant gesteigerten Tötungsrisikos für Uhus grundsätzlich in Frage gestellt:
III. Gegenrede
Was können wir dem entgegenhalten?
Die von der Europäischen Kommission 2010 vorgenommene Einstufung des Kollisionsrisikos des Uhus in die mittlere von fünf Risikostufen ist von Hubertus Illner bereits 2012 zu Recht als zu optimistisch kritisiert und das Tötungsrisiko auf verschiedene Kriterien gestützt als sehr hoch eingestuft worden.
IV. Abstandsempfehlungen
Die Länder-Arbeitsgemeinschaftder Vogelschutzwarten (2015) empfiehlt aus gutem Grund, dass WEA zu Uhubrutplätzen einen Abstand von mindestens 1.000 m halten sollen. Die Empfehlungen sehen zudem einen Prüfbereich im 3.000-m-Radius zu Uhubrutplätzen vor. In diesem Prüfbereich sollen bedeutende Nahrungshabitate sowie die Flugwege der Art zwischen diesen Nahrungshabitaten und dem Brutplatz von Anlagen freigehalten werden, weil auch dort das Tötungsrisiko signifikant erhöht sein kann.
Es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine gesetzliche Norm, sondern um eine Empfehlung, deren Annahmen im Einzelfall widerlegt werden können. Einem Investor kann deshalb nicht der Versuch verwehrt werden, den Nachweis anzutreten, dass der Betrieb von WEA innerhalb des empfohlenen Mindestabstandes sowie im Prüfbereich ohne signifikante Erhöhung des Tötungsrisikos möglich ist. Es liegt auf der Hand, dass hierfür Raumnutzungsanalysen erforderlich sind und sich an diese bestimmte Anforderungen richten (Langgemach & Meyburg 2011).
Bedeutende Nahrungshabitate und Flugwege können nur anhand von Raumnutzungsanalysen sicher bestimmt werden. Auf konkrete Beobachtungen gestützte Raumnutzungsanalysen sind wegen der nächtlichen Aktivität von Uhus bzw. der deswegen schwierigen Beobachtungsbedingungen aber nur schwer möglich. Selbst die für das Abbilden der wichtigsten Nahrungshabitate und Flugwege erreichbare Anzahl Sichtbeobachtungen dürfte für abschließende Aussagen eher zu gering sein.
Die Ergebnisse von Raumnutzungsanalysen stehen zudem unter dem Vorbehalt, dass sich z. B. die Nahrungssituation in Folgejahren deutlich anders darstellen kann und somit auch die Raumnutzung der Uhus. Damit sind die Ergebnisse einer Raumnutzungsanalyse nicht bereits an sich wertlos. Eine seriöse Interpretation der Ergebnisse aus Raumnutzungsanalysen wird die Variabilität der Bedingungen von Folgejahren aber zumindest einbeziehen müssen. Die Praxis geht hingegen oft von einer Starrheit der Vorkommen aus, die jeder Erfahrung widerspricht und die Brutpaare auf Plätze gleichsam fixiert, ohne Chance, auf natürliche oder anthropogene Veränderungen (etwa eines Klimawandels) anders als mit einem Verschwinden reagieren zu können.
Deswegen sollten die in Frage kommenden Nahrungshabitate zweckmäßigerweise unter Plausibilitätsgesichtspunkten abgegrenzt und vorsorglich nicht in Anspruch genommen werden. Dazu zählen offene und halboffene Bereiche sowie Bereiche entlang von Grenzlinien wie Waldränder, Gehölzsäume, Wasserläufe und Gräben. In diesem Zusammenhang kommt Grünlandstandorten eine besondere Bedeutung zu. Solche Bereiche sollten im Umkreis von 3.000 m um Uhubrutplätze generell von WEA freibleiben.
Dazu ist die Windenergiewirtschaft allerdings kaum bereit. Stattdessen präsentiert sie Raumnutzungsanalysen, die belegen sollen, dass die geplanten Anlagen an den jeweiligen Standorten ohne ein für Uhus signifikant erhöhtes Tötungsrisiko betrieben werden können, allerdings ohne dabei in jedem Fall überzeugend zu sein.
Es gehört zu den Besonderheiten des Konfliktes, dass nicht alle Länderumweltministerien sich die Abstandsempfehlungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten, also ihrer eigenen Fachdienststellen, vollumfänglich zu eigen machen. Nordrhein-Westfalen beschränkt sich beispielsweise beim Uhu auf den empfohlenen Mindestabstand von 1.000 m und lässt den empfohlenen 3.000-m-Prüfbereich unbeachtet (MKULNV & LANUV 2013).
V. Sind Telemetriestudien eine Lösung?
Für die Windenergiewirtschaft tätige Gutachterbüros wollen mit weiteren Telemetriestudien Licht ins Dunkel der Raumnutzung von Uhus bringen. Angesichts der Gewinne der Branche spielen für sie die Kosten solcher Untersuchungen keine Rolle. So interessant die Erkenntnisse, die solche Studien liefern können, auch sein mögen, die Bestrebungen sollten einer kritischen Analyse unterzogen und nicht voreilig unterstützt werden – aus folgenden Gründen:
Eine Telemetrierung sollte nur aus wissenschaftlichen Erwägungen und nicht aus Anlass konkreter Antragsvorhaben der Wirtschaft gestattet werden und muss an weitere Bedingungen geknüpft sein (Stefan Brücher, unveröffentlicht):
a) Fangversuche sind spätestens zehn Tage vor Brutbeginn einzustellen. Hierbei ist der für die Region früheste bekannte Brutbeginn zugrunde zu legen (in der Eifel ist das der 22.01.), sofern nicht aufgrund der festgestellten Aktivitäten der betreffenden Individuen konkrete Daten vorliegen, die eine Abweichung erlauben.
b) In der Brutzeit dürfen Uhus frühestens gefangen werden, wenn die Jungvögel mindestens 20 Tage alt sind. An Tagen mit extremer Kälte oder Starkregen darf nicht gefangen werden.
c) Zulässig sind nur Fangmethoden, die sich für Uhus als tauglich erwiesen haben. Die Fallen sind ständig unter Kontrolle zu halten.
d) Die Fangvorrichtungen sind, um Störungen am Nest auszuschließen, außerhalb des engeren Nestumfeldes aufzustellen. Dabei ist ein Mindestabstand von 200 m einzuhalten; bei Brutplätzen in Bereichen mit Abbaubetrieb oder vergleichbaren Störungen 150 m. Bei Fangplätzen, die vom Brutplatz aus nicht einsehbar sind, kann der Abstand unterschritten werden. Ist der Brutplatz nicht oder noch nicht bekannt, sind Fangeinrichtungen im potentiellen Bruthabitat unzulässig.
e) Am Vogel angebrachte Sender müssen sich ohne menschliches Zutun nach einer gewissen Zeit zuverlässig lösen. Dass sich der Sender vom Vogel gelöst hat, ist am Ende der Untersuchung nachzuweisen. Gelingt dies nicht, ist der Vogel erneut zu fangen.
f) Mit dem Fang dürfen nur Personen befasst sein, die über ausreichend Erfahrung mit der Handhabung wildlebender Uhus verfügen. Erfahrungen mit dem Fang von Rotmilanen genügen nicht, da diese sich totstellen, Uhus aber sehr wehrhaft reagieren.
Insbesondere in Dichtezentren des Uhus ist keineswegs gewährleistet, dass es sich bei den gefangenen Vögeln um die Brutpartner des örtlichen Paares handelt. Insofern kann es auch geschehen, dass die „falschen“ Vögel gefangen werden und die gewonnenen Aussagen keine oder nur eingeschränkte Schlussfolgerungen erlauben.
VI. Vermeidungspotential nicht überschätzen
Die Windenergiewirtschaft und die für sie tätigen Gutachter verweisen im Übrigen oft auf Maßnahmen, die das Kollisionsrisiko ganz vermeiden oder zumindest unter die Signifikanzschwelle senken sollen. Diese Maßnahmen sind mit Skepsis zu betrachten – aus folgenden Gründen:
In diesem Zusammenhang steht ein „Bundesweiter Katalog von Maßnahmen zur Verhinderung des Eintritts von artenschutzrechtlichen Verbotstatbeständen nach § 44 BNatSchG bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen“ der Fachagentur Windenergie an Land (2015). Dieser Katalog ist von der EGE (2015) sowie vom Bundesamt für Naturschutz (2016) kritisiert worden.
Den in der Windenergiewirtschaft problematischen Umgang mit artenschutzrechtlichen Konflikten hat Thomas Krumenacker (2015) in der Zeitschrift „Der Falke“ mit dem Zitat eines Insiders des behördlichen Vogelschutzes auf den Punkt gebracht: „Wir sind uns quer durch die Bundesländer einig: In keinem Bereich wird so viel getrickst wie bei der Windenergie“.
VII. Schlussbemerkung
Die gerne als Erfolgsgeschichte apostrophierte Bestandszunahme des Uhus ist vor allem auf Wiederansiedlungsprojekte und die Überwindung direkter Verfolgung zurückzuführen. Damit wird man sich aber nicht zufriedengeben können, denn die Zunahme des Bestandes einer Art ist für sich allein kein Erfolgskriterium. Denn dass mit der bloßen Zunahme einer Art nicht alles in Ordnung ist, erschließt sich aus einem anderen Zusammenhang. So nimmt die Zahl der Menschen auf der Erde zu und zugleich ist die Lage der Menschheit so dramatisch wie lange nicht.
Eines der Hauptziele des Naturschutzes ist eine vom Menschen ungestörte Entwicklung von Natur und Landschaft. In die Bestandssituation des Uhus greifen jedoch zivilisatorische Phänomene und anthropogene Verlustursachen fortwährend und sich noch verstärkend ein.
Dazu zählen in Deutschland beispielsweise die Ausweitung des Maisanbaus, der schon heute ein Fünftel der Anbaufläche einnimmt, und ein Zuwachs an Windenergieanlagen bis zum Ende der Dekade auf vermutlich deutlich über 33.000.
Literatur
Abo Wind AG 2015: Pressemitteilung Uhu, Schwarzstorch und Rotmilan im Aufwind. www.abo-wind.com/de/pdf/Presse2015/2015-12-07_PM_Voegel.pdf
Breuer W, Brücher S & Dalbeck L 2015: Der Uhu und Windenergieanlagen. Naturschutz u. Landschaftsplanung 47: 165-172
Bundesamt für Naturschutz 2016: Kommentar des Bundesamtes für Naturschutz zur Studie „Vermeidungsmaßnahmen bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen“. Natur und Landschaft 91(4): 192-193
EGE – Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen 2014: Wie kollisionsgefährdet sind Uhus an Windenergieanlagen? Naturschutz und Landschaftsplanung 46(8): 256- 257
EGE – Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (o.D.): Anmerkungen zu einem „Bundesweiten Katalog von Maßnahmen zur Verhinderung des Eintritts von artenschutzrechtlichen Verbotstatbeständen nach § 44 BNatSchG“. www.egeeulen.de/files/151128_bundesweiter_katalog.pdf
Europäische Kommission 2010: Guidance Document. Wind energy development and NATURA 2000. Report, October 2010
Illner H 2012: Kritik an den EU-Leitlinien „Windenergie-Entwicklung und NATURA 2000“. Eulen-Rundblick 62: 83-100
Krämer D 2016: Wie hoch fliegen Uhus? Kurzfassung eines Vortrages an der Brandenburgischen Akademie Schloss Criewen am 18.03.2016
Krumenacker T 2015: Etappensieg für den Vogelschutz bei Windkraft. Der Falke 62(4): 48
LAG-VSW – Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten 2015: Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten. Ber. Vogelschutz 51: 15-42
Langgemach T & Meyburg B-U 2011: Funktionsraumanalysen – Ein Zauberwort der Landschaftsplanung mit Auswirkungen auf den Schutz von Schreiadlern (Aquila pomarina) und anderen Großvögeln. Ber. Vogelschutz 47/48: 167-181
Miosga O, Gerdes S, Krämer D & Vohwinkel R 2015: Besendertes Uhu-Höhenflugmonitoring im Tiefland. Dreidimensionale Raumnutzungskartierung von Uhus im Münsterland. Natur in NRW 3/15: 35-39
MKULNV – Ministeriumfür Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen & LANUV – Landesamtfür Natur, Umweltund Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen 2013: Leitfaden Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen. www.umwelt.nrw.de/fileadmin/redaktion/PDFs/klima/13_11_12_nrw_leitfaden_ arten_habitatschutz.pdf
Schreiber M 2017: Populationsbiologische und naturschutzfachliche Überlegungen zum gesetzlichen Tötungsverbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG. Natur und Recht 39: 5-12
Sitkewitz M 2007: Telemetrische Untersuchungen zur Raum- und Habitatnutzung des Uhus (Bubo bubo) in den Revieren Thüngersheim und Retzstadt im Landkreis Würzburg und Main-Spessart – mit Konfliktanalyse bezüglich des Windparks Steinhöhe. Endbericht im Auftrag des LBV
Sitkewitz M 2009: Telemetrische Untersuchungen zur Raum- und Habitatnutzung des Uhus (Bubo bubo) in den Revieren Thüngersheim und Retzstadt im Landkreis Würzburg und Main-Spessart – mit Konfliktanalyse bezüglich des Windparks Steinhöhe. Pop.-ökol. Greifvogel- u. Eulenarten 6: 433-459
Staatliche Vogelschutzwarte Brandenburg 2016: Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel. Stand 20.09.2016. http://www.lugv.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/vsw_dokwind_voegel.pdf
Dipl.-Ing. Wilhelm Breuer
EGE – Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.
www.ege-eulen.de
Breitestr. 6
D-53902 Bad Münstereifel
egeeulen@t-online.de
Weiteres zum Thema Windkraft auf ageulen.de hier
Auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Rates für Vogelschutz (DRV) am 28. Oktober 2017 in Münster wurde die AG Eulen einstimmig aufgenommen. Die AG Eulen ist das 19. Mitglied des Verbandes.
Der DRV wurde bereits 1923 in der Weimarer Republik gegründet. 1950 wurde er in der Bundesrepublik neu gegründet. Seit 1961 gibt der DRV die Zeitschrift „Berichte zum Vogelschutz“ heraus.
Ziel des DRV ist der Schutz der Vogelwelt und ihrer Lebensräume auf wissenschaftlicher Grundlage sowie das Eintreten für den Tierschutz einschließlich der praktischen Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf diesem Gebiet. Auf der Homepage des DRV http://www.drv-web.de/ kann man sich darüber genauer informieren.
Als ersten Beitrag zur Arbeit des DRV wird die AG Eulen die Frühjahrstagung 2018 des DRV in der Rhön mitorganisieren.
29.10.2017
Unser Mitglied Karl-Heiz Graef bot dem SWR Fernsehen Einblicke in den Eulenschutz. Der Film wurde am 17.10. um 18:45 Uhr im SWR Fernsehen BW gesendet.
29.10.2017
zum Eulenschutz durch die Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz im Landkreis Ludwigsburg des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) – Ortsgruppe Oberstenfeld e.V.
Nähere Informationen unter https://www.ag-eulenschutz.de/förderung/
Eulen-Rundblick Nr. 67 – Mai 2017: Seiten 31-36
von Wolfgang Scherzinger
1 Einleitung
Die Beziehungen zwischen Menschen und Eulen haben sich in der jüngeren Vergangenheit zu Gunsten einer weltoffenen und aufgeklärten Betrachtung dieser hoch spezialisierten Beutegreifer gewandelt, und statt „unheimlicher Nachtgespenster“ erkennen wir in den Eulen wichtige und schützenswerte Glieder unserer Ökosysteme.
Die Faszination, die von den gedrungenen Vögeln mit dem ausdrucksvollen „Gesicht“, ihrem meist seidig weichen Gefieder und dem – für unsere Ohren – lautlosen Flug ausgeht, wird heute aber zunehmend für Geschäftsinteressen missbraucht. Der attraktive Einsatz von lebenden Eulen für Tierschauen, Flugvorführungen oder gar als Streicheltiere wird meist als Information und Aufklärung pro Artenschutz angeboten, ist aber häufig mit tierschutzwidriger Tierhaltung und Präsentation verknüpft. Dieser Beitrag richtet sich nicht gegen eine artgerechte Tierhaltung im Rahmen von Zuchtprogrammen oder Rehabilitation für Forschung und Arterhaltung, sondern gegen einen rasch anwachsenden Trend zum show-business auf Kosten der Gesundheit und Unversehrtheit von Wildtieren.

Die Haltung von Eulen in Gefangenschaft ist komplex, da die arteigenen Ansprüche der großteils dunkelaktiven Vögel an Deckung und Rückzugsmöglichkeit zu berücksichtigen sind sowie bestmögliche Sicherheit vor Rivalen, Konkurrenten oder Fressfeinden zu gewährleisten ist. Da Eulen tagsüber mehr oder minder reglos ruhen, unterschätzen viele Tierhalter den hohen Raumbedarf der meisten Vertreter aus dieser Vogelgruppe während ihrer Aktivitätsphase. Eulen sind durchaus gewandte Flieger, wobei Arten mit reißend-schnellem Flug besonders viel Flugraum benötigen (z. B. Sperlingskauz, Sperbereule). Auch folgt die oft zu beobachtende Haltung von Eulen in dunklen Gewölben oder rundum abgeschirmtem Gemäuer einer falschen Romantik, zumal die „Nachtvögel“ sich sehr gerne sonnen und auch beregnen lassen. Auch dass Eulen in frischem Wasser ausgiebig baden und – speziell zur Brutzeit – regelmäßig trinken, bleibt in vielen Tierhaltungen oft unberücksichtigt.
2 Stressbelastungen durch Missachtung artspezifischer Ansprüche
Im kommerziellen Schaubetrieb werden solche grundlegenden Bedürfnisse der Eulen nicht nur ignoriert, die durchaus stressempfindlichen Vögel werden vielmehr Situationen ausgesetzt, die ihrem Verhalten zur Gänze widersprechen:
2.1 Flugvorführungen außerhalb der artspezifischen Aktivitätszeit. Von den europäischen Eulenarten können nur Schneeeule, Sumpfohreule und Steinkauz als dämmerungs- und lichtaktiv eingestuft werden. Sperlingskauz, Sperbereule und Habichtskauz sind vorwiegend dämmerungsaktiv, fakultativ auch tagaktiv. Alle anderen Arten haben ihren Aktivitätsschwerpunkt in der Dunkelphase, was in besonderem Maße für Zwergohreule, Rauhfußkauz und Schleiereule gilt (Abb. 3, 5). Die für die Show erzwungene Flugaktivität bei vollem Tageslicht stellt zumindest für die letztgenannten Eulenarten eine Tierschutzwidrige Stresssituation dar.
2.2 Aus Kostengründen und zur Platzersparnis werden Eulen im Schaubetrieb häufig durch Lederriemen an den Beinen an einer Sitzstange fixiert – analog zur Falknerei. Auch wenn Besucher diese Anbindehaltung häufig einer Volierenhaltung gegenüber bevorzugen, weil die Vögel völlig „frei“ wirken – und nicht „hinter Gittern eingesperrt“, so wird in aller Regel übersehen, dass der Bewegungsradius derart fixierter Eulen oft kaum einen Meter weit reicht (Abb. 1).
2.3 Da nur den wenigsten Individuen einer Eulenshow tatsächlich ein Freiflug gewährt wird, erduldet der Großteil die Anbindehaltung lebenslang – meist ab dem frühen Ästlingsalter! (Im Fall eines Sperlingskauzes, der im Freiland ein Revier von gut 1 km2behaupten würde, bietet die Anbindehaltung gerade noch wenige Dezimeter an Bewegungsraum.) Eine dauerhafte Fixierung mit eng anliegenden Lederriemen kann darüber hinaus zu schweren Schäden an den Beinen führen (Überdehnung infolge wiederholter Abflugversuche, Entzündungen infolge permanenten Scheuerns an der Befiederung; Abb. 2; McKeever 2015).
2.4 Zur besseren Handhabung und Präsentation sind Sitzkruken, Jule oder Hohes Reck möglichst niedrig gehalten, zumal abgesprungene Vögel in dieser Situation leichter auf ihren Sitzplatz zurückfinden, ohne sich mit dem Geschüh zu verheddern. Dadurch sind Eulen, die im Freiland einen gut gedeckten Ruheplatz in sicherer Höhe aufsuchen würden, gezwungen, in Brust- oder Augenhöhe der Besucher zu sitzen, völlig ungeschützt vor deren Blicken, ohne jede Deckung und auch ohne jede Fluchtmöglichkeit (Abb. 1). (Einer solchen Stressbelastung wären freilebende Eulen nur bei ausweglosen Situationen gegenüber einem überraschend auftretenden Fressfeind ausgesetzt.) Die Belastung wird potenziert, wenn das Publikum ganz nahe an die Vögel herantreten kann, um z. B. aus nächster Nähe zu fotografieren, oder im Extremfall sogar zum Berühren, Streicheln oder „Schmusen“ aufgefordert wird (Abb. 3, 4; Tab. 1).

2.5 Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind Eulen Einzelgänger, leben bestenfalls paarweise, jedenfalls nicht in sozialen Verbänden. Die Präsentation mehrerer Eulenindividuen in enger Nachbarschaft widerspricht dem Bedürfnis nach Mindestdistanz und Rückzug. Im Schaubetrieb wird diese Stresssituation durch die Kombination unterschiedlicher Eulenarten in enger Nachbarschaft noch verstärkt, zumal kleinere Arten ins Beutespektrum der größeren Eulen fallen (Abb. 6, 7). Dieses Problem steigert sich in der üblichen Kombination von Eulen mit Greifvögeln und Falken, im Extrem auch mit Jagdhunden (Tab. 1). Das allmähliche Abstumpfen der Eulen im Dauerstress wird fälschlich als „Gewöhnung“ interpretiert. Sehr viel realistischer fallen derart exponierte Eulen in einen „Konfliktschlaf“, ein Verhalten, das freilebende Eulen nur bei völlig auswegloser Feindbegegnung zeigen (Abb. 7).

2.6 Auf Grund ihrer runden, „übergroßen“ Köpfe und der ausdrucksvollen Augen wirken manche Eulenarten auf den menschlichen Betrachter geradezu „puppenhaft“, was häufig ein Bedürfnis nach Berühren, wenn nicht Streicheln oder gar „Schmusen“ auslöst. Schausteller bieten einen solch engen Kontakt mitunter gezielt an (z. B. werben „owl cafes“ mit einem solchen Angebot; Abb. 4, 6, 7), wiewohl gesunde Eulen solche Berührungen typischerweise meiden – auch dem Artgenossen gegenüber. Selbst „trainierte“ Individuen reagieren entsprechend ablehnend – mit erregtem Schnabelknappen, Fauchen, Unlust- Zwitschern oder Abwehr-Schirken, wenn nicht sogar Zubeißen. – Eulen sind – und das gilt auch im Schaubetrieb – echte Wildtiere; sie eignen sich weder als Heimtiere noch als Kuschelobjekte (vgl. Nosowitz 2015).
3 Gezielte „Produktion“ show-tauglicher Eulen
Es steht außer Frage, dass Eulen, die in engem Kontakt mit Menschen aufwachsen, dessen Nähe und Berührung besser tolerieren und weniger gestresst reagieren als Vögel aus Naturbruten. Folgerichtig werden Eulen für den Schaubetrieb vermehrt von Hand aufgezogen. Unter Berücksichtigung essentieller Kriterien können solche Handaufzuchten durchaus zu vollwertigen Vögeln heranwachsen, die arttypisches Verhalten zeigen, inklusive Fortpflanzung und Jungenaufzucht (Tab. 2). In diesem Zusammenhang müssen als Schlüsselkriterien der enge Sozialbezug zu arteigenen Eulen ab frühem Nestlingsalter und eine vollwertige Ernährung herausgegriffen werden. Denn zum einen wird das Erkennen der eigenen Art durch „Prägung“ auf die Merkmale des anwesenden „Kumpanen“ in sehr frühem Alter festgelegt. Dabei spielen Nestgeschwister eine ebenso wichtige Rolle wie die Elterntiere. Dieser irreversibel bzw. zeitlebens festgelegte Lernprozess entscheidet über späteres Rivalenverhalten sowie die Partnerwahl im fortpflanzungsfähigen Alter (Thaler-Kottek 2016).

3.1 Durch gezielte Handaufzucht von Einzelvögeln erreicht der Tierpfleger eine „Prägung“ auf menschliche „Kumpane“. Solche Eulen begegnen in ihrer Jugend auch anderen Menschen völlig vertraut, betteln diese an und lassen sich auch bereitwillig kraulen. Kaum erwachsen, kann sich dieser freundliche Bezug allerdings rasch umkehren, denn jetzt erkennen die Vögel im Menschen entweder einen gleichgeschlechtlichen Rivalen, den sie in ungehemmter Aggression attackieren, oder sie sehen einen Paarpartner, den sie beständig anbalzen, mit dem sie gelegentlich auch zu kopulieren versuchen. Umgekehrt verhalten sich solch „fehl-geprägte“ Eulen ablehnend bis aggressiv gegenüber den „richtigen“ Artgenossen, weil sie diese als artfremd einschätzen (Tab. 2). Somit sind auf Menschen geprägte Eulen nicht nur für Artenschutzprojekte – wie Zucht oder Wiederansiedlung – gänzlich unbrauchbar, sondern können durch ihr aggressives Verhalten sogar zum Gefährdungsrisiko für Personen werden (Vier Pfoten2015)! Derartig fehlentwickelte Eulen werden mit zunehmendem Alter für Streichelangebote oder Flug-Shows ungeeignet – und werden daher auch laufend durch „liebe“ Jungtiere ersetzt! Liest man die einschlägigen Inserate, dann landen die „verbrauchten“ Alt-Eulen vermutlich beim Präparator.
3.2 Große Zuchtbetriebe, wie sie sich in letzter Zeit ausschließlich zur „Produktion“ von Jungeulen für Schauzwecke etablieren konnten, ziehen Jungeulen – per Hand – in gemischten Gruppen auf. Nestlinge lernen somit neben dem menschlichen Pfleger (als „Eltern-Kumpan“) diverse artfremde Eulen als „Geschwister-Kumpan“ kennen. Sofern sie im Adultstadium überhaupt zur Brut schreiten, bevorzugen sie in jedem Fall den artfremden Partner gegenüber dem artgleichen. Es verwundert daher nicht, dass gerade bei fehlgeprägten Handaufzuchten in „gemischten“ Gruppen sehr ungewöhnliche Art-Hybride aufgezogen werden: wie Waldohreule x Waldkauz (Askani 2003), Schneeeule x Uhu (Burkhardt 2013), Bartkauz x Habichtskauz (Wings 2016). – Aktuell werden durch Handaufzucht absichtlich fehlgeprägte Eulen unterschiedlichster Arten für Schausteller und als Maskottchen gezielt beworben (z. B. Wings-Eulenzucht/Holland). Diese Fehlentwicklung gipfelt derzeit in den japanischen „owl cafes“, wo eigens „trainierte“ Jungeulen auf Julen zum Kraulen und Kosen für jedermann angeboten werden, für selfies herumgetragen werden können oder einfach nur als Dekoration auf den Kaffeehaustischchen angebunden sind (Abb. 4, 6, 7).
3.3 Um die durch Handaufzucht erreichte „Zahmheit“ dauerhaft zu erhalten, versuchen manche Züchter, die natürliche Entwicklung der Jungeulen zu reifen Altvögeln zu unterbinden. Eine solche Infantilisierung kann im Einzelfall durch besonders intensive Betreuung einzeln gehaltener Jungvögel erreicht werden (Kraulen, Herumtragen, Füttern mit kleinen Leckerbissen), am sichersten gelingt sie aber durch Mangelernährung. Das Rezept heißt Unterernährung trotz Sättigung (mit minderwertigem Futter). Die Jungvögel entwickeln zwar ein arttypisches Altersgefieder, so dass die körperliche Kümmerform nicht gleich auffällt, doch stagniert die Reifung ihrer Verhaltensausstattung. Infolge sogenannter „Deprivation“ (vgl. Thaler-Kottek 2016) verharren die Vögel lebenslang im Stadium eines unselbständigen Jungvogels, damit in dauerhafter Abhängigkeit vom Pfleger – und betteln entsprechend auch noch im Erwachsenenalter (Tab. 2). Solche Verhaltenskrüppel wirken auf unbedarfte Besucher besonders „süß“, vermitteln aber bestenfalls ein Zerrbild einer gesunden Eule (Vier Pfoten 2015). Auch sind solche Vögel für Artenschutzprojekte verloren.
4 Richtlinien gegen einen tierschutzwidrigen Missbrauch von Eulen für Schauzwecke
Wiewohl Eulen in zunehmendem Maße in Flugvorführungen und Tierschauen eingesetzt werden, wird die missbräuchliche Aufzucht und stressende Schaustellung vielfach nicht in vollem Umfang erkannt. Ja sogar renommierte Zoologische Gärten unter wissenschaftlicher Leitung setzen Schauflüge mit nachtaktiven Schleiereulen als Besucherattraktion ein, sowie Uhujunge als Streichelobjekte oder „zahme“ Bartkäuze für das Familienfoto.
In Österreich aber haben Tierärzte und fachlich geschulte Tierschutz-Ombudsleute die Problematik jüngst aufgegriffen, und – im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit in Wien – einen Leitfaden zur Beurteilung derartiger Schaustellungen im Spiegel der aktuellen Tierschutz-Gesetzgebung erstellt. Dieser Leitfaden (Arbeitsgruppe des Vollzugsbeirats 2015) sei hier in stichwortartigen Auszügen vorgestellt:
4.1 Lebende Tiere dürfen für Filmaufnahmen, Werbung oder Schaustellung nicht herangezogen werden, wenn damit schwere Angst, Leiden oder Schmerzen verbunden sind (TSchG § 5 Abs. 1 und 2); ebenso ist eine Bewegungseinschränkung unzulässig, wenn diese schwere Angst verursacht. Entsprechend ist die Anbindehaltung verboten (TSchG § 16 Abs. 1, 2, 3 und 6).
4.2 In der 2. THVO (Anlage 2) wird explizit ein Verbot der Anbringung eines Geschühs für Eulen (sowie Greifvögel, Rabenvögel etc.) ausgesprochen, sofern diese nicht als Beizvögel geflogen werden. In Konsequenz dürfen Eulen nur in ausreichend großen und artgerecht gestalteten Volieren gehalten werden.
4.3 Bei der Jungvogelaufzucht ist die Prägung auf dieselbe Art sicherzustellen; eine Fehlprägung auf Menschen ist zu vermeiden. Handaufzuchten müssen die Ausnahme bleiben und dürfen nicht aus kommerziellen Gründen erfolgen (2. THVO § 4 Abs. 5 und Anlage 2).
4.4 Das Futter muss den ernährungsphysiologischen Bedarf der Vögel in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien decken. Dabei muss das dargebotene Futter der artspezifischen Beutebehandlung entsprechen (2. THVO § 4 Abs. 7).
4.5 Eulen dürfen keinem Stress durch unmittelbare Nähe von anderen Tieren und Besuchern ausgesetzt werden. Entsprechend muss bei der Präsentation von Eulen ein ausreichender Abstand zum Betrachter eingehalten werden. Darüber hinaus ist eine verhaltensgerechte Rückzugsmöglichkeit zu gewährleisten (2. THVO Anlage 2). Das Berühren der Eulen durch Besucher und andere fremde Personen ist zu untersagen.
4.6 Typisch dunkelaktive Eulen dürfen nicht zu artfremder Tagaktivität gezwungen werden (z. B. im Rahmen von Schauflügen).
5 Ausblick
Tierschutz, Artenschutz, Naturschutz und Umweltschutz erscheinen uns oft als voneinander unabhängige, z. T. sogar widersprüchliche Konzepte zur Bewahrung der Schöpfung bzw. einer lebenswerten Umwelt. In den hier dargelegten Aspekten zur tierschutzgerechten Eulenhaltung fließen aber gleich mehrere Schutzziele zusammen, da eine art- und verhaltensgerechte Tierhaltung Ansatzpunkt für Zuchtprogramme zur Wiederansiedlung örtlich verschollener Arten sein kann (z. B. erfolgreiche Projekte mit Uhu, Habichtskauz, Steinkauz), unverfälschte Anschauung für didaktisch-pädagogische Anliegen bietet sowie ein wertvolles Angebot für spezielle Forschungsfragen stellt.
In jedem Fall ist auf breiter Basis darauf hinzuarbeiten, dass die Tierschutz-Problematik bei der Haltung und Schaustellung von Eulen erkannt und thematisiert wird, damit derart sensible Wildvögel wie die Eulen nicht für billige Schaustellerei missbraucht bzw. in ihrer körperlichen Gesundheit und artgemäßen Verhaltensentwicklung nachhaltig geschädigt werden. Dazu müssen Problembewusstsein und kritische Diskussion europaweit erwachsen, um die entsprechenden Kriterien für eine vertretbare Präsentation von Eulen europaweit festzuschreiben.
6 Literatur und Internetquellen
Arbeitsgruppe des Vollzugsbeirats 2015: Leitfaden zur Beurteilungvon Greifvogelvorführungen. Österr. Bundesmin. Gesundheit, AbteilungTierschutz; Wien. https://www.vetmeduni.ac.at/fileadmin/v/fachstelle-tierhaltung/Leitfaden_zur_Beurteilung_von_Greifvogelflugvorführungen_20160217
Askani T 2003: http://www.tanja-askani.de/ta_photos_jaeger.html
Burkhardt W 2013: Der Schnuhu (Schneeeulen-Uhu-Hybride). https://www.tz.de/bayern/ueberraschende-kreuzung-tierreich-schnuhu-mischung-schneeeule-eule-3069906.html
McKeever K 2015: Wildlife Rehabilitation – Leave it to the Professionals. The Owl Foundation News, Vineland- Ontario
Nosowitz D 2015: The bird-brained idea behind Japan’s Owl Cafés. Audubon Society; http://www.audubon. org/news/the-bird-brained-idea-behind- japans-owl-cafes
Thaler-Kottek E 2016: Gscheite Tiere – Intelligenz und Lernleistungen im Tierreich. 119 S., Münster
Vier Pfoten 2015: Greifvogel-Shows. http://www.vier-pfoten.at/projekte/eulen-und-greifvogelstation-haringsee-egs/greifvogelshows/
Wings 2016: http://www.eulenzuchtwings.de
Dr. Wolfgang Scherzinger
Roßpoint 5
D-83483 Bischofswiesen / OT Stanggass
Ernst Kniprath
17.10.207
Kaatz (2013) hatte mitgeteilt, dass Schleiereulenbrutkästen, die einmal von Dohlen zur Brut benutzt worden waren, für Schleiereulen untauglich wären. Dem hatte Kniprath (2014) in dieser generellen Form widersprochen. Dort wurde mit Fotos belegt, dass Schleiereulen durchaus in zuvor von Dohlen benutzten Kästen brüten können.

Auch dieser Widerspruch greift in dieser generellen Form zu kurz. Wie das beigefügte Foto aus der Direktübertragung im Internet zeigt, sorgen Dohlen mit ihrem Nistmaterial durchaus für Schwierigkeiten, wenn sie ihr Nest nicht vollständig bauen konnten. Die Eulen sitzen hier auf dem von den Dohlen als Nestbasis eingetragenen Reisig. Sollten sie hier eine Brut versuchen, müsste sie misslingen. Die Eier lägen auf oder halb in dem Reisig. Das Eulenweibchen hätte keine Chance, sie zu wenden oder auch so zusammen zu rollen, dass ihr Brutfleck sie optimal decken und damit wärmen könnte. Im Normalfall zerbeißen Eulenweibchen alte Gewölle und stellen damit eine recht glatte Fläche her. Auf dieser sind die Eier ziemlich leicht zu rollen. Selbst wenn hier Gewölle zerbissen würden, fiele das bröselige Material zwischen die Zweige und könnte keinen passenden Untergrund für das Gelege bilden.
In dem Nistkasten der Abbildung gab es im Frühjahr 2016 genau die gleiche Situation. Auch hier saß ein Eulenpaar auf dem Reisig oder auf einer damals sichtbaren Sitzstange. Die Betreuer des Kastens hatten, wie im Internet zu verfolgen war, bei Abwesenheit des Eulenpaares am Abend das Reisig entfernt. Noch am darauf folgenden Morgen erschienen die Eulen wieder und vermissten offensichtlich das Reisig nicht. Sie brüteten später hier erfolgreich.
Kaatz G 2013: Die Dohle, Nistplatz- und Nahrungskonkurrent von Schleiereule Tyto alba und Steinkauz Athene noctua und mutmaßlicher Prädator des Steinkauzes. Eulen-Rundblick 63: 23-24
Kniprath E 2014: Zu: Kaatz G 2013: Die Dohle …… Eulen-Rundblick 64: 82
12.10.2017
In den Rheinauen um Karlsruhe (ca. 100 m über NN) kann man zur Zeit die Herbstbalz der Waldkäuze beobachten und vor allem hören: Neben der als Spannungselement aus Filmen bekannten Revierstrophe der Männchen und dem von beiden Geschlechtern vorgetragenen kiu-witt ist dabei von einer großen Palette von modifizierten kiu-witt-ähnlichen Rufen über ein recht schaurig klingendes Geheul bis zum Nestanzeige-Triller der Männchen (der aber nach meinen Beobachtungen auch vom Weibchen vorgetragen werden kann) das gesamte Rufrepertoire zu hören.
Dabei sind die Käuze allerdings wie immer recht launisch. Oft ist einfach nichts zu hören, wenn aber irgendwo einer beginnt, zu rufen, dann antworten die Kollegen aus der weiteren Nachbarschaft – um so lieber, je intensiver die Balzlaute sind.
von userem langjährigen Mitglied Hans Peter König
06.10.2017
Ich beschäftige mich seit meiner Kindheit mit Schleiereulen; zuerst im Saarland – ab 1980 in NRW. Als Forstbeamter hatte ich viel mit Landwirten zu tun (Erstellung von Forstbetriebswerken; u.a. auch Teilbereich “Natur- und Landschaftspflege”). Immer wieder fragte ich Hofbesitzer, ob Schleiereulen da wären. Oft bekam ich positive Meldungen. Dutzende Nistkästen habe ich gebaut und aufgehängt; einige wurden sogar spontan angenommen. Fast alle Kästen wurden besetzt: Turmfalke, Waldkauz, Bachstelze, Hornissen, Wespen… Kirchturmbruten gab es meines Wissens im HSK nicht (anders als z.B. im Saarland).
Mein Aktionsraum im HSK liegt/lag im Wuchsbezirk „Innersauerländer Senken“ – einem relativ waldarmen Gebiet innerhalb des Sauerlandes. Prägend ist der relativ hohe (Intensiv-)Grünlandanteil (Milchviehwirtschaft), relativ wenig Ackerbau (heute hoher Maisanteil), Forstflächen auf den steileren Lagen und Kuppen, mäuse- und heidelerchenreichen Weihnachtsbaumkulturen, offene Bachtäler. Höhenlage: unter 200 m NN bis etwa 500 m NN.
Doch warum schreibe ich diese Zeilen?
Die Situation der Schleiereule im Hochsauerlandkreis (fast so groß wie das Saarland – was Fläche und Einwohnerzahl angeht) scheint mehr als katastrophal. Hierzu ein paar Zahlen1):
Für den selben Zeitraum Daten des Uhus:
Laut OAG gab es von 1976 bis 1986 weniger als 5 besetzte Reviere.
Da muss man sich doch die Frage stellen, welche Ursachen für den Rückgang der Schleiereulen verantwortlich sind. Beide Arten ernähren sich im wesentlichen von Feldmäusen. Und von denen gab es in den letzten Jahren reichlich (mehrere Gradationen). Nistkästen für die Schleiereulen sind mehr als genügend vorhanden. Und die Schneelagen spielen auch kaum noch eine Rolle. Und angestrahlte Kirchtürme: s.o.
Mäusefressende Säugetier- und Vogelarten haben vom Mäusereichtum und v.a. von der Erreichbarkeit (4 bis 5 mal wird Gras geschnitten) enorm profitiert. Bussarde, Rot- und Schwarzmilane, Turmfalken, Schwarzstörche, Graureiher finden sich oft scharenweise auf dem frisch gemähten Intensivgrünland. Wiesel Fuchs und Co. sieht man überall reichlich, auch tagsüber! Aber warum gibt es offensichtlich keine Schleiereulen im HSK mehr (oder nur noch Restbestände)? Jeder weiß um die Vermehrungsstrategie dieser Art.
Zu denken geben mir immer wieder Aussagen von Landwirten: …früher waren immer Schleiereulen da, aber seit der Uhu abends hier herumfliegt, gibt es keine Schleiereulen mehr … Ich kann das aus eigenen zufälligen Beobachtungen nur bestätigen.
Wenn ich mir die Eulenrundbriefe (ich habe sie noch alle) anschaue lese ich v.a. in den neueren Ausgaben immer wieder, dass gemutmaßt wird, Schleiereulen gehören zum Beutespektrum des Uhus.
Ich habe gar nichts gegen den Uhu – im Gegenteil: eine grandiose Erfolgsgeschichte. Was mich allerdings enorm stört ist die Hype um diese Art. Uhu Uhu über alles ! Jeder tote Uhu ist eine Katastrophe; Meldungen darüber finden wir in Berichten, Printpresse und Fernsehen . Trotzdem steigen die Brutzahlen weiter und weiter …
Das stille Sterben der Schleiereulen geht weiter. Hat der Uhu sie doch zum Fressen gern?
Die Aussage der OAG des VNV im Hochsauerlandkreis, dass sich “…die Bedingungen…für die Schleiereule weiter verschlechtert haben”, erscheint aus meiner Sicht wenig glaubwürdig, den Rückgang einzig und allein damit zu begründen. Man kann ja das Anstrahlen von Kirchtürmen untersuchen – dennoch scheinen Untersuchung hinsichtlich des Einflusses des enorm gewachsenen und offensichtlich noch weiter wachsenden Uhu Bestandes auf kleinere Eulenarten wichtig.
Anmerkungen der Redaktion:
Im Eulenrundblick 67 berichten Ernst Kniprath & Susanne Stier-Kniprath von ihrer Untersuchung über den Einfluss des Uhus auf eine Schleiereulenpoulation am Mittelgebirgsrand bei Einbeck (Kreis Northeim, Niedersachsen). Sie stellen ebenfalls einen Rückgang und eine erhöhte Mortalität der Schleiereule fest. Die Schleiereulen scheinen dem Uhu auszuweichen. Diskutiert wird auch, ob bereits die jungen Schleiereulen in der Dispersalphase wegen der Gefahr durch den Uhu die entsprechenden Gebiete meiden.
Interessant wäre, herauszubekommen, wie die Zusammenhänge im Sauerland sind.
Die diesjährige Eulentagung findet vom 20.10. bis 22.10.2017 im Christian Jensen Kolleg in Breklum / Schleswig-Holstein statt.
Anmeldungen zur Tagung bitte mit vollständiger Adressenangabe bis spätestens 05.10.2017 an Armin Jeß, Kirchenweg 3, 25870 Oldenswort, Tel: 04864-2718849, E-Mail: jess.armin@gmx.de.
Mitglieder können sich auch per Web-Formular hier anmelden.
Die Beschreibung der Anreise finden Sie hier
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Freitag, 20. Oktober 2017
Samstag, 21. Oktober 2017
9:00 Uhr Themenkreis: Vereinsarbeit LVE-SH für Eulenschutz und Forschung
9:45 – 10:30 Uhr Kaffeepause
12:00 – 13:30 Uhr Mittagpause
13:30 Uhr Fortsetzung verschiedener Themen
15:45 – 16:30 Uhr Kaffeepause
16:30 Uhr Beiträge zu verschiedenen Themen
ab 18:00 Uhr Abendessen
20:00 Uhr Mitgliederversammlung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen e.V.
Sonntag, 22. Oktober 2017
8:30 Uhr Treffen zu den Exkursionen
Tagungsende gegen 12:00 Uhr
Wir trauern um unser Ehrenmitglied Dr. Theodor Mebs. Theodor Mebs verstarb am 24.07.2017 nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 87 Jahren. Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.
Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Anna Mebs, seinen Kindern und Enkeln. Eine Würdigung seiner Verdienste für die AG Eulen werden wir in einem Nachruf im nächsten Eulen-Rundblick publizieren.
Der Vorstand der AG Eulen
21.07.2017
Wie im aktuellen Eulen-Rundblick dargestellt, werden Kirchen zunehmend in der Nacht mit Scheinwerfern angestrahlt. Ob dies Einfluss auf den Bruterfolg von Schleiereule und Uhu hat, ist von großem Interesse für die AG Eulen, um zu diesem Thema verlässliche Fakten zu sammeln und daraus Erkenntnisse für den praktischen Eulenschutz zu gewinnen.
Bei dieser Umfrage geht es nicht um einzelne Bruten, sondern um möglichst langjährig vergleichbare Datenreihen.
Fragen zur Datenerfassung:
1. Gebäudetyp mit Beleuchtung (Scheune, Kirche, sonstiges), wo Schleiereule oder Uhu brüten?
2. Wie wird das Gebäude nachts angestrahlt bzw. indirekt beleuchtet? (Wandfluter, temporäre Beleuchtung, …)
3. Befindet sich die Einflugöffnung im Lichtkegel?
4. Gibt es sonstige (regelmäßige) Störungen im Gebäude und nahem Umfeld, die den Bruterfolg beeinträchtigen können? (Lärm durch landwirtschaftliche Maschinen, Heuentnahme, Reinigungskräfte, Besucherverkehr, …)?
5. Wie viele Jungvögel sind in den vergangenen Jahren (Anzahl der Jungvögel pro Jahr getrennt auflisten) an den beleuchteten Brutplätzen geschlüpft bzw. ausgeflogen?
6. Wie viele Jungvögel sind in den vergangenen Jahren (Anzahl der Jungvögel pro Jahr getrennt auflisten) an anderen Brutplätzen ohne Beleuchtung geschlüpft bzw. ausgeflogen?
7. Angaben zum Untersuchungsgebiet (Lage, Größe)?
Die Daten sollten bis Ende September 2017 an martin.lindner@ageulen.de oder per Post (Parkstr. 21, 59846 Sundern) gesendet werden. Es ist beabsichtigt, aussagefähige Umfrageergebnisse im nächsten ER zu veröffentlichen. Falls möglich, werden schon bei der nächsten Jahrestagung erste Ergebnisse vorgestellt.
Martin Lindner
Von Hans-Jürgen Stork
Auf leisen Schwingen und mit scharfen Ohren fliegt der Waldkauz im Dunkeln auf die im Laub raschelnde Maus zu und packt sie mit seinen scharfen Krallen. Ein Biss in den Hinterkopf führt zum schnellen Tod des kleinen Nagetiers.
Der nächtliche Räuber „baumt“ dann auf und verschluckt das Beutetier recht schnell in einem Stück. Erst der Magen entscheidet, dass Fell, Knochen und Zähne nicht verdaulich sind. Seine Bewegungen formen dann aus diesen Resten einen länglichen Speiballen, der wegen der darin enthaltenen Haare „Gewölle“ heißt.
Gewölle von Eulen lassen sich unter Schlaf-, Rast-, Nistbäumen und auch aus Nisthöhlen sammeln und ihre Inhalte wissenschaftlich studieren. Damit befasst sich auch die „Gewöll- und Rupfungskunde“, die dann viel mehr noch über alle Nahrungstiere von Eulen und Greifvögeln aussagen kann.
In Berlin hat sich schon vor 60 Jahren ein bedeutender Naturschützer vom Deutschen Bund für Vogelschutz DBV (heute Naturschutzbund NABU) mit der Nahrungsökologie der Eulen der Berliner Wälder befasst.
Dr. Victor Wendland 2) sammelte bei seinen vielen Begehungen im Grunewald und im Spandauer Forst regelmäßig die Gewölle von Waldkäuzen und Waldohreulen auf und analysierte ihre Inhalte, bestimmte die Beutetiere, auch ihre Menge und Anteile im Laufe von über 12 Jahren. Die Ergebnisse dieses akribischen Tuns hat Wendland in einigen Aufsehen erregenden wissenschaftlichen Artikeln veröffentlicht.
Aus der folgenden Tabelle ist zu entnehmen, dass nicht nur kleine Nagetiere gefressen wurden, sondern auch noch viele andere Wirbeltiere. Bevorzugte Beute waren die Gelbhalsmäuse - auch wohl wegen ihres relativ häufigen Vorkommens in den Berliner Wäldern. Waren sie häufig und leicht zu fangen, traten andere Mäusearten oder Vögel in den Hintergrund.
Tab. 1: Beutetiere der Waldkäuze (n = 14341) des Grunewalds (1959–1973) 3)
| Summe aller Wirbeltiere | Gelbhals- maus | Feld- maus | Rötel- maus | Ratte | übrige Nager | Spitz- mäuse | Übrige Kleinsäuger | Amphibien, Fische | Vögel | |
| 1959 | 866 | 146 | 176 | 5 | 20 | 69 | 236 | 11 | 63 | 92 |
| 1960 | 711 | 125 | 86 | 36 | 48 | 74 | 71 | 19 | 111 | 141 |
| 1961 | 759 | 304 | 27 | 28 | 85 | 26 | 30 | 17 | 72 | 170 |
| 1962 | 2036 | 532 | 112 | 89 | 100 | 83 | 97 | 21 | 257 | 745 |
| 1963 | 1448 | 345 | 107 | 57 | 55 | 72 | 134 | 24 | 168 | 486 |
| 1964 | 1508 | 585 | 111 | 80 | 54 | 64 | 33 | 24 | 84 | 473 |
| 1965 | 1208 | 381 | 83 | 44 | 59 | 38 | 16 | 14 | 77 | 494 |
| 1966 | 1261 | 246 | 156 | 24 | 67 | 22 | 23 | 16 | 57 | 650 |
| 1967 | 1382 | 532 | 97 | 63 | 48 | 30 | 28 | 25 | 10 | 549 |
| 1968 | 789 | 271 | 68 | 47 | 14 | 28 | 23 | 10 | 10 | 318 |
| 1969 | 348 | 77 | 18 | 7 | 6 | 0 | 2 | 6 | 11 | 215 |
| 1970 | 640 | 232 | 57 | 13 | 14 | 23 | 8 | 5 | 9 | 279 |
| 1971 | 439 | 137 | 29 | 24 | 13 | 2 | 1 | 4 | 6 | 223 |
| 1972 | 470 | 108 | 37 | 17 | 23 | 10 | 4 | 11 | 11 | 249 |
| 1973 | 478 | 66 | 61 | 14 | 11 | 15 | 7 | 8 | 0 | 296 |
| Summe | 14341 | 4087 | 1225 | 596 | 617 | 562 | 713 | 215 | 946 | 5380 |
Wendland hielt als Vogelkundler auch noch andere Beobachtungsdaten in seinem Tagebuch fest. Lebensweise der Eulen und die Veränderungen ihrer Lebensräume fanden sein besonderes Interesse Brutbestände und Bruterfolg wurden sehr genau untersucht.
Tab. 2. Vermehrung der Waldkäuze des Berliner Grunewalds von 1958—1971
| 1958 | 59 | 60 | 61 | 62 | 63 | 64 | 65 | 66 | 67 | 68 | 69 | 70 | 71 | Summe | |
| Festgestellte Paare | 9 | 13 | 17 | 16 | 15 | 15 | 17 | 17 | 17 | 19 | 20 | 20 | 19 | 18 | 232 |
| davon mit Bruterfolg | 2 | 10 | 7 | 4 | 5 | 7 | 13 | 6 | 8 | 14 | 4 | 10 | 9 | 8 | 107 |
| ausgeflogene Junge | 4 | 23 | 15 | 13 | 6 | 7 | 28 | 9 | 15 | 32 | 5 | 19 | 21 | 17 | 214 |
Oecologia (Berl.) 20, 301-310 1975.
Die 107 Paare hatten also 214 Junge, d. h. 2 Junge pro Paar,
davon 30 Paare (28,0 %) je 1 Junges = 30 Junge
50 Paare (46,6 %) je 2 Junge = 100 Junge
25 Paare (23,3 %) je 3 Junge = 75 Junge
1 Paar ( 0,9 % ) 4 Junge = 4 Junge
1 Paar ( 0,9 %) 5 Junge = 5 Junge
Als durchschnittlich kann man bei der Grunewaldpopulation den jährlichen Bruterfolg bezeichnen, wenn etwa die Hälfte der Paare Junge hochzieht. Einige Jahre heben sich durch besonders schlechten (z. B. 1962 und 1968) oder besonders guten (z. B. 1959, 1964, 1967) Bruterfolg hervor.
Anteil der Gelbhalsmäuse an der Jagdbeute und Bruterfolg der Waldkäuzen im Berliner Grunewald - nach Wendland 1975.
Abb. 2: Abhängigkeit des Bruterfolgs der Waldkäuze von der Menge der zu erbeutenden Gelbhalsmäuse.
Die Daten aus über 12 Jahren zu den Anteilen einer Beutetierart in den Gewöllen und solche zum Bruterfolg von Waldkäuzen sind in Abb 2 dargestellt. In einem dreijährigen Zyklus hoher Anteile der Gelbhalsmäuse in den Gewöllen spiegelt sich ein entsprechender Zyklus der Bestände dieser Mäuseart im Grunewald wider. Alle drei Jahre hatten sie viel Nachwuchs, und die Eulen hatten dann entsprechend schnelles und gutes Jagdglück. So konnten mehr Waldkauz-Paare zur Brut schreiten und wohl auch mehr Jungen groß ziehen.
Die Bestände von Räuber und Beute schwankten somit in einem dreijährigen Rhythmus - leicht gegeneinander versetzt. Die Anzahl der Räuber zeigte sich abhängig von der Anzahl der leicht zu fangenden Beutetiere. Dies bestätigt die in der ökologischen Forschung häufig wiederzufindenden Regeln von Lotka und Volterra. Die Waldkäuze aus Berlin konnten so sogar als Beispiel Eingang in ein Hochschullehrbuch finden.
Umweltpädagogen und Biologielehrern sei bei Gewöll-Untersuchungen empfohlen. die Daten aus den Tabellen auch in ihren Lerngruppen zu bearbeiten. Die Grafen im Diagramm kann man löschen. Die absoluten Zahlen in den Tabellen 1 und 2 können von den Kursteilnehmern in %- Werte umgerechnet und grafisch wieder dargestellt werden. Waldkäuze lieferten einst ein schönes Material für die Ableitung der Lotka-Volterra- Regeln 4).
25.05.2017
Bei der Steinkauzbrut in Winterswijk ereignete sich um 3:09 am 23.05. ein Überfall durch einen Steinmarder. Mehr...
12.05.2017
Am 11.05. 21:00 Uhr gab es im Habichtskauzkasten – einer umfunktionierten PVC-Mülltonne – eine interessante Szene zu beobachten: Das Männchen kam zum brütenden Weibchen in den Kasten und setzte sich neben sie. Es sieht aus, als wollte er wissen, wie es um das Gelege steht, er guckte immer wieder mit dem Kopf weit unter dem des Weibchens unter sie.
Im vergangenen Jahr war im Waldkauzkasten bei Beleef de Lente in den Niederlanden eine völlig gegensätzliche Szene zu beobachten: Das Männchen kam in Abwesenheit des Weibchens mit einer Maus in den Kasten und war sehr bemüht, sein Beutestück einem der Jungen zu übergeben, aber alle Locklaute halfen nur wenig. Die Jungen waren ziemlich satt und nur wenig interessiert. Plötzlich kam das Weibchen in den Kasten, ging auf das Männchen los und warf ihn äußerst rabiat aus dem Kasten, incl. einem abschließenden Tritt mit dem bekrallten Fang in den Allerwertesten.
Ob es sich um artspezifische Verhaltensunterschiede handelt, ist eine interessante Frage, die nur durch weitere intensive Auswertung von Filmaufnahmen aus dem Nistkasten zu klären ist. Dafür spricht, dass das Verbreitungsgebiet des Habichtskauzes zum großen Teil in der borealen Zone liegt und es dort auch während der Brutzeit noch sehr kalt sein kann. Die Habichtskauzmännchen übernehmen während der Abwesenheit des Weibchens die Brut und schützen so das Gelege vor Frostschäden.
Dass nicht alle Waldkauz-Weibchen so eifersüchtig reagieren, legt das Verhalten der Waldkäuze im Berliner Waldkauzkasten in diesem Jahr nahe: während der Inkubation und als die Jungen noch klein waren, übertagte das Männchen oben im Kasten (→ Bauplan des Kastens). Das Weibchen kam am Abend hoch und setzte sich neben ihn und man konnte ausgiebige gegenseitige Gefiederpflege beobachten. (Siehe auch Protokoll der Berliner Brut.)
Eulen haben sehr ausgeprägtes Geschlechterrollenverhalten: Das Weibchen ist zuständig fürs Brüten und für Pflege und Versorgung der Jungen, das Männchen muss das Futter für alle beischaffen. Erst wenn die Nestlinge so groß sind, dass sie nicht mehr ständig gehudert werden müssen, beteiligt sich das Weibchen an der Jagd, bleibt aber bei der Versorgung der Jungen dominat.
01.05.2017
Am 30.04. brachte das BR Fernsehen in seiner Sendung „Schwaben & Altbayern“ einen Film über das Kemptener Waldkauzprojekt:
Der Waldkauz - Vogel des Jahres Nistkästen für Nachtaktive
25.04.2017
Ein anfliegendes Elternteil mit Beute kündigt sich mit Rufen an – oft dem als „Schirken“ bezeichneten Erregungslaut, einem hohen Triller, der keine Ähnlichkeiten mit den übrigen Lautäußerungen hat. Die hungrigen Jungen drängen sich dann Richtung Flugloch und wenn der Altvogel ankommt, geht meistens alles sehr schnell. Für den menschlichen Beobachter am Bildschirm sieht es leicht so aus, als bekäme einfach der, der den längsten Hals macht, das Beutestück.
Dass dem nicht so ist, zeigt dieses Video von Beleef de Lente in den Niederlanden.
Sehr interessant in diesem Video sind die Lautäußerungen des Altvogels: zunächst ist das Schirken zu hören, dann beginnt er mit Warnrufen. Ob es dafür einen äußeren Grund gibt, oder ob er auf diese Weise nur den Jungvogel dazu bewegen will, „in Deckung“ zu gehen und so das Flugloch frei zu machen, wird nicht ganz klar. Als das alles nichts hilft, versucht er es mit sanfter Gewalt, begleitet von Schirken.
Auf jeden Fall bekommt das Nestgeschwister im Kasten letztendlich die Maus und nicht dasjenige, das den Nesteingang blockierte.
So lange der Hunger nicht übermäßig ist, zeigen junge Waldkäuze ein sehr diszipliniertes Verhalten in Bezug auf Futter: derjenige Junvogel, der ein Beutestück übergeben bekommt, wendet sich von den Nestgeschwistern ab und beginnt, das Beutestück zu verschlingen. Er wird dabei von den Geschwistern nicht bedrängt, auch wenn denen zuweilen die Zurückhaltung sichtlich schwer fällt. Erst wenn das Beutestück offensichtlich nicht verschlungen werden kann, versucht ein Geschwister sein Glück.
Auf diese Weise werden Verletzungen und unnötiger Energieverbrauch durch Streitereien vermieden. Gleichzeitig werden Entscheidungen des fütternden Elternteils – meistend des Weibchens – respektiert, was dem Möglichkeiten eröffnet, seinen Reproduktionserfolg aktiv zu maximieren, indem er das verfügbare Futter gerecht verteilt.
Es mehren sich die Hinweise, dass auch Schleiereulen gezielt einzelne Küken füttern.
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21.04.2017
Obwohl zahlreiche Eulen noch immer brüten, sind in einigen Regionen Deutschlands bereits größere Eulenjunge „unterwegs“ und werden aktuell wieder regelmäßig von Spaziergängern als vermeintlich verwaist oder verletzt in Obhut genommen.
Tatsächlich sind die Nachwuchs-Eulen allerdings weder das eine noch das andere, weshalb wir dringend appellieren, junge Eulen vor Ort zu belassen! Man tut den Tieren keinen Gefallen, wenn sie außerhalb ihrer natürlichen Umgebung in Pflegestationen aufwachsen müssen.
Jungeulen verlassen ihren Horst von Natur aus lange bevor sie fliegen können. Bei uns sind das vor allem Waldohreule (Asio otus), Waldkauz (Strix aluco) und Uhu (Bubo bubo), in Regionen in denen er vorkommt, auch der Habichtskauz (Strix uralensis). Junge Waldkäuze werden dabei mit Abstand am häufigsten entdeckt (und „gerettet“).
Die noch flugunfähigen Jungvögel sind bei allen genannten Arten ausgezeichnete Kletterer – das Kletterverhalten ist ihnen angeboren. In der sogenannten „Infantenristen- oder Ästlingsphase“ bewegen sie sich laufend, kletternd oder hangelnd im Astwerk oder Fels, oftmals sogar am Boden. Dort machen sie durch laute Bettelrufe auf sich aufmerksam und werden bis zum flügge werden von den Alttieren versorgt.
Bei Gefahr, beispielsweise wenn sich ein Spaziergänger nähert, kauern sie sich regungslos dicht an den Boden und reagieren selbst dann nicht, wenn man unmittelbar vor Ihnen steht.
Die so aufgefundenen Jungeulen sind aber keineswegs hilflos. Besteht keine unmittelbare Gefahr durch eine nahgelegene Straße oder freilaufende Hunde, sollte man sie daher einfach sitzen lassen. Anderenfalls kann man sie 20-30 m von der Gefahrenquelle wegtragen und auf einen Ast in Kopfhöhe setzen. Sie wird sich dann selbst kletternd in Sicherheit bringen.
18.04.2017
Dem Waldkauz sagt man allgemein nach, seine Augen seinen unbeweglich in den Augenhöhlen verankert. Mebs & Scherzinger schreiben in „Die Eulen Europas“:
Form und Verankerung des Eulenauges lassen praktisch keine Beweglichkeit zu (max. 1°).
Wie so oft in der freien Natur, hält sich auch der Waldkauz nicht immer an die Literatur, wie man in diesem Video, sehen kann:
Video mit Augenbewegung des Waldkauzes – mit freundlicher Genehmigung des Nabu Berlin
Die Beweglichkeit der Augen, die man hier auf Grund des „Rote Augen Effektes“ unter der Infrarotbeleuchtung gut sehen kann, beträgt ein Vielfaches von 1°.
26.02.2017
In der Brandenburgischen Akademie Schloss Criewen findet am 24. März 2017 eine eintägige Fachtagung zum Thema statt:
Nicht nur die absehbaren Klimaveränderungen zwingen insbesondere in den neuen Bundesländern die Waldbesitzer zu einem forcierten Waldumbau, keineswegs nur in Schutzgebieten. Wegen der zunehmenden Trockenheit sind artenreiche, standortgerechte Laubmischwälder auch weniger anfällig für Windwurf und Schädlingskalamitäten und damit langfristig weniger arbeitsaufwendig und insektizidärmer. Die eigentliche kostengünstige und standortgerechte Naturverjüngung gelingt aber nur bei einer verträglichen Schalenwilddichte, die in Abstimmung mit den zuständigen Jägern geregelt werden muss. Für Schutzgebiete stellt sich zusätzlich die Frage, welche Waldgesellschaften besonders schutz- und erhaltungswürdig sind. In Wildnis- und Wildnisentwicklungsgebieten kommt die Frage hinzu, ob vor ihrer rechtskräftigen Ausweisung noch Monokulturen, insbesondere fremdländischer Gehölze, aufgebrochen werden sollten, um die Renaturierung der Wälder zu beschleunigen.
Die Tagung soll zu einem weiterführenden Erfahrungsaustausch zwischen den Waldbesitzerverbänden, Waldbauern, Förstern, Jägern, Naturschützern und Behördenmitarbeitern führen.
Näheres unter http://brandenburgische-akademie.de/Veranstaltung/oekologischer-waldumbau-und-nachhaltige-waldwirtschaft/?instance_id=66950
24.02.2017
Der NABU Moers/Neukirchen-Vluyn ist seit vielen Jahren im Schutz der bedrohten Avifauna, ins Besondere der Eulen und Käuze, aktiv. Neben den recht stabilen Beständen des Waldkauzes (Strix aluco) und der Waldohreule (Asio otus) sind hier besonders die Schleiereule (Tyto alba) sowie der Steinkauz (Athene noctua) als prägende Arten der Region zu nennen. Erfreulicherweise zählt der Niederrhein zu einem der Hauptverbreitungs-Schwerpunkte des Steinkauzes. Nachdem in den vergangenen Jahren die Arbeit im Eulenschutz zunächst etwas ins Stocken gekommen war, sind die geschützten Vögel seit 2016 wieder verstärkt in den Fokus der Bemühungen gerückt.
Neben der Erfassung der Bestände durch Kastenkontrollen, Sichtbeobachtungen oder nächtliche Verhöre mittels Klangattrappe ist ein Schwerpunkt in der Sicherung und Pflege geeigneter Habitate zu sehen. Dabei wird die Pflege der hier weit verbreiteten und landschaftsprägenden Kopfweiden besonders intensiv betrieben. Die Erhaltung von Streuobstwiesen und Dauer-Grünlandflächen gestaltet sich indes wesentlich schwieriger. Hier versucht der NABU auf Politik und Kreis einzuwirken, um die Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes zu wahren.
Die Tatsache, dass die natürlichen Nistplätze der höhlenbewohnenden und -brütenden Arten zunehmend der Motorsäge zum Opfer fallen und die gebäudebrütenden Arten wie die Schleiereule unter der (energetischen) Sanierung alter Gebäude leiden, macht das Anbringen geeigneter Nistmöglichkeiten in Form von Niströhren und Nistkästen unausweichlich. Auch hier wird durch Kooperationen und viel ehrenamtliches Engagement eine Menge erreicht.
Ein viertes wichtiges Element der Schutzbemühungen ist in der Öffentlichkeitsarbeit zu sehen. Soziale Netzwerke wie facebook sind ebenso hilfreich wie Fachzeitschriften, Tageszeitungen oder Illustrierte wie die Landlust oder andere Gartenzeitschriften. Kostenfrei durchgeführte Seminare und Exkursionen an der VHS Moers runden die Kommunikation mit der Öffentlichkeit ab. Der so genannte „Runde Tisch Umwelt Moers“, eine Runde verschiedener am Umwelt-, Arten- und Landschaftsschutz interessierter Gruppierungen wie NABU, Hegering, Stadt Moers, Imker, Landwirte, LINEG und ENNI formierte sich vor rund einem Jahr. Hier werden ebenfalls Belange, die den Eulenschutz betreffen, eingebracht und vertieft.
Kooperationen sowie das in Zeiten des Internets sehr gut durchführbare „Networking“ – so auch untereinander in der AG Eulen (großes Lob!) – sollen weiter intensiviert, Kontakte zu „Profis“ zwecks eines andauernden Erfahrungsaustausches initiiert und ein Fokus auf eine Wissenschaftsorientierung gesetzt werden. „Es ist viel zu tun – Packen wir es an!“
Text und Fotos: Harald Fielenbach
23.02.2017
Vor allem während der Nestfindungsphase und zu Beginn der Brutzeit fallen jedes Jahr Waldkäuze in ungesicherte Kamine und bringen sich damit in akute Lebensgefahr.
Vermutlich untersuchen die Käuze die Öffnungen der Kamine auf ihre Eignung als Bruthöhle, da der Schornstein in seiner Bauweise einem hohlen Baum ähnelt.
Anders als in einem tatsächlichen hohlen Baum, in dem die Tiere entlang der Holzfasern und -risse teilweise einige Meter bis zum Grund und wieder zurück klettern können, bietet ein Kamin keinerlei Halte- oder Klettermöglichkeiten. Abgestürzte Käuze haben so keine Chance, ihrer Falle zu entkommen, und sterben in den meisten Fällen.
Sind Waldkäuze erst einmal in einem Kamin gefangen, versuchen sie natürlich, sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Bei dem Versuch, die glatten Schachtwände nach oben zu klettern, verausgaben sie sich völlig und bleiben letztendlich verrußt auf dem Schachtboden hocken. Nicht selten kommt es vor, dass Käuze, die nicht sofort oder gar nicht rechtzeitig gefunden werden, sich die Krallen bis auf den Knochen abreiben.
Hausbesitzer oder Mieter sollten daher speziell zu Jahresbeginn auf ein kontinuierliches Rumoren „aus der Wand“ achten. Hört das Scharren und Kratzen über eine längere Zeit nicht auf, sollte der Kamin über die Reinigungsklappe kontrolliert werden, um eventuell verunglückte Käuze rechtzeitig befreien zu können.
Es empfiehlt sich außerdem, Kamine generell durch ein Gitter entsprechend zu sichern. Schornsteinfeger können hierzu Auskunft geben.
22.02.2017

09.02.2017
Vor zehn Jahren fand die letzte Welt-Eulen-Konferenz in Groningen/NL statt. Zur nächsten weltweiten Tagung treffen sich die Eulenforscher und Eulenfreunde in diesem Jahr vom
26. bis 30. September in Evora/Portugal.
Unser Mitglied Hein Bloom/USA und seine Frau Karla sind maßgeblich an der Organisation beteiligt und bitten darum, diesen Termin vorzumerken.
Präsentationen und Beiträge werden gerne noch angenommen.
Details finden Sie auf der Website und der facebook-Seite.
http://www.woc2017.uevora.pt/
https://www.facebook.com/World-Owl-Conference-2017-229110610867087/?fref=ts
„Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutze der Eulen e.V.“
07.02.2017
Die diesjährige Jahrestagung der AG Eulen findet vom 20.-22. Oktober 2017 im Christian Jensen Kolleg in Breklum/Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein statt. Die Gemeinde Breklum liegt an der Bundesstraße 5 zwischen Husum und Niebüll. Bahnreisende erreichen Breklum über die Marschenbahn Hamburg-Westerland und fahren bis zur Bahnstation Bredstedt. Für Übernachtungsgäste ist nach Anmeldung der Ankunftszeit beim Christian-Jensen Kolleg eine kostenlose Abholung per Taxi-Service möglich.
Unterkünfte stehen im Tagungsgebäude zum Preis von 59,30 € im EZ und 50,30 im DZ pro Person/Nacht zur Verfügung. Gewünschte Unterkünfte bitte direkt im Christian Jensen Kolleg bis 20.August 2017 anmelden! (Tel: 04671-9112-0; Fax 04671-2584, E-Mail: info@christianjensenkolleg.de). Nicht reservierte Zimmer werden danach anderweitig vergeben.
Die Tagung beginnt am Freitagabend mit dem gewohnten AG Eulen-Stammtisch. Das Vortragsprogramm findet am Samstag statt und endet am Abend mit der Mitgliederversammlung, bei der entsprechend unserer Satzung wieder eine Vorstandswahl ansteht. Am Sonntagvormittag sind verschiedene Exkursionen zum Beispiel in den westlich von Breklum liegenden Beltringharder Koog und in ein Steinkauz-Revier bei Tellingstedt geplant. Die Organisation vor Ort hat Herr Armin Jeß übernommen.
Anmeldungen zur Tagung bitte mit vollständiger Adressenangabe bis spätestens 05.10.2017 an Armin Jeß, Kirchenweg 3, 25870 Oldenswort, Tel: 04864-2718849, E-Mail: jess.armin@gmx.de.
Vorträge und Poster mit Kurzfassung bitte bis 22.9.2017 an den Vorsitzenden Dr. Jochen Wiesner, Oßmaritzer Straße 13, D-07745 Jena, Tel. 03641-603334, E-Mail: jochen.wiesner@ageulen.de mitteilen.
Anmeldeformulare sowie weitere Hinweise zur Tagung können unter www.ageulen.de zu gegebener Zeit eingesehen bzw. heruntergeladen werden. Auch ein Online-Anmeldeformular wird wieder zur Verfügung stehen.
Anmeldeformular als pdf zum Versand per Post
Online-Anmeldung für eingeloggte Nutzer
28.12.2016
Auf der diesjährigen Eulentagung im Kloster Schöntal wurde ein Fotowettbewerb ausgetragen. Dazu wurden 65 Fotos eingereicht.
Die Bilder wurden mit Nummern versehen (keine Namensnennung des Fotografen) und auf Stellwänden aufgehängt. 82 Tagungsteilnehmer bewerteten die Bilder, wobei jeder Teilnehmer drei Stimmen hatte und jedes Bild nur einmal gewählt werden durfte.
Die Preise für die Sieger wurden von Christ Media und Humanitas gestiftet.
Hier die Siegerfotos:
1. Preis: Perfekt getarnter Waldkauz in Baumhöhle von Christian Harms
2. Preis: Mit Beute anfliegendes Sperlingskauzweibchen von Christoph F. Robiller http://www.naturlichter.de
3. Preis: Waldohreule im Mondlicht von Dirk Unkelbach
4. Preis: Sumpfohreule mit ausgebreiteten Flügeln von Hero Appeldorn
5. Preis: Uhu-Wildfang von Christiane Geidel
6. Preis: Sumpfohreule von Lars Weiser
Vortrag zum 8. Internationalen Symposium vom 10.10. – 12.10.2014 in Halberstadt: „Populationsökologie von Greifvogel- und Eulenarten“
von Reimut Kayser
In den windschwachen Gebieten Süddeutschlands, insbesondere Baden-Württemberg und Bayern, war die Nutzung der Windenergie zur Stromerzeugung lange Zeit recht unattraktiv. Seit der Entwicklung größerer Windenergieanlagen (WEA) mit Nabenhöhen von ca. 140 m und Rotordurchmessern zwischen ca. 100 – 120 m, mit Nennleistungen von meist 2,5 – 3 MW, insbesondere von speziellen Schwachwindkraftwerken wie der Nordex N-117 (2,4 MW) mit einem Rotordurchmesser von 117 m, lag Bayern 2012 im Zubau von WEA auf Rang 5 im bundesweiten Vergleich mit durchschnittlich 133,9 m Nabenhöhe der 2012 erstellten WEA5). Abbildung (Abb.) 9 zeigt die Größenzunahme der WEA von 1990 – 2013 in Deutschland.
Um die großflächig geringe Windgeschwindigkeit (z. B. in Bayern) besser zu nutzen, werden von den WEA-Investoren sehr bevorzugt topografisch erhöhte Standorte ausgewählt: Hügel, Bergrücken, Hangoberkanten sowie Hochflächen, die an Talflanken von (Fluss-)Tälern anschließen. Dabei bewirkt bereits eine geringe Erhöhung der durchschnittlichen jährlichen Windgeschwindigkeit von z. B. sechs Metern pro Sekunde (6 m/s) (etwa in der Region München) auf 7 m/s (etwa in der Region Hamburg) fast eine Verdoppelung des Stromertrags, da die Leistung mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit ansteigt6). Die Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe über Grund zeigen die Abb. 5 und 6, die daraus resultierende Standortwahl die Abb. 7 und 8; Abb. 8 zeigt einen typischen WEA-Standort im südlichen Bayern (Allgäu) auf einer bewaldeten Anhöhe. WEA in Waldrandnähe erzeugen zusätzliche Kollisionsgefahren für größere Vogelarten. Die dezentrale, weit gestreute Stromgewinnung geschieht in Süddeutschland somit verbrauchernah mit kurzen Leitungswegen. Die Notwendigkeit, „Windstrom“ aus dem Norden mittels monströser Überlandleitungen zu den Verbrauchern im Süden zu bringen, wird zumindest stark verringert. Gerade die sehr großen geplanten Fernstromleitungen werden jetzt schon heftigst bekämpft. Zudem bieten WEA-Projekte auch im Süden respektable finanzielle Anreize auch für kleinere mittelständische Unternehmen sowie Kapitalbeteiligungen für Kommunen und Bürger im Standortbereich. Diese „Wertschöpfung vor Ort“ erhöht die Akzeptanz bei Kommunalpolitikern und Bürgern im Umfeld der WEA-Projekte.
Der folgenden Darstellung liegen sehr viele gezielte Beobachtungen zugrunde zum Flugverhalten von Rot- und Schwarzmilan, vor allem seit 1974 aus den Landkreisen Dillingen/Donau und Donau-Ries (beide Lkr. im Reg.bez. Schwaben/Bayern), die zu den drei Regionen mit den höchsten Populationsdichten des Rotmilans in Bayern gehören (Ergebnisse der bundesweiten Rotmilan-Kartierung 2011/12 für Bayern: Ornithologische Fachtagung des bayerischen Landesamtes für Umwelt in Augsburg, Februar 2013). Mit zahlreichen Fachleuten aus Ornithologie und Naturschutz wurden meine Beobachtungen immer wieder diskutiert und bestätigt.
Für Großvögel, besonders für den Rotmilan, vergrößern aber die WEA-Standorte auf erhöhten (exponierten) Geländebereichen zusätzlich das schon grundsätzlich vorhandene Kollisionsrisiko mit WEA-Rotoren erheblich. Die Abb. 2 und 3 zeigen die Dimensionen und technischen Daten von WEA und die daraus resultierende grundsätzliche Gefährdung besonders für größere Vogelarten.
Abb. 10 zeigt die Entstehung des Auftriebs am Profil (Querschnitt) des Vogelflügels: Bei langsamem Flug hat der Stau auf der Unterseite den Hauptanteil an der tragenden Wirkung (z. B. durch Thermik, Hangwind). Je schneller die horizontale Luftströmung auf die Vorderkante des Profils wirkt, desto größer wird der Anteil des oberseits wirkenden Sogs am Auftrieb.
Schema des Thermiksegelns (n. JADOUL) am Bsp. des Schwarzstorchs: Will der Vogel Energie sparend zu einem weit entfernten Nahrungsgebiet gelangen (Distanzflug), kann er als Aufstiegshilfen für seine langen Gleitflugstrecken a) Thermiksäulen oder/und b) Hangwinde nutzen. Hügelketten oder lange Talflanken (in Flusstälern) werden daher bevorzugt aufgesucht. Auch die im Bild gezeigten Waldrandbereiche können Aufwinde erzeugen.
Gerade die Suchflugjäger Rot- und Schwarzmilan bevorzugen Geländebereiche, die ihnen günstige Bedingungen für den notwendigen Energie sparenden Segelflug bieten:
Besonders kollisionsträchtig sind daher einzelne WEA oder gar „Windparks“, z. B. an Oberkanten von Flusstälern, die quer zu den Hauptwindrichtungen aus dem westlichen Sektor verlaufen. Die von Süd nach Nord verlaufenden zahlreichen Flusstäler, die den Alpenraum in Süddeutschland bis zur Donau hin entwässern, sind besonders kritisch (Beispiel: Abb. 18). Zudem haben sie streckenweise hohe Attraktivität für süd(west)wärts ziehende Großvögel. Schon vor dem alpennäheren Bereich bietet die flussauf immer mehr vorherrschende Grünlandnutzung besonders gute Nahrungshabitate. Gerade (steilere) Hangbereiche werden meist nicht ackerbaulich genutzt, sondern als Wiesen. Dadurch ergeben sich längere Aufenthaltszeiten (vor allem im Spätsommer/Herbst) und erhöhte Flugaktivitäten in besonders kritischen Bereichen: WEA, die quer zur Hauptwindrichtung an der Taloberkante eines von Süd nach Nord strömenden Flusses aufgereiht sind (s. Abb. 19),
Die zuletzt genannten Zusammenhänge werden durch folgende technische Daten noch deutlicher
Auch die häufig gewählten WEA-Standorte im Bereich von Waldrändern erhöhen das Kollisionsrisiko für Großvögel erheblich:
Legende zu den Abbildungen 14 und 15: Ausschnitt TK 1 : 25.000; Luftbild 1 : 12.500
Die stetig weiter zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft verschlechtert die Nahrungsbedingungen gerade für Suchflugjäger wie Milane und Weihen immer gravierender: Einerseits geht die Zahl der Beutetiere durch Verlust von Grünland, Hecken und Feldrainen zurück. Andererseits wird die Erreichbarkeit der Nahrung immer mehr erschwert durch Zunahme der Flächen mit hochwachsenden Kulturpflanzen, insbesondere von „Energiepflanzen“ wie Mais und Raps. Gerade zur Zeit des höchsten Nahrungsbedarfs für eine Rotmilan-Familie ab Ende Mai bis Ende Juli sind große Landschaftsteile für den Nahrungserwerb gleichsam versiegelt. Die Bilanz zwischen Energieverbrauch beim Jagdflug und Energiegewinn bei der Nahrungsaufnahme wird immer kritischer, je weiter bzw. zeitlich länger die Suchflüge werden müssen. In der Folge werden Geländeerhebungen und Waldränder noch wichtiger und attraktiver wegen ihrer günstigen Bedingungen für den Energie sparenden Segelflug.
Der landwirtschaftliche Strukturwandel, ohnehin ein entscheidender Faktor für den Rückgang der Rotmilanpopulation, nimmt zusammen mit dem weiteren Ausbau der Windkraft Milane u. a. größere Vögel gleichsam „in die Zange“. Dabei ist das Problem noch ziemlich im Anfangsstadium: Ende 2013 waren „onshore“ 24.008 WEA mit 33.658 MW Gesamtleistung in Deutschland im Betrieb7). Nach Vorgaben der Bundesregierung (u. a. BMU, 2012) sollen bis 2050 ca. 78.500 MW Nennleistung durch WEA an Land (insgesamt „on- und offshore“ ca. 85.000 MW) installiert werden.
Dillingen, Dezember 2014
Reimut Kayser
Nachtrag der Redaktion:
Die in Abbildung 13 dargestellte Form der Windströmung nennt sich Logarithmisches Windprofil. Der mathematische Hintergrund dazu ist bei Wikipedia dargestellt.
07.11.2016
In Bayern erfolgt derzeit die Implementierung des Monitoringprogramms der seltenen Brutvögel (kurz: MsB). In diesen sollen alle Arten „abdeckt“ werden, welche nicht durch das bekannte Programm des Monitorings häufiger Brutvögel (MhB), aufgrund von zum Beispiel Seltenheit oder spezieller Lebensraumansprüche, erfasst werden können. Auch die Schleiereule gehört zu diesen Arten.
In einem ersten Schritt versucht nun das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) alle brutrelevanten Daten Bayerns zusammenzustellen, um einen Überblick hinsichtlich der Entwicklung des Bestandes und Verbreitung aus allen Regionen zu erhalten. Die Daten sollen gesammelt und allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden, sodass die eigenen Daten einer bestimmten Region besser interpretiert und eingeordnet werden können.
In einem zweiten Schritt sollen aus den zusammengestellten Daten bestimmte Projektgebiete (z.B. Landkreise) in verschiedenen Regierungsbezirken Bayerns ausgewählt werden, in denen ein dauerhaftes jährliches Schleiereulen-Monitoring eingerichtet werden soll. Diese sind zum jetzigen Stand noch völlig offen.
Aktuell erfolgt die Zusammenstellung der brutrelevanten Daten, wobei wir auf Ihre Mithilfe angewiesen sind. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Ihre Daten zur Verfügung stellen könnten. (Natürlich kann dies auch über einen Datenankauf abgewickelt werden.)
Kontakt: Sebastian Biele (LfU Bayern)
Chouette hulotte (Strix aluco) – Rapport d’activité 2015 du Groupe Broyard de Recherches Ornithologiques
03.11.2016