Schleiereule

Schleiereule

Tyto alba

Text von Karl-Heinz Graef

Merkmale



Die Schleiereule ist durch ihren meist hellen, herzförmigen Gesichtsschleier, dem sie auch ihren deutschen Namen verdankt, unverwechselbar. Mit ihren ca. 34 cm Größe ist sie etwa so groß wie eine Haustaube und mit einer Flügelspannweite von ca. 90-98 cm wirkt sie besonders im Flug auffallend hell. Die Gefiederfärbung der Oberseite ist grau mit vielen kleinen schwarz-weißen Tropfenflecken, die der Unterseite weiß bis gelbbraun mit kleinen, dunkelbraunen Flecken, die in Anzahl und Dichte stark variieren können. Die Beine sind im unteren Bereich nur mit borstenartigen Federn bedeckt und die Augen sind relativ klein und auffallend dunkelbraun bis schwarz.

Fortplanzung

Frisch geschlüpfte Schleiereulenküken
Frisch geschlüpfte Schleiereulenküken
Schleiereule beim Füttern ihrer Jungen
Schleiereule beim Füttern ihrer Jungen

Die Balzzeit beginnt bereits im Februar mit der „Territorialen Balz“ und geht dann fließend in die „Intime oder Partner Balz“ über, die dann bis Mitte April oder noch länger andauert. Von Anfang April bis Mitte Mai legt das Weibchen, meist in zwei Tagesabständen, 4-7 weiße Eier, je nach Nahrungsangebot auch bis zu 12 Eier und manchmal auch noch darüber. Das Gelege wird ab dem ersten, spätestens jedoch ab dem zweiten Ei etwa 30-34 Tage bebrütet. So kommt es bei großer Jungenzahl zu Altersunterschieden von bis zu drei Wochen zwischen dem jüngsten und dem ältesten Nestgeschwister. Die Nestlingszeit beträgt normalerweise 56-68 Tage aber die Jungvögel verlassen den Brutplatz oft schon bevor sie voll flugfähig sind. Sie sitzen dann noch einige Tage in der näheren Umgebung des Brutplatzes im Gebälk der Gebäude. Bei ausreichender Nahrung und guter Witterung finden auch Zweitbruten statt, die sich dann bis Ende November ziehen können. Es wurden sogar Drittbruten vermutet.

Lebensraum



Die Schleiereule ist ein Kulturfolger und bevorzugt bei uns in Mitteleuropa offene Kulturlandschaften des Tieflandes mit dörflichen Strukturen. Sie hat sich eng an menschliche Siedlungen angeschlossen und nutzt als Gebäudebrüter Kirchtürme, Burgen und Schlösser sowie Scheunen und alte Taubenschläge auf Bauernhöfen als Brut- und Ruheplätze. Auf freien An- und Abflug legt sie dabei offensichtlich sehr großen Wert. Als Jagdgebiet braucht sie offenes Gelände mit hohem Grünlandanteil aber auch Feldwege, sowie Wald- und Heckenränder, Gräben und Feldraine mit ausreichend Ansitzmöglichkeiten. In waldarmen Mittelgebirgsregionen kommt sie in einer Höhe bis max. 800 m vor und in höheren Regionen fehlt sie ganz.

Nahrung

Hauptnahrungstiere sind Kleinsäuger, allen voran die Feldmaus, die bei Gradationen bis zu 95% der Beute ausmachen kann. Im Vergleich zu anderen Eulenarten ist bemerkenswert, dass auch Spitzmäuse häufig erbeutet werden. Kleinvögel, Ampibien und Fledermäuse werden dagegen eher selten erbeutet. Bei Beute-Überschuss wird am Brutplatz ein Depot angelegt, wo gelegentlich mehrere Dutzend Mäuse gestapelt werden.

Gefährdung

Schleiereule als Verkehrsopfer
Schleiereule als Verkehrsopfer

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft werden die Flächen für den Nahrungserwerb ständig verkleinert und durch die Flurbereinigung werden wichtige Saumbiotope vernichtet. Bei der Renovierung von Kirchen und Schlössern sind die Einflugöffnungen vergittert worden um verwilderte Haustauben auszusperren. Leider wurden den Schleiereulen so auch ihre alten Brutplätze genommen. Auch die Modernisierung von alten Gehöften und Scheunen führte zu Brutplatzverlusten. Es gibt sehr viele Verluste an Straßen, Bahnstrecken und Stromleitungen durch Kollision und in schneereichen Wintern verhungern sehr viele Schleiereulen. Mäuse- und Rattenvergiftungen sind auch heutzutage immer noch eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Schutzmaßnahmen

Nistkasten in einer Scheune
Nistkasten in einer Scheune

Die Verbesserung des Lebensraums durch die Anlage von Hecken und Ackerrandstreifen, sowie die Förderung der Weidevieh- statt der Stallhaltung sind sehr wichtig, da auf kurzrasigen Flächen der Beuteerwerb einfacher und erfolgreicher ist. Einflugöffnungen in Kirchen und Scheunen sollen erhalten oder wieder geschaffen werden. Besonders im Winter sind Scheunen oft über lange Zeit die einzigen schneefreien Flächen, auf denen die Schleiereulen noch erfolgreich auf Mäusejagd gehen können. Mit speziellen, großvolumigen Nistkästen (mindestens 100x50x50 cm) kann das Nistplatzangebot erweitert werden. Diese Nistkästen werden sehr gerne angenommen. Oberste Priorität sollte jedoch der Erhalt und die Förderung der natürlichen Brutnischen in Gebäuden sein.


Siehe auch unsere Bauanleitungen für Nisthilfen für die Schleiereule

Artspezialist der AG-Eulen:
Dirk-Peter Meckel
peter.meckel@freenet.de

Zuletzt geändert: 2016/02/10 16:55
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