Rauhfußkauz

Rauhfußkauz

Aegolius funereus

Merkmale



Text von Karl-Heinz Graef

Mit einer Größe von 24-26 cm ist der Rauhfußkauz etwa so groß wei ein Steinkauz. Die Oberseite ist dunkelbraun mit rundlichen weißen Flecken, die Unterseite ist hell mit graubraunen Längsstreifen und Flecken die etwas verwaschen erscheinen. Der Kopf ist groß und rund und der ausgeprägte, helle Gesichtsschleier ist schwarz-braun umrandet. Die Augen sind groß und leuchtend orange-gelb und auf beiden Seiten des Schnabels befindet sich ein schwarzer Längsfleck. Die Füße sind bis zu den Krallen pelzartig dicht befiedert, was für den Rauhfußkauz auch namengebend war. Das Gefieder der Jungen ist dunkelbraun wobei die weißen Augenbrauen, Bartstreifen und Schulterflecken sehr auffallend sind. Der Flug ist gerade und nicht wellenförmig und Flügel und Schwanz sind länger als beim Steinkauz.

Fortpflanzung



Mit der Herbstbalz im Oktober werden die Reviere besetzt und mit der Frühjahrsbalz im Februar und März wird der Besitz einer geeigneten Bruthöhle angezeigt. In zwei Tagesabständen legt das Weibchen ab Mitte März bis Anfang Mai 3-6 weiße Eier, in sehr mäusereichen Jahren auch bis zu 8 Eier. Die Brutdauer beträgt etwa 26-28 Tage und das Gelege wird ab dem ersten Ei bebrütet. Die Nestlingszeit beträgt 29-36 Tage, richtig flugfähig sind sie mit etwa 35 Tagen. Haben die Jungvögel den Brutplatz verlassen, werden sie vom Männchen in ergiebige Jagdgebiete und so schrittweise vom Brutplatz weggelockt. Der Familienverband hält ca. 10-12 Wochen und im Alter von 6-8 Wochen können die Jungen erstmals Beute schlagen.

Lebensraum

Der Rauhfußkauz ist als ausgesprochener Höhlenbrüter auf Alholzbestände von Rotbuchen und Kiefern mit Schwarzspechthöhlen angewiesen. Als Ruheplätze bevorzugt er deckungsreiche Nadelholzbestände und zur Jagd braucht er offene Flächen mit geringer Bodenvegetation. Langjährige Untersuchungen haben gezeigt, dass in der Nähe von großflächigen Kahlschlägen und Sturmschäden die Ansiedlung begünstigt wird. Auf solchen Flächen gibt es meist wesentlich mehr Mäuse als in dichten Waldgebieten. In den Bergen ist der Rauhfußkauz bis hinauf zur Baumgrenze anzutreffen und auch im Tiefland wird er neuerdings vermehrt nachgewiesen.

Nahrung

Hauptbeutetiere sind auch beim Rauhfußkauz die Kleinsäuger, wobei Wühlmäuse mit über 50% den größten Anteil ausmachen. Aber auch Spitzmäuse und Echte Mäuse werden sehr häufig erbeutet und können je bis zu 20% der Nahrung ausmachen. In schneereichen Wintern und in Jahren mit sehr wenig Mäusen steigt auch der Anteil an Kleinvögel erheblich an. Beuteüberschuß wird das ganze Jahr über in Höhlen aber auch offen deponiert.

Gefährdung

Ausgeraubtes Rauhfußkautz-Gelege
Ausgeraubtes Rauhfußkautz-Gelege

Durch die Intensivierung der Forstwirtschaft und den Anbau von Fichten-Monokulturen auf großen Flächen hat sich ein Mangel an geeigneten Höhlenbäumen ergeben. Wichtige Höhlenbäume werden leider immer wieder aus Unkenntnis gefällt. Dazu kommen verstärkt Störungen durch die zunehmende Freizeitgestaltung des Menschen (jogging, mountainbiking, walking usw.) in den Wäldern. Dies ist eine sehr ernstzunehmende Gefahr, da immer weiter und tiefer in abgelegene Waldgebiete vorgedrungen wird.

Schutzmaßnahmen



Der naturnahe Waldbau mit unterschiedlichen Altersstrukturen und hohen Umtriebszeiten ist zu Fördern und Besonders Buchen- und Kiefern-Altholzinseln sind unbedingt zu erhalten. Höhlenbäume sollten dringend gekennzeichnet werden um auch hier ein versehentliches Fällen durch Forstarbeiter zu verhindern. Nisthilfen werden gerne angenommen und können die Ansiedlung auch in solchen Gebieten ermöglichen in denen geeignete natürliche Höhlenbäume noch fehlen.

Artspezialist der AG-Eulen:
Dr. Ortwin Schwerdtfeger
o.schwerdtfeger@gmx.de

Zuletzt geändert: 2014/06/05 02:01
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