Birgit Block (1956-2017)

Portrait

Birgit Block (1956-2017)

BIRGIT BLOCK wurde am 21. Juni 1956 in Rodewisch im sächsischen Vogtland geboren. Schon früh begann sie sich für die Vogelwelt zu interessieren und wurde bereits in der Grundschulzeit Mitglied der ornithologischen Fachgruppe in Falkenstein/ Vogtl. Der Besuch einer Oberschule wurde ihr aber aus politischen Gründen verweigert, da sie die Teilnahme an der sozialistischen Jugendweihe abgelehnt hatte. Sie erlernte daher zunächst den Beruf einer Zootechnikerin und konnte im Jahr 1975 aufgrund ihrer guten fachlichen Leistungen eine Ausbildung an der Agraringenieurschule in Quedlinburg im Bereich Tierproduktion aufnehmen, die sie im Jahr 1978 mit dem Grad einer Agraringenieurin für landwirtschaftliches Versuchswesen beendete. Der sonst anschließende Einsatz in der landwirtschaftlichen Produktion blieb ihr aber erspart, da ihre Bewerbung auf eine Stelle an der Vogelwarte Hiddensee Erfolg hatte. Noch im Jahr ihres Studienabschlusses konnte B. BLOCK nunmehr ihre Anstellung als technische Mitarbeiterin auf der Insel Hiddensee antreten, wo sie fortan für die Bearbeitung von Beringungslizenzen verantwortlich war. Sie betätigte sich aber auch aktiv an der Beringung, insbesondere der Waldohreule, und der „größte Fang“, der ihr in der späten Dämmerung in ein über den Weg gespanntes Vogelnetz ging, war der Leiter der Vogelwarte, Prof. AXEL SIEFKE, höchstpersönlich.

Seit ihrem Studium bereits stand sie in Kontakt mit Dr. HEINZ LITZBARSKI, der die Naturschutzstation in Buckow bei Nennhausen aufgebaut hatte, die sich vorrangig der Aufzucht von Trappen und Pflege verletzter Vögel widmete. Im Jahr 1984 nahm sie ein Stellenangebot in der Aufzuchtstation Buckow an und wirkte vor allem bis 1998 im Großtrappen-Schutzprojekt mit. Mitte der 1990er Jahre begleitete sie den Erwerb von Flächen für den Trappenschutz, der mit dem Ausbau der ICE-Strecke Berlin-Hannover erforderlich geworden war. Im Jahr 1996 publizierte sie eine Arbeit über „Wiederfunde von in Buckow ausgewilderten Großtrappen“. Im Zuge praktischer Beringungstätigkeiten beteiligte sie sich auch am von Prof. E. RUTSCHKE geleiteten Gänsefang am Gülper und Rietzer See. Mit der Umstrukturierung der Naturschutzstation Buckow zur Staatlichen Vogelschutzwarte des Landesumweltamtes Brandenburg übernahm B. BLOCK ab 1998 zunehmend weitere dienstliche Aufgaben.

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit jedoch setzte sie in ihrer Freizeit die auf der Insel Hiddensee begonnene Beschäftigung mit der Waldohreule mit großem Engagement fort und begann bereits 1984 auf einer 50 km² großen Probefläche am Rande des Großtrappen-Schutzgebietes im Havelländischen Luch die Brutbiologie der Waldohreule systematisch zu untersuchen. Schon 3 Jahre später konnte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann PETER BLOCK eine erste Analyse der Populationsökologie von Asio otus publizieren. Dieser Veröffentlichung folgten weitere bemerkenswerte Arbeiten über die Brutbestandsentwicklung und Reproduktion der Waldohreule. Ihre über 20 Jahre auf dieser Probefläche kontinuierlich fortgeführte Langzeitstudie an der Waldohreule gipfelte 2007 in einem Vortrag auf der 4. Welteulenkonferenz in Groningen/Niederlande, der auch auf ausdrücklichen Wunsch des Veranstalters im Jahre 2009 in den Proceedings of the Fourth World Owl Conference publiziert worden ist, zumal es im europäischen Raum an dieser schwierig zu erfassenden Eulenart keine entsprechend repräsentative Studie gibt. Aufgrund ihrer umfangreichen Erfahrungen ist sie im Rahmen der Mitarbeit in der AG Eulen seit dem Jahr 2002 als Artspezialistin für die Waldohreule tätig und gleichzeitig als Landesbeauftragte für Brandenburg zuständig.

Über ihre intensive Beschäftigung mit der Waldohreule hinaus ist B. BLOCK aber auch an anderen Eulenarten aktiv: so gelang ihr im Jahr 1985 der erste Nachweis des Rauhfußkauzes im Landkreis Havelland. Des Weiteren beringt sie seit vielen Jahren die Schleiereulen im NSG „Havelländisches Luch“ und betreut deren Brutplätze. Sie begleitet in besonderem Maße das Auswilderungsprogramm Steinkauz in Brandenburg fachlich und ist seit 2009 auch für die Beringung von Uhus im Landkreis Potsdam-Mittelmark zuständig.

B. BLOCK setzt sich nicht nur dienstlich für den Naturschutz, insbesondere für den Trappenschutz im NSG „Havelländisches Luch“, ein und sorgt für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen, sie engagiert sich auch in ihrer Freizeit für den speziellen Artenschutz, wobei ihr natürlich Schutz und Monitoring der das Offenland bewohnenden Arten Waldohreule und Steinkauz besonders am Herzen liegen. Wir wünschen unserer Eulenforscherin weiterhin Gesundheit, viel Erfolg und Freude bei der Freilandarbeit.

Jochen Wiesner, 2011 im Eulen-Rundblick 61: 147

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Zuletzt geändert: 2019/01/28 16:44
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