28. Jahrestagung der AG Eulen 2012 in Bad Blankenburg

28. Jahrestagung der AG Eulen 2012 in Bad Blankenburg

von Karl-Heinz Graef

Vom 19.-21. Oktober 2012 fand in Bad Blankenburg in der Landessportschule von Thüringen die 28. Jahrestagung der AG Eulen statt. Die Organisation vor Ort hatten in n dankenswerter Weise WILHELM MEYER und MARIO MELLE übernommen. Für die hervorragende Planung und den reibungslosen Ablauf sei ihnen und allen Helfern nochmals herzlich gedankt.

Das Tagungsthema „Nisthilfen für Eulen: notwendig – sinnvoll – überflüssig – schädlich?“ ließ schon im Vorfeld spannende Diskussionen erwarten. Insgesamt konnten 112 Teilnehmer aus ganz Deutschland begrüßt werden, aber auch Teilnehmer aus Tschechien und aus Ungarn waren angereist. Leider erschwerten die zögerlich eingegangenen und teils unvollständigen Anmeldungen bis zum Anmeldeschluss die Planung erheblich und es waren viele Rückfragen erforderlich.

Die Tagung begann bereits am Freitag mit dem stets beliebten „Eulenschützer-Stammtisch“. Die 63 Teilnehmer hatten hierbei ausreichend Zeit, sich mit alten und neuen Bekannten ausführlich über Eulenschutz und neue Erkenntnisse zu unterhalten, Erfahrungen auszutauschen und eventuell auch neue Anregungen für eigene Untersuchungen zu holen. Am Samstag ging es pünktlich um 9.00 Uhr mit der Begrüßung durch den Vorsitzenden der AG Eulen, JOCHEN WIESNER, los. Es folgte eine wirklich sehr humorvolle Begrüßungsansprache von FRANK PERSKE, dem engagierten Bürgermeister von Bad Blankenburg, und herzliche Grußworte von ERWIN SCHMIDT, vom Vorstand des „Vereins Thüringer Ornithologen e.V. (VTO)“. Nach den Begrüßungen startete die Tagung mit dem ersten Vortrag von CHRISTIANE GEIDEL. Sie berichtete über ein Nisthilfe-Programm als Grundlage für Bestands-, Reproduktions- und Nahrungsuntersuchungen beim Habichtskauz im Nordosten Ungarns. Es folgte ein Vortrag von HANS DIETER MARTENS, der den Einsatz von Nisthilfen für den Uhu in Schleswig Holstein als eine Alternative zu Brutplätzen in Felsen und Steinbrüchen vorstellte. Nach einer kurzen Kaffeepause stellte CHRISTIANE GEIDEL Verfahren und Ergebnisse der Brutplatzoptimierung beim Uhu im Zemplén-Gebirge vor: An ehemaligen Brutplätzen hatten die engagierten Ungarn ZOLTÁN PETROVICS & ISTVÁN ZÓRIZS störendes Gestrüpp oder in die Brutnische gefallene Steine entfernt und damit die Plätze wieder so hergerichtet, dass sie für den Uhu attraktiv und nutzbar wurden.

Nach der Mittagspause stellte Ernst Kniprath in seinem Vortrag die Frage, ob Schleiereulen überhaupt noch die Unterstützung durch Nistkastenaktionen benötigen. Wie nicht anders zu erwarten, waren die Teilnehmer hier sehr unterschiedlicher Meinung. LUDWIG UPHUES berichtete anschließend über seine Ergebnisse aus 30-jähriger Untersuchung am Rande der Lüneburger Heide, wo er mit Nistkästen die Lücken zwischen den Althölzern mit Schwarzspechthöhlen überbrückt hatte. Dass es aber auch weitestgehend ohne Nisthilfen geht, zeigte eindrucksvoll WILHELM MEYER in seinem Vortrag „Nisthilfen für Eulen – wer hat den Nutzen? – eine kritische Betrachtung auf Grundlage eigener Untersuchungen und Literaturauswertung“. In seinem Untersuchungsgebiet verzichtet er völlig auf Nisthilfen, legt dagegen sehr viel Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Forstämtern und hat bezüglich Brutbaumerhaltung schon seit vielen Jahrzehnten ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. In der anschließenden Diskussion „pro und contra Nisthilfen“ erhitzten sich die Gemüter derart, dass der Moderator schlichtend eingreifen musste und die Kaffeepause eine sehr willkommene Unterbrechung war.

Bevor es im Vortragsprogramm weiterging, trafen sich alle Teilnehmer draußen für das Tagungs-Gruppenbild bei herrlichem Herbstwetter. Nachdem alle wieder ihre Plätze eingenommen hatten, referierte HANS DIETER MARTENS mit seinem zweiten Vortrag über Bruten vom Rauhfußkauz in bzw. an Höhlenzentren mit Hohltaube, Dohle, Schwarzspecht und Marder und wies auf den Einsatz eines neuen Nistkastentyps hin, der auch im Vorraum ausgestellt war. HARTMUT KOLBE berichtete anschließend über die Nistplatzwahl (Naturhöhlen und Nistkästen) vom Rauhfußkauz im Hohen Fläming in Brandenburg und GEORG KAATZ stellte in sehr humorvoller Weise die Probleme mit der Dohle als neuem Nistplatzkonkurrenten für Schleiereule und Steinkauz in Schleswig Holstein dar. Den Abschluss des Vortragsprogramms bildete JOCHEN WIESNER, der die Frage behandelte, ob Nistkästen für den Sperlingskauz überflüssig oder eventuell doch hilfreich sein können. Nach dem Abendessen fand die Mitgliederversammlung der AG Eulen statt (siehe Niederschrift der Mitgliederversammlung). Für den Sonntagvormittag waren 3 Exkursionsziele angeboten, die im Vorfeld der Tagung zunächst noch sehr unterschiedlich gebucht wurden. Im Verlaufe der Jahrestagung glich sich aber die Teilnehmerzahl weitgehend aus: Exkursion 1 – Brutgebiete im NSG „Uhlstädter Heide“: Die 41 Teilnehmer wurden in zwei geteilten Gruppen geführt, die eine vom Revierleiter MAIK MEIßNER und WILHELM MEYER; die andere vom Leiter des Forstamtes Paulinzella MATTHIAS SCHWIMMER. Die zweite Gruppe besichtigte zunächst die im Bau befindliche Auerhuhn-Aufzuchtstation mit ihrem Naturschutz-Informationszentrum. Diese Anlage ist bundesweit einmalig und wird u. a. durch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gefördert. Der weitere Weg führte beide Gruppen durch das NSG mit vom Schwarzspecht genutzten Altbuchen, in denen regelmäßig auch Rauhfußkauz und Waldkauz brüten, während der Sperlingskauz vorwiegend die Buntspechthöhlen im Nadelholz bezieht. Die Forstleute erläuterten detailliert die forstliche Behandlung dieser wertvollen Flächen; ergänzende Erklärungen dazu gaben BRIGITTE und WILHELM MEYER sowie JOCHEN WIESNER ab.

Exkursion 2 – Brutgebiete im Thüringer Schiefergebirge (700 m ü. NN): Das Gebiet der Saalfelder Höhe befindet sich im Forstamt Leutenberg. Die 24 Teilnehmer wurden von MARIO MELLE und dem zuständigen Revierleiter MICHAEL JÄCKLEIN geführt. In diesen Bergwäldern nutzt der Schwarzspecht vorwiegend Fichte, Kiefer und Tanne zum Höhlenbau, die durch schonende forstliche Behandlung die erforderlichen Stammstärken erreichen. Der Sperlingskauz findet im Nadelholz typische Brutmöglichkeiten in Buntspechthöhlen.

Exkursion 3 – Naturschutzstation „Dr. H. Steuer“ im Schwarzatal: 7 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit eines nahen Ziels, um früher abreisen zu können. Die vom Kulturbund betriebene Einrichtung im NSG „Schwarzatal“ befasst sich mit Information und Bildung im Bereich des Naturschutzes und führt sehr erfolgreich Veranstaltungen mit Schulklassen durch. Die Exkursion wurde von RALF HILLER, dem langjährigen Leiter der Station, geführt. Bei strahlendem Herbstwetter und prächtiger Laubfärbung waren die Exkursionen für alle Teilnehmer ein sehr beeindruckendes Erlebnis und ein gelungener Abschluss der 28. Jahrestagung der AG Eulen.

 Diskussion mit dem Revierleiter MAIK MEIßNER über Höhlenbaumschutz im NSG „Uhlstädter Heide“; im Bild zwei unserer Ehrenmitglieder OTTO DIEHL (1. v.l.) und in der Mitte Dr. Theodor Mebs. (Foto: KLAUS HILLERICH)
Diskussion mit dem Revierleiter MAIK MEIßNER über Höhlenbaumschutz im NSG „Uhlstädter Heide“; im Bild zwei unserer Ehrenmitglieder OTTO DIEHL (1. v.l.) und in der Mitte Dr. Theodor Mebs. (Foto: KLAUS HILLERICH)
 Teilnehmer der Exkursion ins Thüringer Schiefergebirge diskutieren Probleme des Höhlenbaumschutzes. KLAUS BRÜNNER (1. v. r.) und MARIO MELLE (3. v. l.) im angeregten Gespräch; im Hintergrund der ehemalige Vorsitzende ALBER HARBODT (2. v. l.). (Foto: K.-H. GRAEF)
Teilnehmer der Exkursion ins Thüringer Schiefergebirge diskutieren Probleme des Höhlenbaumschutzes. KLAUS BRÜNNER (1. v. r.) und MARIO MELLE (3. v. l.) im angeregten Gespräch; im Hintergrund der ehemalige Vorsitzende ALBER HARBODT (2. v. l.). (Foto: K.-H. GRAEF)

Zuletzt geändert: 2014/05/28 15:47
Driven by DokuWiki Recent changes RSS feed