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ag_eulen:tagungen:2014_halberstadt

2014 Halberstadt

Bericht zum 8. Symposium „Populationsökologie von Greifvogel- und Eulenarten“ und der 30. Jahrestagung der AG Eulen 2014 in Halberstadt

von Karl-Heinz Graef

Teilnehmer und Teilnehmerinnen des 8. Symposiums „Populationsökologie von Greifvogel- und Eulenarten“ am 12. Oktober 2014 in Halberstadt.

Foto: Eike Behrens

Dem vierjährigen Turnus treu bleibend, fand die 30. Jahrestagung der „Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen e.V. (AG Eulen)“ wieder in Zusammenarbeit mit dem „Förderverein für Ökologie und Monitoring von Greifvogel- und Eulenarten e.V.“ und der „Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung e.V.“ statt. Im Rahmen des 8. Symposiums „Populationsökologie von Greifvogel- und Eulenarten“ trafen sich vom 10.-12. Oktober 2014 245 Teilnehmer aus dem In- und Ausland im Seminar- und Tagungshotel Spiegelsberge in Halberstadt. Die internationalen Gäste aus Polen, Schottland, Österreich und Lettland und die nationalen, die aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren, konnten sich im Tagungsverlauf die Ergebnisse von 21 Greifvogel- und 5 Eulenbeiträgen anhören bzw. 13 Poster anschauen. Leider waren die Eulenbeiträge etwas unterrepräsentiert, was aber überwiegend damit zusammenhängt, dass sich die Eulen-Fachleute jährlich treffen und die Greifvogel-Fachleute eben nur alle vier Jahre. Herrn Ubbo Mammen und dem gesamten Organisationsteam gilt unser Dank für die tolle Organisation, den netten Empfang und eine wirklich rundum gelungene Tagung.

Nach einer kurzen Begrüßung von je einem Vertreter aller Ausrichterorganisationen am Freitagabend und der Bekanntgabe organisatorischer Dinge wurde nach dem gemeinsamen Essen in der Abendveranstaltung der Film „Das Jahr des Rotmilans“ von Sarah Herbort und Robin Jähne gezeigt - mit bemerkenswert schönen Einblicken und faszinierenden Aufnahmen aus dem Leben des Rotmilans. In der Hotelbar klang dann der Abend bei vielen interessanten Fachgesprächen mit neuen und alten Bekannten aus.

Am Samstagmorgen startete die Tagung mit den Grußworten von Staatssekretär Marco Tullner vom Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt. Ich glaube, es würde wirklich zu weit gehen, wenn ich jetzt von jedem Greifvogelvortrag eine kurze Zusammenfassung wiedergeben würde, hierfür gibt es den Tagungsführer, trotzdem möchte ich aber stellvertretend die Ergebnisse einiger Vorträge kurz erwähnen. Ubbo Mammen berichtete über 25 Jahre Monitoring Greifvögel und Eulen Europas. An dem Monitoringprojekt arbeiten viele von uns schon seit Jahren mit und es war hochinteressant, die Bestandstrends verschiedener Greifvogelund Eulenarten grafisch aufgearbeitet zu verfolgen. Duncan Orr-Ewing informierte uns anschließend über den Greifvogelschutz in Schottland und das in einem hervorragenden Deutsch. Bevor es in die Kaffeepause ging referierte Peter Wegener über 25 Jahre Wanderfalkenschutz in Nordrhein-Westfalen, wo der Bestand von null auf derzeit etwa 200 Brutpaare angewachsen ist. Anschließend berichtete Gerfried Klammer über die Erfassung von auf Gittermasten brütenden Baumfalken mit Hilfe eines Helikopters. Während die brütenden Falken von unten oft nicht entdeckt werden, kann man sie aus der Luft recht gut finden. Bernd- Ulrich Meyburg konnte mit Hilfe der Satellitentelemetrie erstmals lückenlos die Zugwege des Amurfalken aufzeigen. Der Amurfalke ist derjenige Greifvogel auf der Erde, der jedes Jahr den weitesten und anstrengendsten Zug vollführt. Er verlässt das Festland bei Indien und fliegt dann in einem drei Tage langen Nonstop-Flug bis zu 4.000 km über den Indischen Ozean bis er die Südostküste Afrikas erreicht. Die Falken überwintern in teilweise recht großen Schwärmen in Südafrika, überwiegend in der Provinz Natal. Nach dem Mittagessen zeigte Eckhard Gottschalk unter anderem mit beeindruckenden Videoscenen die Prädation nestjunger Rotmilane durch den Habicht. Anita Gamauf stellte die Ergebnisse von satellitentelemetrierten Wespenbussarden vor, die allesamt in Westafrika überwinterten. Dass mit Hilfe eines Kopters, an dem eine kleine Kamera befestigt ist, auch erfolgreich Wiesenweihenbruten erfasst werden können, zeigten Claudia Pürckhauer und Konrad Bauer. Am Abend hielten dann die AG Eulen und der Förderverein ihre Mitgliederversammlungen ab, wo verschiedene vereinsinterne Themen besprochen wurden.

Am Sonntagmorgen widmeten sich gleich drei Vorträge dem wohl seltensten und bedrohtesten Greifvogel in Deutschland, dem Schreiadler. Auch Ugis Bergmanis referierte über Bestand und Populationsdynamik von Aquila pomarina, allerdings aus dem Kerngebiet Lettlands. Winfried Nachtigall stellte die Ergebnisse von Ringablesungen an Sammelplätzen des Seeadlers in der Oberlausitz vor, wobei bei einzelnen Ansammlungen fast 50 Seeadler gleichzeitig beobachtet werden konnten. Zum Schluss der Greifvogelbeiträge berichtete dann noch Torsten Langgemach über die Wiederansiedlung des Fischadlers als Brutvogel im südspanischen Andalusien. Das 2013 erfolgreich abgeschlossene Projekt wurde mit der Bereitstellung von 191 Nestlingen aus Deutschland, Schottland und Finnland unterstützt.

Nach dem Mittagessen startete dann der kleine Vortragsblock zu den Eulen. Als erster referierte Wolfgang Scherzinger über „Historisches zur Artbeschreibung des Davidkauzes (Strix u.davidi)“. Hierbei galt es, alte verwirrende und teilweise falsche Angaben, insbesondere zu den Gefiedermerkmalen, richtigzustellen und das spärliche Museumsmaterial zu sichten und neu zu vermessen. Wolfram Brauneis berichtete über das Vorkommen von Wanderfalke und Uhu in gemeinsamen Brutgebieten in Hessen. Zwei Drittel aller hessischen Wanderfalken brüteten 2013 an Bauwerken. Dass Gebäude aber jede Menge Vorteile bieten, erkennt nun verstärkt auch der Uhu, was natürlich zunehmend zu Konflikten zwischen beiden Arten führt, meist jedoch mit einem eindeutigen Sieger: dem Uhu. Dem gleichen Thema widmete sich auch Martin Lindner bei seinem Vortrag über das Vorkommen des Uhus in urbanen Gebieten. So gibt es inzwischen vermehrt Brutnachweise aus Industriegebieten, von Funktürmen oder verschiedenen Kirchen. Lindner vermutet, dass das Vorkommen des Uhus in urbanen Gebieten weiter zunimmt und zur „Normalität“ werden könnte. Christiane Geidel berichtete anschließend über die Wichtigkeit der Kleinsäuger als ausschlaggebendem Nahrungsfaktor für den Bruterfolg des Uhus im südlichen Frankenjura, einem Bestandsschwerpunkt in Bayern. Hier gibt es konstant schlechte Nachwuchsraten und die Ursache ist möglicherweise die nicht ausreichende Ernährung der Uhuweibchen im Winter. Mit dem Vortrag über das Entstehen und Vergehen einer Rauhfußkauz-Population im Westharz von Ortwin Schwerdtfeger endete die Tagung und mit einer wirklich sehr gelungenen, humorvollen Zusammenfassung der gehaltenen Vorträge mit nur jeweils einem einzigen Satz verabschiedete sich Ubbo Mammen von den Teilnehmer, wünschte allen eine gute Heimfahrt und ein Wiedersehen spätestens in vier Jahren zum 9. Symposium.

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