Friedhelm Weick (1936-2017)

Portrait

Friedhelm Weick (1936-2017)

 Friedhelm Weick 2006 bei der Eröffnung der<br>Ausstellung zu seinen Ehren im Naturkunde-<br>museum Karlsruhe (Foto: Volker Greiner)
Friedhelm Weick 2006 bei der Eröffnung der
Ausstellung zu seinen Ehren im Naturkunde-
museum Karlsruhe (Foto: Volker Greiner)
FRIEDHELM WEICK kam am 05.11.1936 in Karlsruhe-Daxlanden zur Welt. Sein Vater, ein Malermeister, der in seiner Freizeit selbst reizvolle Blumen- und Vogelbilder schuf, förderte die Begabung seines Sohnes schon sehr früh. Die Rheinauen boten dem aufgeweckten Jungen ein noch weitgehend intaktes, sehr artenreiches Beobachtungsgebiet fast vor der elterlichen Haustür. Er nutzte es zu ausgiebigen Naturbeobachtungen und hielt das Gesehene auf seinem Skizzenblock fest.

Seine Schulzeit von 1943 bis 1951 war vom Krieg und der darauf folgenden, sehr kargen Zeit geprägt. Mit dem Besuch der englisch-französischen Sprachklasse, einem von der amerikanischen Besatzungsmacht geförderten Vorläufer der Realschule, hätte er zwar die Möglichkeit gehabt, aufs Gymnasium zu wechseln, aber die wirtschaftlichen Verhältnisse ließen es nach dem frühen Tod des Vaters nicht zu. Eine Förderung, wie sie selbst in diesen schlechten Zeiten Sprösslinge aus Akademikerfamilien ganz selbstverständlich erhielten, wurde ihm nicht zuteil; an Talenten aus den unteren Schichten hatte man wenig Interesse, ein gesellschaftlicher Aufstieg war nicht vorgesehen. So begann er 1951 eine Lehre als technischer Zeichner.

Von 1955 bis 1987 arbeitete er in seinem erlernten Beruf und brachte es bis zum Konstruktionsleiter. Tagsüber arbeitete er im Konstruktionsbüro, die Freizeit widmete er den Vögeln und der Malerei. Statt mit „künstlerischer Unbekümmertheit“ ging er mit der Hartnäckigkeit des Technikers zu Werk, der weiß, dass Genie auf 1% Inspiration und 99% Transpiration beruht, wie THOMAS ALVA EDISON es einmal schön griffig ausdrückte. Seine Kenntnisse über den Körperbau und das Verhalten der Vögel vertiefte er durch autodidaktische Studien am lebenden Objekt bei Züchtern und in zoologischen Gärten, die Feinheiten des Gefieders studierte er an Bälgen in zoologischen Sammlungen. Sie ermöglichten erst die Präzision und den wissenschaftlichen Wert seiner Darstellungen.

Schon vor seiner ersten Veröffentlichung 1970 - einem Taschenbuch für die Jägerprüfung - zog er das Interesse namhafter Ornithologen auf sich. Durch Empfehlung von ERWIN STRESEMANN wurde der Herausgeber des Handbuchs der Vögel Mitteleuropas, URS GLUTZ von BLOTZHEIM auf das junge Talent aufmerksam und gewann ihn 1968 als Illustrator zu Band 4 (Falconiformes).

Dabei war aller Anfang schwer: Der Herausgeber stellte sehr hohe Ansprüche an die Zeichnungen im Handbuch und FRIEDHELM WEICK musste fast alle Strichzeichnungen zu Verhalten und Flugbildern noch einmal zeichnen; lediglich die Zeichnungen von Federn wurden sofort akzeptiert.

Im Vorwort zum 4. Band des Handbuches findet sich der Vorfall in diplomatisch verklausulierter Form wieder:

 Friedhelm Weick 2005: Waldkauz im Gegenlicht
Friedhelm Weick 2005: Waldkauz im Gegenlicht
„Herr F. WEICK ist in eine unvermittelt eingetretene Lücke eingesprungen und hat sich mit großem Eifer und beispielloser Hingabe in die ihm sehr präzis gestellte und wenig Freiheit lassende Aufgabe eingearbeitet. Wir hoffen, daß er unserem Team lange treu bleibt und seine treibende Kraft auch den folgenden Bänden zugute kommt.“

Es sollten fast 30 Jahre und insgesamt 47 Farbtafeln sowie 1.072 Schwarzweißabbildungen werden.

1979 begann er berufsbegleitend ein Studium der Gebrauchsgraphik, das er 1981 mit Auszeichnung abschloss – um den in manchen Kreisen anrüchigen Ruf des Autodidakten loszuwerden, wie er sagt.

Das „Handbuch“ war nicht das einzige große Projekt, das er illustrierte. Zu nennen wären da: JOCHEN HÖLZINGERs siebenbändige Avifauna der Vögel Baden-Württembergs, für die er 14 Farbtafeln und 485 SW-Abbildungen anfertigte und natürlich eigene Bücher nicht nur über Greifvögel und Eulen, die er mit namhaften Co-Autoren oder auch alleine herausgegeben hat. Nebenbei illustrierte er auch noch zahllose Artikel in Zeitschriften wie Wild und Hund, Allgemeine Deutsche Imkerzeitung, Gefiederte Welt, Die Vogelwelt, Der Falke, Der Falkner, Greifvögel und Falknerei, Ornithologische Mitteilungen, Sammlung Vogelkunde etc.

Erst 1987, mit dem Wechsel vom Posten des Konstruktionsleiters zum Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe, für das er als Graphiker arbeitete, wurde das Hobby, das ihm immer Berufung war, zum Beruf. Im Verlauf von 10 Jahren gestaltete er vom kleinen Schildchen für das Vivarium über Hintergrundbilder für Vitrinen bis zum Wandgemälde im Format 4,20 m x 21 m im Afrikasaal natürlich auch die Publikationen des Museums.

Seit 1997 ist er offiziell im Ruhestand, aber wer FRIEDHELM WEICK kennt, weiss, dass das für ihn nur bedeuten kann, für seine eigene Arbeit jetzt den ganzen Tag Zeit zu haben.

A.F.

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Zuletzt geändert: 2019/01/28 16:42
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