WILHELM MEYER - 75 Jahre

Gratulation

WILHELM MEYER - 75 Jahre

WILHELM MEYER wurde am 16. November 1934 in Calvörde im heutigen Bördekreis in Sachsen-Anhalt geboren, wo seine Eltern eine Drogerie besaßen. Von 1941 bis 1949 besuchte er die Grundschule und musste in diesen schweren Zeiten auch den Verlust seines Vaters überwinden, der 1945 in russischer Gefangenschaft umkam. Da ihm trotz seiner guten Schulnoten, aus sozialen Gründen der Besuch der Oberschule verweigert wurde, begann W. MEYER zunächst eine Drogistenlehre. 1954 erhielt er die Möglichkeit, das Studium der chemischen Technologie in Köthen/Anhalt aufzunehmen, was er umgehend wahrnahm und 1958 als Chemieingenieur abschloss. Nach einem 3-jährigen Postgradualstudium über Umweltschutztechnik/Reinhaltung der Luft erwarb er 1994 den akademischen Grad eines Diplom-Ingenieurs (FH) und arbeitete auch nach Erreichung des Rentenalters noch bis 2007 freiberuflich als Ingenieur für Analysenmesstechnik, Wasserchemie und Umwelt in Rudolstadt-Schwarza.

WILHELM MEYER zeigte schon als Kind ein starkes Interesse für die Natur, für deren Erkundung er viele Streifzüge in den nahegelegenen Drömling unternahm. Sein tief verwurzeltes Verantwortungsgefühl für die Erhaltung der Natur kommt bereits darin zum Ausdruck, dass sich seine erste ornithologische Publikation im Jahr 1977 mit Maßnahmen zum Schutz von Schwarzspechthöhlen beschäftigte. Sein besonderes Interesse galt stets dem Schwarzspecht und den Nachnutzern seiner Höhlen. In Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Ornithologen folgten bald weitere bemerkenswerte Veröffentlichungen, die sich speziell mit der Brutbiologie dieser Nutzergilde beschäftigten. Um mehr über die Populationsdynamik von Schwarzspecht, Rauhfußkauz und Hohltaube zu erfahren, legte W. MEYER im Jahr 1978 die Beringerprüfung bei Dr. MAX DORNBUSCH in Steckby ab.

Aufgrund seines ornithologischen und naturschutzfachlichen Engagements und nicht zuletzt auch wegen seines Organisationstalentes wurde W. MEYER zum Leiter der Fachgruppe Ornithologie und Naturschutz im Landkreis Rudolstadt gewählt, deren Leitung er von 1983 bis 1993 inne hatte. Unmittelbar nach der Wende wurde er auch Mitglied des Naturschutzbeirates im nunmehr erweiterten Ldkr. Saalfeld-Rudolstadt und leitete dieses in Naturschutzfragen beratende Gremium von 1990 bis 1995.

Neben all diesen Verpflichtungen vernachlässigt W. MEYER nie seine zeitintensiven Erfassungen von Schwarzspecht und Rauhfußkauz, deren Beringung im Frühjahr er seit mehreren Jahrzehnten konsequent betreibt. Beringung ist für ihn nicht bloß eine anregende Freizeitbeschäftigung, sondern vor allem Mittel zum Zweck, d.h. er nutzt die wissenschaftliche Vogelberingung, um auch mithilfe mathematischer Methoden populationsdynamische und brutbiologische Erkenntnisse zu gewinnen, die er dann zur Begründung von Naturschutzstrategien in unseren Wirtschaftswäldern einsetzt. Seine ständigen Bemühungen um den Erhalt vom Einschlag bedrohter Brutbäume und seine Vorträge über Arten- und Höhlenbaumschutz bei Forstbehörden erklären nicht zuletzt auch, dass W. MEYER zum Initiator für die erst kürzlich in Thüringen gegründete NABU-Arbeitsgruppe „Waldnaturschutz“ wurde.

Wer mit W. MEYER zusammenarbeitet, wird sehr bald seine praktischen Fähigkeiten, seine Zuverlässigkeit und vor allem seine uneigennützige Hilfsbereitschaft schätzen lernen. Seine auf Erfahrung beruhenden Überzeugungen vertritt er auch dann mit Nachdruck, wenn andere gegenteilige Auffassungen haben. Seine Gründlichkeit führte erst kürzlich dazu, dass er bei der Auswertung jahrzehntelanger Beringungsergebnisse auf Unzulänglichkeiten und Fehlerquellen stieß, die selbst der Vogelwarte Hiddensee bislang nicht aufgefallen waren und deren Beseitigung demnächst sicherlich zu einer weiteren Verbesserung des Beringungs-Eingabeprogramms BERIHIDD beitragen wird. Die Liste seiner ornithologischen Publikationen umfasst insgesamt 16 Arbeiten.

Zum Schluss darf eines nicht unerwähnt bleiben: WILHELM MEYER weiß eine allzeit verständnisvolle Frau um sich, die seine häufige Abwesenheit, bedingt durch Geländearbeit oder Besprechungstermine, nicht nur erträgt und toleriert, sondern ihn nach Möglichkeit auch im Freiland aktiv unterstützt. Wir wünschen unserem Jubilar weiterhin eine stabile Gesundheit, viel Erfolg und Freude bei seiner engagierten Naturschutzarbeit!

Jochen Wiesner, 2010 im Eulen-Rundblick 60: 113

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Zuletzt geändert: 2014/04/14 17:15
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